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01.01.2010, 12:45

WM-Helden: Héctor Scarone, Uruguay

Scarone - Magier aus Montevideo

Eine besondere Rolle in der großen Mannschaft Uruguays, die 1924 und 1928 Olympiasieger wurde und 1930 auch die erste Weltmeisterschaft für sich entschied, war dem Angreifer Héctor Scarone vorbehalten. Scarone, der Magier, "el Mago", aus Montevideo war eine der Referenzfiguren der "Celeste" Uruguays und einer der größten Spielerfiguren seines Landes. Der Titelgewinn von 1930, zu dem er maßgeblich beitrug, bedeutete die Krönung seiner großen Karriere.

Héctor Scarone posiert vor dem WM-Endspiel 1930 in Montevideo für das Mannschaftsbild. Links neben ihm Teamkamerad Pablo Dorado.
Héctor Scarone posiert vor dem WM-Endspiel 1930 in Montevideo.
© picture allianceZoomansicht

Es war der 30. Juli 1930 - im knapp 90.000 Zuschauer fassenden Rund des ehrwürdigen Centenario-Stadions in Uruguays Hauptstadt Montevideo fand das Endspiel der ersten FIFA-Weltmeisterschaft statt. Sich gegenüber standen dabei zwei Erzrivalen, die Gastgeber hatten sich ebenso wie die Argentinier ins Finale gespielt. In der Formation der Uruguayer fand sich ein besonderer Stürmer - Héctor Scarone, "der Magier".

Scarone war wahrhaftig kein Unbekannter in der Welt des Fußballs, als es erstmals um WM-Ehren ging. Bereits zuvor, gleich zweimal nacheinander, war Uruguay mit ihm im Team 1924 in Paris und 1928 in Amsterdam Olympiasieger geworden. Die Elf aus dem kleinen Land an der La-Plata-Mündung war eine Fußballmacht - mit Scarone als Referenzfigur.

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WM-Held Héctor Scarone
Uruguay jubelt
Weltmeister!

Héctor Scarone (ganz rechts) bejubelt mit seinen Mitspielern nach dem Schlusspfiff den Gewinn der Weltmeisterschaft in Uruguay.
© picture-alliance

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Uruguays großer Fußballphilosoph, Eduardo Galeano, beschrieb Scarones Spiel mit angemessenen Worten: "Héctor Scarone spielte seine Pässe, wunderschön wie Geschenke. Er verstand, unter Missachtung der Gesetze der Schwerkraft in der Luft zu schweben". Im Zusammenspiel mit seinem kongenialen Sturmpartner Pedro Cea stellte er gegnerische Abwehrreihen vor unlösbare Rätsel.

Spielplan der WM 1930

Der 1898 geborene Scarone befand sich bei der ersten Weltmeisterschaft 1930 schon im Zenit seiner langen Laufbahn. In Amsterdam hatte er sich zwei Jahre zuvor bereits unsterblich gemacht, als ihm im Wiederholungsspiel um die Goldmedaille per Volleyschuss der Siegtreffer zum 2:1 gegen Argentinien in der 73. Minute gelang. Bossio, der argentinische Keeper, sprang angeblich erst dem Leder hinterher, als es schon längst im Netz zappelte.

Länderspieltor 31 - ein Rekord

Vor heimischem Publikum, im gerade rechtzeitig fertiggestellten Centenario-Stadion seiner Geburtsstadt, musste der Olympia-Held sich zunächst gedulden - erst im dritten Gruppenspiel gegen Rumänien durfte er auflaufen und prompt traf er beim 4:0 seiner "Urus" gegen die Europäer. Es sollte sein einziger WM-Treffer bleiben, eines von insgesamt 31 Länderspieltoren, die bis zum heutigen Tag den Rekord in seiner Nationalelf bedeuten, doch fortan verpasste er kein einziges Spiel mehr.

Das Halbfinale gegen Jugoslawien gewann der Favorit in Hellblau, der Landesfarbe Uruguays, glatt mit 6:1, dann stand erneut der brisante Gang gegen den Erzrivalen von der gegenüberliegenden Seite der Mündung des Silberflusses an. Das Centenario war vollbesetzt - gleich 15 Boote, so die Legende, machten sich von Buenos Aires auf, den Fluss zu überqueren.

Am Hafen und am Stadioneingang wurden die Zuschauer nach Waffen durchsucht, der Schiedsrichter, John Langenus aus Belgien, hatte darauf bestanden. Und auch die Rivalen trugen zur Dramatik bei: da man sich auf keinen Spielball einigen konnte, wurde vereinbart, in Durchgang eins mit einem argentinischen Modell zu beginnen und die Partie mit einem Leder ururguayischer Machart zu beenden.

Héctor Scarone, im Bild ganz rechts, bejubelt nach dem Schlusspfiff mit seinen Teamkollegen den WM-Titel.
© picture-alliance

Die Revanche der Argentinier für die Pleite von Amsterdam schien diesmal möglich. Zur Pause führte die Gäste-Elf, auch durch ein Tor des ersten Gewinners des Goldenen Schuhs, Guillermo Stabile, mit 2:1. Doch die starbesetzte Mannschaft um Scarone, das Mittelfeld-Genie Jose Andrade und dem als besten Verteidiger seiner Zeit geltenden Jose Nasazzi drehte das Spiel noch um und triumphierte mit 4:2. Uruguay krönte sich zum ersten Weltmeister, Hector Scarone, der nur 1,75 Meter große dribbelstarke Offensivkünstler seine makellose Karriere.

Karriere-Ausklang beim Stammverein

Scarone, der bei Nacional Montevideo zum Weltklassespieler reifte, schnürte seine Stiefel fortan in Italien und zauberte drei Jahre für Palermo und Inter Mailand. Dann zog es ihn zurück zu seinem Stammverein, dem er bis 1938 treu blieb. Scarone, der in den 50er Jahren als Trainer unter anderem bei Real Madrid noch sein Glück versuchte, verstarb 1967 in Montevideo.

01.01.10
 
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