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03.01.2010, 12:11

Ferenc Puskas, Ungarn

Die Tragödie von Bern

In Deutschland denkt man mit Wohlwollen und Freude an die Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz zurück. Das Wunder von Bern ist mittlerweile ein Teil deutscher Nachkriegsgeschichte geworden, doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. In Ungarn, das mit seiner Wunderelf im Finale von Bern der Herberger-Elf mit 2:3 unterlag, war das Turnier wohl eher eine Tragödie. Dennoch gilt der damalige Kapitän der Magyaren, Ferenc Puskas, als einer der besten Fußballer aller Zeiten.

Ferenc Puskas (re.) vernascht bei der WM 1954 Brasiliens Djalma Santos.
Dribbelkünstler: Ferenc Puskas (re.) vernascht bei der WM 1954 Brasiliens Djalma Santos.
© imagoZoomansicht

Bereits im zarten Alter von 16 Jahren durfte sich Puskas in der ungarischen ersten Liga für Kispest Budapest, später in Honved Budapest umbenannt, beweisen. Ein Jahr später folgte bereits die Berufung in die Nationalmannschaft. Rasch avancierte der gebürtige Budapester zum Kapitän der "Wunderelf", die wegen ihrer spielerischen Dominanz diesen Beinamen bekam.

1952 gewannen die Ungarn die Goldmedaille bei den olympischen Spielen in Helsinki, ein Jahr darauf folgte das legendäre Spiel gegen England in Wembley. Die bis dato zu Hause ungeschlagenen Engländer wurden von den Ungarn sprichwörtlich auseinandergenommen. Mit exzellentem Offensivfußball fügten die Magyaren den "Three Lions" ein 6:3-Niederlage zu. Die Begegnung, bei der Puskas zwei Tore erzielte, ging in die Fußballanalen als "Jahrhundertspiel" ein.

Der Favorit stürzt im Finale

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Aufgrund dieser beeindruckenden Vorstellungen - Ungarn war zwischen 1950 und 1954 unbezwungen geblieben - reiste die "Wunderelf" auch als haushoher Favorit zur Weltmeisterschaft in der Schweiz. Und auch dort lief zunächst alles nach Plan, die Ungarn marschierten souverän ins Finale, wo aber Deutschland wartete. Der Rest ist bekannt! Deutschland gewann sensationell, wurde Weltmeister und fügte den Ungarn die bitterste Niederlage ihrer Fußballgeschichte zu.

Puskas selbst musste bei dem Turnier jedoch lange Zeit zuschauen. Bereits im zweiten Vorrundenspiel verletzte sich der Dribbler, so dass er die folgenden zwei Partien ausfiel. Erst im Finale konnte der Angreifer wieder mitwirken, allerdings fehlte es ihm in diesem an Spritzigkeit. Dennoch markierte er bereits nach sechs Minuten das erste Tor, ehe sein Teamkollege Zoltan Czibor nu zwei Minuten später gar auf 2:0 erhöhte. Doch dann nahm das "Wunder von Bern" seinen Lauf. Morlock (10.) und zweimal Rahn (18., 84.) schafften die Sensation. Puskas zeigte aber auch in seiner größten Niederlage Größe und gratulierte als Kapitän der deutschen Mannschaft.

Tod einer Legende
Ferenc Puskas
Deutschland hat das WM-Finale von 1954 gewonnen. Ferenc Puskas gratuliert als fairer Sportsmann seinem Widersacher Fritz Walter.
Nach dem Showdown

Deutschland hat das WM-Finale von 1954 gewonnen. Ferenc Puskas gratuliert als fairer Sportsmann seinem Widersacher Fritz Walter.
© imago

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Der "Major" flieht und wird zum Spanier

Nach der WM blieb zunächst alles unverändert. Puskas ging weiterhin erfolgreich für Honved Budapest und die ungarische Nationalmannschaft auf Torejagd. Doch die politischen Verhältnisse sollten zu eine großen Wende im Leben des genialen Dribblers führen. 1956 kam es zur blutigen Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes durch die sowjetische Armee. Die Lage in dem damals stalinistischen Staat wurde extrem unsicher. Puskas, der damals mit seinem Klub im spanischen Bilbao wegen eines Europapokalspiels weilte, kehrte nicht zurück. Er entschied sich dafür, in Wien zu bleiben. Da nicht nur Puskas diesen Schritt wagte, sondern auch einige andere seiner Mitspieler, war das Aus der "Goldenen Generation" besiegelt.

Die Karriere des "Majors" - den Spitznamen hatte er bei Honved bekommen - kam dadurch aber mächtig ins Stottern. Der ungarische Verband hatte bei der FIFA eine 18-monatige Sperre für den die legendäre Nummer 10 durchgesetzt. Nach Ablauf seiner Sperre kam es zum Kontakt mit Real Madrid. Dort traf er auf Alfredo di Stefano, es sollte der Grundstein für die glorreiche Geschichte der Königlichen werden. Mit Real gewann er dreimal den Europapokal der Landesmeister und sechsmal die spanische Meisterschaft. Unter anderem gelang ihm dabei auch eine kleine Revanche für das verlorene WM-Finale von Bern. Gegen Eintracht Frankfurt steuerte er 1960 beim 7:3-Triumph vier Treffer bei und hatte somit maßgeblichen Anteil am Titelgewinn der Madrilenen.

1961 erhielt er die spanische Staatsbürgerschaft und durfte fortan für die "Rote Furie" auflaufen, allerdings war diese Geschichte nicht von Erfolg gekrönt. In vier Spielen blieb er ohne Torerfolg, bei der WM 1962 in Chile schied er mit den Iberern sang- und klanglos in der Vorrunde aus.

Mäßiger Erfolg als Trainer

Nach seiner Spielerkarriere versuchte er sich als Trainer, hatte dabei aber weniger Erfolg. Lediglich bei Panathinaikos Athen lief es gut für Puskas. Zweimal gewann er die griechische Meisterschaft (1970, 1972), 1971 stand er mit Athen im Finale des Europapokals der Landesmeister. Ansonsten versuchte er sich in Spanien, Lateinamerika und Griechenland als Coach - ohne Erfolg. Nach dem Zerfall des Kommunismus kehrte er in seine Heimat Ungarn zurück, übernahm dort 1993 gar die Nationalmannschaft. An die glorreichen Zeiten konnte er aber in diesem Fall nicht mehr anknüpfen.

Rückkehr in die Heimat und große Anerkennung

Ferenc Puskas
02. April 1927 - 17. November 2006: Ferenc Puskas
© imago

Nach der Jahrtausendwende plagten den am 2. April 1927 geborenen Angreifer zahlreiche Krankheiten. Der Gesundheitszustand des mittlerweile an Alzheimer erkrankten Puskas verschlechterte sich zusehends, ehe er am 17. November 2006 im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung verstarb.

Während seiner aktiven Laufbahn erzielte Puskas in 528 Erstligaspielen in Ungarn und Spanien 512 Tore, wurde dabei acht Mal Torschützenkönig und schoss zudem in 84 A-Länderspielen für Ungarn 83 Treffer. 2001 wurde er in Ungarn zum Sportler des Jahrhunderts gekürt, drei Jahre zuvor hatte in die FIFA bereits in die Hall of Fame berufen.

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