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14.01.2010, 11:30

WM-Helden: Zinedine Zidane, Frankreich

Der Zauberer am Ball

"Was nützt es noch, Fußball zu schauen, wenn Zinedine Zidane nicht mehr spielt? Man sucht mit den Augen den Horizont ab und sieht nur ein ödes grünes Feld, auf dem blasse Gestalten hin und her laufen. Unnütze Wesen! Der Mann, der (zumindest dem französischen) Fußball zehn Jahre lang Sinn gab, will nicht mehr." (Alain-Xavier Wurst, Die Zeit 14.08.2004)

Brillianter Techniker mit Torriecher: Zinedine Zidane jubelt über einen seiner beiden Treffer im Finale gegen Brasilien.
Brillianter Techniker mit Torriecher: Zinedine Zidane jubelt über einen seiner beiden Treffer im Finale gegen Brasilien.
© picture allianceZoomansicht

Die Weltmeisterschaft 1998 im eigenen Land sollte für Frankreichs Spielmacher Zinedine Zidane gar nicht gut beginnen: Im zweiten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien ließ sich "Zizou" ("Die weiße Katze") zu einer Tätlichkeit hinreißen, wurde des Feldes verwiesen und für zwei Spiele gesperrt.

Die rüde Attacke passte so gar nicht zum technisch brillianten Spiel des Sohnes algerischer Einwanderer, der am 23. Juni 1972 in Marseille das Licht der Welt erblickte. 14 Jahre später sollte der Straßenfußballer einem Späher des AS Cannes auffallen, der das Ausnahmetalent des Jünglings erkannte. Das Fußballinternat in Cannes formte den Rohdiamanten, der gewissenhaft und fleißig immer mehr dazulernte, ehe er erstmals mit 17 Jahren die Luft des Profifußballs in der ersten französischen Liga schnupperte.

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Die nächste Station des begnadeten Technikers war 1992 Bordeaux, wo Zidane auch zum Nationalspieler wurde. Bei seinem Debüt 1994 in der "Equipe Tricolore" erzielte der Ausnahmespieler gleich beide Treffer beim 2:2 gegen Tschechien.

1996 wechselte "Zizou" dann nach Italien zu Juventus Turin. Dort lief der torgefährliche Mittelfeldstratege als echte Nummer 10 zur Höchstform auf, holte zwei Mal den "Scudetto" und den Weltpokal.

Blindes Verständnis

Die Rolle des zentralen Mittelfeldspielers sollte "Zizou" auch beim Weltturnier 1998 nach besagten Anlaufschwierigkeiten wie kein Zweiter ausfüllen. Zidane bestach mit einmaliger Ballbehandlung, wobei es den Anschein hatte, als wüsste er auch ohne Blickkontakt zum runden Leder stets genau, wo sich das Objekt der Begierde befindet.

Seine größte Stunde erlebte der Filigrantechniker im Endspiel gegen Brasilien in Paris im "Stade de France". Nicht nur für sein Idol Michel Platini machte Zidane im Finale gegen die südamerikanischen Ballartisten den Unterschied aus. Der Regisseur entzauberte den Gegner vor der Pause im Alleingang und brachte "Les Bleus" mit zwei Toren in Führung - jeweils per Kopf, eigentlich nicht unbedingt die Stärke des ansonsten kompletten Fußballers. Am Ende durfte er nach dem 3:0 Frankreichs den Titelgewinn feiern.

Dreimaliger Weltfußballer des Jahres!

Im Jahr 2001 zog es den dreifachen Familienvater dann nach Spanien zu Real Madrid. Nicht weniger als 76 Millionen legten die "Königlichen" für den damals wohl besten Ballkünstler und bis dahin zweimaligen Weltfußballer (1998, 2000) auf den Tisch. Zidane dankte es dem spanischen Rekordmeister auf seine Weise: Im Champions-League-Finale 2002 gegen Bayer Leverkusen schoss er den 2:1-Siegtreffer, gewann im gleichen Jahr den Weltpokal, holte im Jahr darauf den spanischen Meistertitel und wurde zum dritten Mal Weltfußballer des Jahres.

Seine Vereins-Karriere ließ "Zizou" in Madrid ausklingen. Nach der WM in Deutschland hing der filigrane Techniker, genervt und frustriert von zahlreichen Verletzungen, die Fußball-Schuhe an den Nagel, obwohl sein Vertrag eigentlich bis 2007 lief.

Zidanes Rücktritt vom Rücktritt

Seine Nationalmannschaftslaufbahn hatte Zidane nach wenig erfolgreichen Turnieren mit der "Equipe Tricolore" (WM 2002, EM 2004) im August 2004 mit 32 Jahren nach 93 Länderspielen und 26 Toren beendet. Als jedoch die "Equipe tricolore" eine wenig überzeugende WM-Qualifikation für das Turnier 2006 spielte, konnte sich Zidane dem Drängen der Fans und der Verantwortlichen nicht mehr erwehren und kehrte zurück.

Zidane startete mit Frankreich schwach ins Turnier. Dem einstigen Weltklassespieler drohte sogar ein unspektakulärer Abgang von der internationalen Bühne, als "Les Bleus" nach zwei Remis im dritten Gruppenspiel vor dem Aus standen. Zidane fehlte Gelb-gesperrt, als sich Frankreich mit einem 2:0 gegen Togo doch noch ins Achtelfinale rettete.

Spektakuläres Ende einer großen Karriere

In der Runde der letzten 16 Teams traf Zidane zum 3:1-Endstand gegen Spanien. Im Viertelfinale bereitete der Regisseur das entscheidende Tor direkt vor und führte sein Team zum 1:0-Sieg gegen Brasilien. Im Halbfinale gegen Portugal (1:0) traf Zidane selbst. Im Endspiel gegen Italien traf Zidane per spektakulären Elfmeter an die Unterkante der Latte zum frühen 1:0 (7.), das der Italiener Materazzi per Kopf aber schon in der 19. Minute ausglich. In der 109. Minute seines letzten Spiels stieß Zidane Materazzi mit dem Kopf zu Boden und wurde mit der Roten Karte des Feldes verwiesen. Seine insgesamt 15. Rote Karte! Auslöser für diesen Vorfall waren Beschimpfungen von Materazzi gegen Zidane.

Für Zidane war die Nationalelf-Karriere nach 108 Spielen und 31 Toren vorzeitig beendet, Frankreich unterlag Italien im Berliner Olympiastadion mit 5:3 im Elfmeterschießen.

14.01.10
 
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