Also sollte für den Fußballer mit den unvergleichlichen Dribblings, dem unwiderstehlichen Antritt und den unnachahmlichen Toren die WM-Endrunde 1998 in Frankreich der erste Höhepunkt seiner steilen Karriere und auch der Weg aus dem langen Schatten der brasilianischen Ballzauberer Pelé und Garrincha werden.
Doch auch die Titelkämpfe 1998 in Frankreich endeten für Ronaldo, der mittlerweile den Weg von Cruzeiro Belo Horizonte über die PSV Eindhoven und den FC Barcelona zu Inter Mailand gefunden hatte und dort 1998 UEFA-Pokalsieger wurde, verletzungsbedingt mit einer herben Enttäuschung. Knieprobleme ließen beim "Weltfußballer der Jahre" 1996 und 1997 keine berauschenden Leistungen zu, im Finale versagte der geschwächte und unter dem starken öffentlichen Druck leidende Angreifer und ging mit Brasilien gegen die heimische "Equipe tricolore" 0:3 unter.
Was danach folgte, kann man getrost als die "Leiden des Ronaldo" bezeichnen. Knieschmerzen, Pause, Comeback: Im November 1999 riss die Patellasehne und eine Operation wurde nötig. Die Rückkehr am 12. April 2000 dauerte nach seiner Einwechslung im Pokalfinal-Hinspiel gegen Lazio Rom nur fünfeinhalb Minuten. Die operierte Sehne hielt nicht. Da war es ein schwacher Trost für den Dribbelkünstler, dass der Pariser Kniespezialist Professor Gerard Saillant, der beide Operationen durchführte, verkündete, dass Ronaldo "seine Laufbahn fortsetzen kann". Doch "Il fenomeno", wie er von den Inter-Fans "getauft" wurde, gab sich kämpferisch: "Ich tue alles, was ich tun muss, um zu meiner alten Leistungsstärke zurückzukehren. Ich werde stärker sein als jemals zuvor."
Gesagt, getan - auch wenn Muskelprobleme den inzwischen 26-Jährigen immer wieder bremsten und selbst seine dritte WM-Teilnahme gefährdeten. Wäre da nicht Nationalcoach Luis Felipe Scolari gewesen, der fest an Ronaldo glaubte und ihm quasi einen Freifahrtschein für Japan und Südkorea ausstellte. Ronaldo sammelte kurz vor dem großen Turnier die von Scolari geforderte Spielpraxis, und Carlos Dunga, Spielführer des Weltmeisterteams von 1994, ahnte bereits, wozu Ronaldo im Stande sein könnte: "Wenn er so weitermacht, kann diese WM seine WM werden."
"Auch wenn er nur 70 Prozent seiner Leistung abrufen kann, ist er immer noch einer der gefährlichsten Stürmer der Welt", fügte der ehemalige Nationaltrainer Mario Zagallo hinzu, und diesmal sollte Ronaldo dem Vorschusslorbeer vollauf gerecht werden.
"König dieses Finales. Nutzte Kahns Patzer eiskalt aus. Über die gesamte Distanz brandgefährlich. Konnte vor dem Wechsel vom deutschen Torhüter zwei Mal noch im letzten Moment gestoppt werden - Note 1", lautete die Einzelkritik im kicker. Der Brasilianer war nach dem 2:0-Finalsieg gegen Deutschland auf dem Fußball-Gipfel angekommen, nun auch "echter" Weltmeister und zudem mit acht Treffern WM-Torschützenkönig.
Die Auferstehung nach der schier endlosen Leidenszeit führte Ronaldo ganz nebenbei mit nun zwölf Toren auch auf Rang drei der ewigen WM-Torjägerliste hinter Gerd Müller (14) und Just Fontaine (13) und gleichauf mit Pelé.
Zurück aus Asien überschattete das Wechsel-Hickhack zwischen Inter und Real Madrid seinen sportlichen Glanz. "Was wollen wir mit einem Mann, der mit seinen Gedanken woanders ist. Real bekommt den besten Stürmer der Welt", ließ Inter-Präsident Massimo Moratti seinen Top-Stürmer zähneknirschend ziehen.
Der inzwischen auch mit seinem Wechsel zu den "Königlichen" zum Mega-Star aufgestiegene Ronaldo (im Januar 2003 waren bereits 300.000 Trikots des neuen Real-Stürmers verkauft) schlitterte sportlich in eine kleine Krise, doch seine Leistungen bei der WM 2002 wurden Ende des Jahres dennoch honoriert. Zum zweiten Mal nach 1997 wurde er "Europas Fußballer des Jahres", und als erster Spieler sicherte er sich zum dritten Mal nach 1996 und 1997 auch den offiziellen FIFA-Titel "Weltfußballer des Jahres".
"Man kann schon sagen, es ist ein unglaubliches Jahr. Hollywood könnte einen Film darüber drehen oder es könnten Bücher darüber geschrieben werden", freute sich der Angreifer, der durch seine hochexplosive Verbindung von Dynamik und technischer Präzision besticht.
Bei Real hatte Ronaldo nicht nur endlich das Trikot mit der Nummer "9" ergattert, sondern spielte und traf auf konstant hohem Niveau. Als Sonderbotschafter der Vereinten Nationen (UN) für Hilfsprojekte in der Dritten Welt sorgt er auch abseits des großen Fußballs für Aufsehen. "Ronaldo and friends" gegen "Zidane and friends" - die beiden dreifachen Weltfußballer brillierten auch beim "Spiel gegen die Armut".
Brillieren wollten die Fans den Ausnahmestürmer auch 2006 bei der WM in Deutschland sehen. Doch Ronaldo war Teil einer insgesamt enttäuschenden brasilianischen Elf, die im Viertelfinale an Frankreich scheiterte. Dem Superstar warf man vor, zu dick und zu langsam zu sein. Das hielt "il fenomeno" aber nicht davon ab, sich mit drei Treffern in vier Spielen an die Spitze der WM-Rekordtorjägerliste zu schießen. 15 WM-Tore schaffte bis dato noch keiner!
Welches Paar soll bei der EURO die Innenverteidigung bilden?(47698 Teilnehmer)
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