Er war nicht mehr nur der ob seiner Eleganz, Souveränität, Leichtfüßigkeit, der Überlegenheit seiner Technik wie seiner Übersicht bestaunte Erfinder des modernen Liberos, der sich längst nicht mehr damit begnügte, den reinen "Ausputzer" zu geben, sondern das Offensivspiel als Dirigent aus der eigenen Abwehr heraus antrieb. Im Laufe des Turniers wurde er gar zum Kopf des gesamten Teams.
Es ist wohl seinem Einfluss zu verdanken, dass die internen Querelen nach der 0:1-Niederlage gegen die DDR gelöst werden konnten. Und es gilt als offenes Geheimnis, dass fortan der am 11. September 1945 im Münchner Stadtteil Giesing zur Welt gekommene Beckenbauer Mannschaftsaufstellung und Taktik bestimmt hat. Es folgten ein 2:0 gegen Jugoslawien und ein 4:2 gegen Schweden, ehe Beckenbauer die deutsche Nationalelf am 7. Juli im Münchner Olympiastadion als Kapitän beim 2:1-Erfolg gegen die Niederlande zu ihrem zweiten WM-Titel führte.
Es war Beckenbauers dritte und letzte Weltmeisterschaft als Spieler. Sein Stern am internationalen Fußball-Himmel ging acht Jahre zuvor bei der WM in England auf, als er 20-jährig Vize-Weltmeister wurde. Vier Jahre später war er Mitglied der WM-Elf, die das legendäre Halbfinale in Mexico gegen Italien (3:4 n.V.) bestritt.
Nach zwölf Jahren beim FC Bayern München, mit dem er je viermal deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger wurde, zudem dreimal in Folge den Europacup der Landesmeister sowie einmal den der Pokalsieger holte, wechselte er 1977 in die USA zu Cosmos New York (1977, 1978, 1980 US-Meister). Allerdings beendete dieser finanziell lukrative Wechsel seine internationale Karriere, denn Beckenbauer wurde fortan nicht mehr im Nationalteam berücksichtigt.
Insgesamt absolvierte Beckenbauer, der von vielen nur der "Kaiser" genannt wird, 103 Länderspiele für die Nationalmannschaft (14 Tore), die er 50 Mal als Kapitän aufs Spielfeld führte, unter anderem 1972, als die DFB-Elf Europameister wurde.
Unter der Ägide von DFB-Präsident Hermann Neuberger übernahm Franz Beckenbauer 1984 die krisengeschüttelte Nationalmannschaft als Teamchef (eine Fußball-Lehrer-Lizenz besaß er nicht und wollte er auch nicht machen: "Was wollen die mir in Köln auch schon beibringen?") und führte sie zwei Jahre später zur Vize-Weltmeisterschaft.
1990 gelang Beckenbauer, was zuvor mit dem Brasilianer Mario Zagallo erst einer schaffte: Nach dem WM-Titel als Spieler holte er die begehrteste Trophäe des Weltfußballs auch als Coach.
Das Doppelpass-Spiel zwischen Beckenbauer und den FIFA-Weltturnieren war damit aber noch immer nicht beendet: Sein vielleicht größter Coup gelang dem "Kaiser" im Jahre 2000, als er in der Funktion des Präsidenten des Bewerber-Komitees die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland holte, für die der heutige Ehrenpräsident des FC Bayern München als Chef des Organisationskomitees wirkte.
Welches Paar soll bei der EURO die Innenverteidigung bilden?(47698 Teilnehmer)
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