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07.01.2010, 14:22

WM-Helden: Johan Cruyff, Niederlande

Der ungekrönte "König" des Fußballs

Es gab und gibt nur wenige Spieler, die den Zuschauer - egal in welchem Stadion - in ihren Bann ziehen. Johan Cruyff gehörte zweifelsohne dazu. Obwohl seine internationale Karriere verhältnismäßig kurz war und er niemals Weltmeister wurde, steht er auf einer Stufe mit Pele, Beckenbauer oder Maradona. Und auch über das Spielfeld hinaus genießt wohl kaum ein anderer Fußballer eine solche Wertschätzung wie der Niederländer.

Kapitän und Idol der Niederlande: Der Stürmer des Oranje-Teams Johan Cruyff.
Kapitän und Idol der Niederlande: Johan Cruyff.
© picture allianceZoomansicht

Geboren wurde Johannes Hendrikus Cruyff, so sein vollständiger Name, am 25. April 1947 in Amsterdam. Er wuchs im Schatten des Ajax-Stadions auf, und als sein Vater früh starb, begann seine Mutter als Putzfrau zu arbeiten, um die Familie zu ernähren. Einer ihrer Arbeitgeber war auch Ajax Amsterdam. Fortan war der Weg des kleinen Johan vorgezeichnet: "Cruyff ist wahrscheinlich einer der wenigen, die Fußball gelernt haben, die darin aufgewachsen sind wie Bauernsöhne im Stall oder Fischerjungen im Boot", urteilte der bekannte Sportpublizist Karl-Heinz Huba. Mit 13 Jahren brach Cruyff die Schule ab, um sich ganz auf die Karriere als Fußballer zu konzentrieren.

Vincent sah das Kornfeld
Einstein sah die Zahl
Zeppelin den Zeppelin
Und Johan sah den BallKlaus Theweleit - Das Tor zur Welt

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Bei Ajax Amsterdam wurde er dann von der niederländischen Trainerlegende Rinus Michels (1928 - 2005) entdeckt. Am 15. November 1964 feierte er als 17-Jähriger sein Debüt in der ersten Mannschaft von Ajax und erzielte dabei gleich sein erstes von insgesamt 266 Toren für den niederländischen Topklub. Zwei Jahre später wurde er nicht nur erstmals Meister, sondern debütierte als 19-Jähriger auch in der Nationalelf seines Heimatlandes.

Dank seiner überragenden Spielintelligenz war Cruyff der unumschränkte Chef im Team. Technisch brillant, leichtfüßig und trotz seiner eher schmächtigen Figur ungemein zweikampfstark, war er zugleich Torjäger, Flankengeber und Regisseur in einer Person. Und zusammen mit seinem Förderer und Trainer, dem gewieften Taktikfuchs Michels, wurde Cruyff zum Mitgestalter und zur Symbolfigur des so genannten "totalen Fußballs".

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WM-Held Johan Cruyff

Doch weder Michels noch Cruyff waren die Erfinder des totalen Fußballs. Geprägt wurde der Begriff vom jüdischen Autor Willy Meisl in seiner Arbeit "Soccer Revolution" aus dem Jahr 1955. Der Österreicher propagierte einen Fußball der Zukunft, der von ständigen Positionswechseln geprägt sein wird. Die Ideen Meisls fruchteten zunächst aber nicht, weiterhin blieben die Spieler seiner Zeit stur auf ihren Positionen "kleben".

Erst Michels setzte das Konzept bei Ajax Amsterdam und in der niederländischen Nationalmannschaft um. Basierend auf der Theorie des "flexiblen Raums" wurde bei eigenem Ballbesitz versucht, durch Flügelspiel und ständige Rochaden das Spielfeld zu "vergrößern", während bei Ballbesitz des Gegners der Raum "verengt" wurde. Merkmale des "totalen Fußballs" waren Spieler, deren Zuständigkeitsräume sich überschnitten, eine herausragende Rolle des präzisen Pass-Spiels sowie eine ausgeprägte Spielintelligenz. Johan Cruyff, der "Pythagoras in Fußballschuhen" (Times-Redakteur David Miller), verkörperte diese Eigenschaften perfekt.

Cruyff: Bester Spieler der WM 1974

Während der WM 1974 in Deutschland staunte die Weltöffentlichkeit über die taktische Revolution der Niederländer. Cruyff - nominell Mittelstürmer - war als Dreh- und Angelpunkt einer praktisch nur auf Angriff spielenden "Elftal" überall auf dem Platz zu finden. Gleich bei seinem WM-Debüt gegen die Uruguayer brachte er die Verteidiger der "Celeste" zur Verzweiflung und bereitete beide Tore vor. Ewig in Erinnerung wird sein Tor in der Zwischenrunde gegen Brasilien bleiben, als er in der 65. Minute eine Flanke von Krool volley per Scherenschlag zum 2:0-Endstand verwandelte. Doch ausgerechnet im Finale gegen die deutsche Elf kam er gegen seinen Bewacher Berti Vogts nicht wie gewohnt zur Entfaltung. Trotz der 1:2-Niederlage wurde Cruyff völlig zu Recht zum besten Spieler des Turniers gewählt.

Dem König bleibt die Krönung versagt

Da Cruyff aus familiären Gründen nicht an der WM 1978 in Argentinien teilnahm, blieb "König Johan" die Krönung im Fußball versagt. Dafür erreichte er auf Vereinsebene alles. Mit Ajax Amsterdam wurde er sieben Mal niederländischer Meister, zwischen 1971 und 1973 gewann er drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Nach seinem Wechsel zum FC Barcelona 1973 wurde er ein Jahr später prompt spanischer Meister.

Nachdem er 1978 erstmals seinen Rücktritt erklärte, tauchte er wenig später in der US-Profiliga wieder auf, ehe er zu Ajax zurückkehrte. Allerdings nicht für lange, denn Cruyff wechselte zum Entsetzen der Fans ausgerechnet zu Feyenoord Rotterdam, wo er noch zwei Mal Meister wurde. Im Jahr 1984 hängte Cruyff die Schuhe endgültig an den Nagel.

Cruyff formt Barcelonas "Dream-Team"

Obwohl ohne Trainerlizenz, heuerte er kurz nach seinem Karriereende bei seinem Heimatverein Ajax Amsterdam als Technischer Direktor an. Erneut führte ihn der Weg nach Barcelona, wo er ab 1988 seine größte Zeit als Trainer erlebte. Um die Stars Zubizarreta, Koeman, Guardiola, Michael Laudrup, Bakero und Stoichkov formte er ein legendäres "Dream-Team", das 1992 gegen Sampdoria Genua den Europapokal der Meister gewann sowie vier Mal in Folge spanischer Meister wurde.

1996 trennten sich die Wege, auch weil Cruyff wieder Probleme mit seinem Herzen bekam. Der passionierte Kettenraucher schwor bereits im Jahr 1991 nach einer Bypass-Operation den Glimmstängeln ab, musste aber dem jahrelangen Raubbau an seinem Körper Tribut zollen. Seitdem widmet er sich vor allem der Johan-Cruyff-Stiftung, die behinderte Sportler und die sportmedizinische Forschung fördert, sowie der Internationalen Johan-Cruyff-Universität, die Sportlern nach dem Karriere-Ende bei der Neuorientierung helfen soll.

07.01.10
 
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