Pelé und Garrincha - eine Zweckgemeinschaft der besonderen Art. Standen die beiden außergewöhnlichen Kicker zusammen in der Nationalelf Brasiliens, ging kein Spiel verloren. Garrincha musste in seiner Länderspielkarriere gar nur eine Niederlage hinnehmen - in seinem letzten Spiel für Brasilien (insgesamt 50 Einsätze, 12 Tore) beim WM-Vorrunden-Aus am 15. Juli 1966 in England gegen Ungarn (1:3).
Doch zunächst sah es überhaupt nicht danach aus, als sollte der am 28. Oktober 1933 geborene Manuel Francisco dos Santos jemals fast in einem Atemzug mit der späteren Fußball-Legende Pelé genannt werden können. Links hatte er ein X-Bein, das um sechs Zentimeter kürzer war als das rechte O-Bein - alles andere als optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fußballkarriere. Seinen Künstlernamen erwarb er sich von einem seiner Brüder, der ihn mit einem brasilianischen Paradiesvogel mit schaukelndem Gang verglich.
Der fußballbesessene Jüngling ließ sich trotz dieser körperlichen Beeinträchtigungen nicht entmutigen und nutzte 1953 die sich ihm bietende Chance bei Botafogo Rio de Janeiro. Seine spektakuläre Spielweise mit begeisternden Dribblings und das schier unerschöpfliche Repertoire an Tricks, mit denen er die Gegenspieler narrte, machten den aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Fußballer schnell zum Liebling der Massen - und im August 1955 zum Nationalspieler.
Der WM-Titel mit der brasilianischen Nationalelf 1958 war das erste Highlight eines Spielers, der sich weder sportlich noch privat irgendwelche Zwänge auferlegen ließ. Der Spaßfußballer verzückte auch 1962 die Fußballwelt und avancierte bei den Titelkämpfen in Chile nach einer Verletzung Pelés dank seiner Ballfertigkeit und Torgefährlichkeit (Torschützenkönig mit vier Treffern) zur Hauptfigur im Weltmeisterteam.
Von ganz unten gekommen, stand Garrincha nach seinen zwei Toren im Viertelfinale gegen England (3:1) und im Halbfinale gegen Gastgeber Chile (4:2) ganz oben auf dem Gipfel, um dann aber auch ganz tief zu fallen.
Der Dribbelkünstler mit den "Bananen-Schüssen" schaffte den Spagat zwischen der Zelebrierung hoher Fußballkunst und einem von Alkohol und Frauengeschichten beherrschten Lebenswandel nicht, endete sprichwörtlich in der Gosse und verstarb 1983 im Alter von nur 49 Jahren. Hunderttausende Brasilianer gaben dem "Paradiesvogel" das letzte Geleit und unterstrichen damit, wie sehr sie Garrincha mit seinen Darbietungen auf der Fußballbühne jahrelang verzaubert hatte. Auf seinem mittlerweile überwachsenen Grabstein im Friedhof "Jardim da Saudade" steht: "Hier ruht in Frieden der, der die Freude der Leute war - Mané Garrincha."
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