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29.05.2014, 22:41

Kolumbien im WM-Check

Etwas gebremste Euphorie bei den "Cafeteros"

Erstmals nach 16 Jahren Pause hat sich die Nationalmannschaft Kolumbiens wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Hauptverantwortlich für die erfolgreiche Teilnahme waren der argentinische Trainer José Pekerman und Stürmer Radamel Falcao. Rund um den Goalgetter vom AS Monaco ist mit der erfolgreichen WM-Teilnahme eine Euphorie in Kolumbien entbrannt, die aber durch seinen im Januar erlittenen Kreuzbandriss jäh gedämpft wurde. Der Weltranglistenvierte hat aber zahlreiche andere Spieler in seinen Reihen, die den Ausfall des Starstürmers kompensieren können.

Eigentlich der große Hoffnungsträger Kolumbiens, aber dann riss das Kreuzband: Radamel Falcao.
Eigentlich der große Hoffnungsträger Kolumbiens, aber dann riss das Kreuzband: Radamel Falcao.
© Getty ImagesZoomansicht

16 Jahre mussten die Kolumbianer ausharren, bis sie ihre Nationalauswahl wieder bei einer Weltmeisterschaft erleben dürfen. Zuletzt qualifizierten sich die "Cafeteros" 1998 für die Endrunde in Frankreich - schieden aber auch hier, wie 1994 in den USA, bereits in der Vorrunde aus. Nun soll nach der langen Absenz alles besser werden, viele Hoffnungen und noch mehr Begeisterung schlägt der neuen "goldenen Generation" entgegen. Das liegt nicht nur an der Art und Weise, wie die Qualifikation überstanden wurde, sondern auch daran, dass die Landesauswahl in der FIFA-Weltrangliste bis auf Platz vier kletterte und somit als Gruppenkopf gesetzt war. Zwei Aushängeschilder prägten die erfolgreiche Quali: Trainer José Pekerman und Starangreifer Radamel Falcao.

Die Mannschaft

Alles drehte sich in Kolumbien um Radamel "El Tigre" Falcao - bis dieser sich in einem Pokalspiel seines AS Monaco Ende Januar das Kreuzband riss. Falcao arbeitete akribisch am Comeback, Nationalcoach Pekerman hatte erklärt, bis zum letzten Tag der Meldefrist auf den Rekonvaleszenten zu warten - der Angreifer der Monegassen wurde aber trotz aller Mühe und Hoffnungen nicht rechtzeitig für eine Teilnahme an der Endrunde fit wurde. "Ich bin heute in einem guten Zustand, aber mir ist bewusst, dass mir noch etwas fehlt, um spielen zu können und ich wollte nicht einem Kameraden den Platz wegnehmen, der bei 100 Prozent ist", sagte Falcao bestürzt: "Ich wollte auch nichts Leichtfertiges tun, das meiner Gesundheit schaden könnte."

Sogar bei Staatspräsident Juan Manuel Santos löste die Absage von "El Tigre" Betroffenheit aus: "Unser Land bedauert die Abwesenheit des Tigers Falcao bei der Weltmeisterschaft. Aber dennoch wissen wir, dass unsere Mannschaft eine große Rolle spielen wird", twitterte Santos.

Sorgen für Tore: Sevillas frisch gebackener Europa-League-Sieger Carlos Bacca (li.) und Portos Jackson Martinez.
Sorgen für Tore: Sevillas frisch gebackener Europa-League-Sieger Carlos Bacca (li.) und Portos Jackson Martinez.
© Getty ImagesZoomansicht

Die Absenz ist natürlich ein riesiger Schlag für die "Tri" - allerdings haben sie durchaus starken Ersatz in vorderster Sturmfront. Da wäre beispielsweise Jackson Martinez vom FC Porto, ein wuchtiger, schussgewaltiger Angreifer. Der 26-Jährige wurde in Portugal mit 20 Toren in 30 Partien dieser Spielzeit Torschützenkönig, wie bereits letzte Saison, als er 26 Treffer erzielte. Eine Neuentdeckung ist (der sehr späte) Senkrechtstarter Carlos Bacca vom FC Sevilla. Der 27-Jährige, der vor sieben Jahren noch als Busfahrer und Fischverkäufer in Kolumbien jobbte, kam vor der Saison vom FC Brügge nach Spanien und steuerte 20 Tore sowie zwölf Vorlagen in 50 Partien in der Primera Division und Europa League bei. Auch Bacca ist kraftvoll und schnell zugleich.

Von der Absage Falcaos profitierte besonders Herthas Stürmer Adrian Ramos, der mit an den Zuckerhut reisen darf. Auf den Flügeln wirbeln derweil die flinken und dribbelstarken James Rodriguez (AS Monaco, vor der Saison für rund 45 Mio. Euro von Porto gekommen) und der angeblich vom FC Barcelona umworbene Juan Cuadrado (AC Florenz).

Bildeten die Innenverteidigung in der Qualifikation und sind zusammen 73 Jahre alt: Mario Yepes (li.) und Luis Perea.
Bildeten die Innenverteidigung in der Qualifikation und sind zusammen 73 Jahre alt: Mario Yepes (li.) und Luis Perea.
© Getty Images

Die Devise des Teams ist jedoch: Vorne gefährlich, hinten kompromisslos und erfahren. Denn das Prunkstück in der WM-Qualifikation war - obwohl mächtig in die Jahre gekommen - die Abwehr: Nur 13 Gegentore in 16 Spielen ließen die Innenverteidiger-Haudegen Luis Perea (35, CD Cruz Azul) und der 38-jährige (!) Mario Yepes (Atalanta Bergamo) zu. Yepes ist kopfballstark, allerdings ob seines fortgeschrittenen Alters mittlerweile auch etwas hüftsteif. Auch Perea hatte indes lange mit einer Verletzung zu kämpfen und schaffte es deshalb nicht ins 23er Aufgebot der Kolumbianer. Auf den Außenverteidigerpositionen agiert der laufstarke und robuste Pablo Armero (West Ham United) sowie die 22-jährige Nachwuchshoffnung Santiago Arias vom PSV Eindhoven. Welches System Kolumbien spielt, hängt auch vom Gegner ab. Das Team beherrscht sowohl das 4-2-3-1 als auch ein 4-4-2.

Die Qualifikation

Kolumbien lief am Ende hinter Argentinien auf Rang zwei der Südamerika-Staffel ein. Seit der Ankunft Pekermans und bis zum Gastspiel Chiles (3:3) war die Heimspielstätte Barranquilla eine uneinnehmbare Festung. Fünf Partien in Folge konnte man dort gewinnen und kassierte dabei nicht einen einzigen Gegentreffer (bei 14 erzielten Toren). Auswärts war Kolumbien sogar die erfolgreichste Mannschaft Südamerikas, nur sieben Gegentreffer ließ man in acht Spielen auf fremden Platz zu. Das vielumjubelte 3:3 nach 0:3-Pausenrückstand gegen Chile verhalf den "Cafeteros" schließlich zur Teilnahme an der WM.

Der Trainer

Gefeierter Übungsleiter: José Pekerman führte Kolumbien nach 16 Jahren wieder zu einer WM.
Gefeierter Übungsleiter: José Pekerman führte Kolumbien nach 16 Jahren wieder zu einer WM.
© Getty ImagesZoomansicht

Seit Januar 2012 werden die "Cafeteros" von José Pekerman betreut. Der Argentinier übernahm den Cheftrainerposten von Leonel Álvarez, der nach nur einem Sieg aus den ersten drei Quali-Spielen gehen musste. Der ehemalige argentinische Nationalcoach Pekerman, der die "Albiceleste" bei der WM 2006 in Deutschland ins Viertelfinale führte und mit der argentinischen U-20-Auswahl dreimal Weltmeister wurde, ist der erste ausländische Coach seit 1981.

Seit seiner Amtsübernahme konnte "Don José" 13 Siege in 21 Spielen einfahren. Nach der souveränen Qualifikation bot ihm Staatsoberhaupt Juan Manuel Santos aus Dankbarkeit gleich die kolumbianische Staatsangehörigkeit an. Pekerman, ein ehemaliger Mittelfeldspieler, gilt zurecht als der Architekt dieser Mannschaft. Der 64-Jährige ist bekannt für seinen guten Umgang mit Talenten, die er zu besseren Spielern formt.

Stimmen und Stimmung

"Jungs, 47 Millionen danken euch und dem Trainer", titelte die Tageszeitung El Tiempo nach dem bedeutsamen Punktgewinn. Die Euphorie kannte anfangs keine Grenzen. "Die Jungs sind auf einem guten Weg. Sie geben dem kolumbianischen Volk Hoffnung", erklärte Ikone Carlos Valderrama, der sein Land bei den WM-Endrunden 1990, 1994 und 1998 anführte: "Wir haben technisch und physisch bestens geschulte Fußballer unter einer sehr guten Regie."

Dann aber riss Falcaos Kreuzband, und seitdem bangen Fans wie Medien. In Kolumbien bestimmte die schwere Verletzung die Schlagzeilen: "Was machen wir nur ohne Falcao?", fragte die Tageszeitung Q'hubo verzweifelt, El Espectador wünschte dem Tiger Kraft, während El Tiempo von "maximalem Alarm" schrieb. Früh machten die kolumbianischen Zeitungen ihren Lesern aber Hoffnung, dass der kultisch verehrte Angreifer doch noch (halbwegs) fit werden könnte. "Ich denke, dass Falcao mit zur WM fahren wird, auch wenn er zu Anfang des Turniers natürlich noch nicht 100 Prozent wird bringen können", sagte beispielsweise der behandelnde Arzt José Carlos Noronha im April. Er sollte irren. Alle Augen waren auf Falcao gerichtet, die Gruppe C macht den Südamerikanern dagegen weniger Angst.

In der Vorrunde hat es Pekermans Team mit Griechenland, Japan und der Elfenbeinküste zu tun. "Unsere Gruppe wird in taktischer Hinsicht äußerst interessant sein. Es treffen vier unterschiedliche Spielstile aufeinander", sagt "Don José" und erläutert: "Japan hat sich außerordentlich gut entwickelt. Die Elfenbeinküste ist zum dritten Mal hintereinander bei einer WM dabei. Griechenland wird zwar selten genannt, doch wir wissen um ihre Stärke." Kolumbien geht durchaus mit Zutrauen in die WM. Noch mehr Selbstvertrauen hätten sie, wenn Hoffungsträger Falcao dabei gewesen wäre.

Fotostrecke: Radamel Falcao (Kolumbien)
Falcao - der kolumbianische Tiger
Falcaos Karriere in Bildern
Titel, Tore, Transfersummen

"Er ist schon jetzt einer der besten Mittelstürmer der Welt", sagte Kolumbiens Nationaltrainer José Pekerman über Radamel Falcao. Trotz einer Körpergröße von nur 1,78 Metern ist "El Tigre" besonders für seine Kopfballstärke bekannt. Beim FC Porto und Atletico Madrid schoss er Tore am Fließband, ehe die Monegassen 60 Millionen Euro für den Kolumbianer bezahlten. Die Karriere Falcaos in Bildern ...
© Getty Images

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