Behrami fliegt mit Rot runter

Chiles Nationaltrainer Marcelo Bielsa brachte im Vergleich zum 1:0 gegen Honduras zwei neue Spieler: Stürmerstar Suazo war wieder fit und verdrängte Valdivia. Zudem begann Jara im Mittelfeld für Millar.
Bei der Schweiz, die zum Auftakt ein sensationelles 1:0 über Europameister Spanien feierte, veränderte Nationalcoach Ottmar Hitzfeld seine Startelf auf drei Positionen. Für den verletzten Senderos (Sprunggelenk) verteidigte Herthas von Bergen. Zudem verdrängten die zuletzt angeschlagenen Behrami und Kapitän Frei die beiden Leverkusener Barnetta und Derdiyok.
Die beiden Gewinner des 1. Spieltags ließen es vor rund 34.872 Zuschauern im Nelson-Mandela-Bay-Stadion zunächst ruhig angehen. Die Anfangsphase war zerfahren, kein Team ging ein großes Risiko ein. Distanzschüsse von Vidal und Carmona, die der Schweizer Keeper Benaglio (Wolfsburg) parierte, blieben die einzigen Aufreger zu Beginn (10.).
Die mit Haken und Ösen geführte Partie blieb auch in der Folgezeit eine zähe Angelegenheit. Viele Unterbrechungen verhinderten einen Spielfluss, zudem hatten die Abwehrreihen das Geschehen meistens im Griff, da es den Offensivkräften an Mut und Unterstützung fehlte. So verlebten die Torhüter in den ersten 45 Minuten eine ruhige erste Halbzeit. Die Schweiz konnte im gesamten ersten Durchgang nur eine Chance verbuchen, als Grichting nach einem Freistoß einen Kopfball rechts neben das chilenische Tor setzte (26.).
Als sich die Hitzfeld-Elf ein leichtes Übergewicht erarbeiten konnte, schwächte Behrami sein Team selbst. Der hitzköpfige West-Ham-Akteur soll sich nach Meinung des kleinlich pfeifenden Schiedsrichters Khalil Ibrahim Al-Ghamdi (Saudi-Arabien) eine Tätlichkeit gegen Leverkusens Vidal geleistet haben und musste nach einer halben Stunde mit der Roten Karte den Platz verlassen. Doch auch in Überzahl gelang es Chile bis zur Pause nicht, Gefahr vor dem Tor von Benaglio auszustrahlen. Ein Schuss von Sanchez, der eine Beute des Wolfsburger Keepers wurde, blieb die einzige Ausbeute (40.).
Zur zweiten Halbzeit wechselte Bielsa mit Valdivia und Gonzalez zwei neue Offensivkräfte ein, Vidal und der unauffällige Suazo blieben in der Kabine. Die Schweiz, bei der kurz vor der Pause Barnetta für Frei eingewechselt wurde, begann mit unverändertem Personal.
Die Südamerikaner schalteten nun einen Gang höher und drückten auf das Führungstor. Und in der 49. Minute jubelte Sanchez, doch seinem Treffer wurde wegen einer Abseitsstellung die Anerkennung verweigert.
Aber "La Roja" blieb am Drücker, die "Nati" sah sich phasenweise am eigenen Sechzehner eingeschnürt. In der 56. Minute hätten die Chilenen in Führung gehen müssen. Nach einem Stockfehler von Grichting lief Sanchez alleine auf Benaglio zu, doch der Wolfsburger und von Bergen verhinderten gemeinsam einen Rückstand.
Chile blieb aber weiterhin das dominierende Team. Und in der 75. Minute holten sich die Südamerikaner den Lohn für ihre Bemühungen ab. Nach einem Steilpass umkurvte Paredes Benaglio. Seine Flanke von der rechten Außenlinie musste Gonzalez am zweiten Pfosten nur noch per Kopf über die Linie drücken.
Hitzfeld reagierte umgehend und schickte mit dem Nürnberger Bundesliga-Profi Bunjaku einen zusätzlichen Stürmer auf das Feld. Doch eine Wende gelang den Eidgenossen nicht mehr. Im Gegenteil, die Chilenen hatten bei ihren Kontern die besseren Chancen. In der 84. und der 89. Minute verpasste Paredes jeweils eine Vorentscheidung und sorgte so für das große Zittern. Und fast hätte Derdyiok in der Schlussminute die nachlässige Chancenverwertung Chiles bestraft. Doch der Leverkusener zielte knapp links am Tor vorbei. So jubelte das Bielsa-Team am Ende über den zweiten Sieg, der die Führung in der Tabelle H einbringt.
Die Schweiz kann sich aber mit einem neuen WM-Rekord schmücken. Denn mit 559 Minuten ohne Gegentor lösten sie die Italiener, die zwischen dem 17. Juni 1986 und dem 3. Juli 1990 550 Minuten lang keinen Gegentreffer kassiert hatten, ab.
Chile genügt nun am letzten Vorrundenspieltag am Freitag (25.6.) um 20.30 Uhr in Pretoria gegen Spanien definitiv ein Remis, um das Achtelfinale zu erreichen. Die Schweiz hat es zur gleichen Uhrzeit in Bloemfontein mit Honduras zu tun.
| Chile |
|---|
| Schweiz |
![]() ![]() Aufstellung: Benaglio (2,5) - Lichtsteiner (3,5) , von Bergen (2,5) , Grichting (3,5) , Ziegler (3) - Inler (2,5) , Huggel (3,5) - Behrami (4) , Fernandes (4,5) - Trainer:
Hitzfeld |
