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Deutschland

Deutschland

2
:
1

nach Verlängerung
0:0 (0:0)
Algerien

Algerien


DEUTSCHLAND
ALGERIEN
15.
30.
45.





















60.
75.
90.










105.




120.








Algerien legt große Schwächen beim DFB-Team offen

Schürrle sorgt für kollektive Erleichterung

Erst im Schlussspurt und nach Verlängerung besiegte Deutschland den krassen Außenseiter Algerien im Achtelfinale. Gerade in der ersten Hälfte offenbarte das DFB-Team eklatante Schwächen in der Defensive und konnte sich beim überragenden Torhüter Neuer bedanken, nicht im Rückstand zu liegen. Im zweiten Abschnitt spielten die Deutschen dann mehr Chancen heraus, mussten jedoch trotzdem in die Verlängerung, bis der Viertelfinaleinzug perfekt war.

Islam Slimani, Manuel Neuer (re.)
Rettet in höchster Not: Manuel Neuer gegen Islam Slimani.
© Getty ImagesZoomansicht

Bundestrainer Joachim Löw musste im Vergleich zum 1:0-Sieg gegen die USA auf Hummels verzichten, der sich einen grippalen Infekt zugezogen hatte. Für ihn zog Löw Boateng in die Innenverteidigung, Mustafi übernahm die rechte Abwehrseite. Für Podolski, der zuletzt unter muskulären Problemen zu leiden hatte, kehrte Götze in die Startelf zurück.

Algeriens Nationalcoach Vahid Halilhodzic stellte seine Mannschaft im Vergleich zum 1:1 gegen Russland, das den Nordafrikanern das Weiterkommen ermöglichte, überraschend gleich auf fünf Positionen um. Mostefa, Ghoulam und Lacen spielten für Mesbah, Medjani und Bentaleb in Abwehr und defensivem Mittelfeld. In der Offensive ersetzte der bosnische Coach zudem Brahimi und Djabou, für die Tajder und Soudani begannen.

Das DFB-Team begann mit erwartet viel Ballbesitz. Dabei ließ sich im Spielaufbau Lahm fast als eine Art Libero zwischen und teilweise sogar hinter die beiden Innenverteidiger Mertesacker und Boateng fallen, während die Außenverteidiger Mustafi und Höwedes extrem hoch standen. Beleg: Schon in der 3. Minute wurde Mustafi plötzlich rechts steil in den Strafraum geschickt, jedoch wegen Abseits zurückgepfiffen, obwohl er aus gleicher Höhe gestartet war.

DFB-Abwehr sucht die Orientierung

Die tief stehenden Algerier lauerten derweil auf schnelle Vorstöße - wie erstmals in der 9. Minute, als Slimani nach einem langen Ball auf der linken Angriffsseite auftauchte und Keeper Neuer außerhalb seines Strafraum den Abschlussversuch mit einer Grätsche ins Toraus ablenken konnte. Es dauerte eine knappe Viertelstunde, bis Schweinsteiger mit einem wuchtigen Linksschuss aus der Distanz, den M'Bohli im Nachfassen festhielt, erstmals aus deutscher Sicht aufhorchen ließ.

WM-Tabellenrechner

Was danach folgte, war indes so gar nicht nach dem Geschmack von Löw. In der 15. Minute tauschte Feghouli plötzlich halbrechts völlig frei auf, drosch den Ball aus spitzem Winkel aber über das Tor. Zwei Minuten später lag die Kugel dann sogar im deutschen Gehäuse, nachdem Slimani eine Flanke per Kopf in Neuers Tor untergebracht hatte. Bei der Flanke allerdings stand der Angreifer einen Schritt im Abseits (17.). Doch das Chancen-Trio innerhalb von vier Minuten war damit noch nicht vorbei! Erneut allzu leicht spielten die Algerier links Ghoulam frei, der links vom Fünfmeterraum nur knapp rechts am Tor vorbeischoss (18.).

Danach gelang es dem deutschen Team, zumindest ein wenig mehr Ordnung ins Defensivverhalten zu bringen. Trotz eines Plus' an Spielanteilen blieben offensive Akzente gegen die sich gut verschiebende Halilhodzic-Elf jedoch Stückwerk. Ein Özil-Heber zwang Torhüter M'Bohli in der 24. Minute zum Eingreifen. Auf der Gegenseite profitierte Mertesacker bei einem zu kurz geratenen Rückspiel einzig davon, dass Neuer aufmerksam reagierte und weit vor seinem eigenen Tor klärte (28.).

Götze scheitert an M'Bohli

Vor der Pause boten sich dann beiden Teams noch je eine gute Torgelegenheit: Für Algerien machte Boateng, der den Ball gegen die Laufrichtung von Neuer abfälschte, einen Distanzschuss von Mostefa brandgefährlich. Das Spielgerät trudelte jedoch knapp links am Tor vorbei (39.). Für Deutschland verpasste es wenig später Götze, einer aus DFB-Sicht vogelwilden ersten Hälfte mit einem Treffer zumindest ein gutes Ergebnis zu verleihen. Nachdem M'Bohli einen Distanzschuss von Kroos prallen ließ, scheiterte Götze am Torhüter, Müller wäre in der Mitte freigestanden (41.).

Nach dem Seitenwechsel nahm Löw mit der Hereinnahme von Schürrle für Götze eine Umstellung in der Offensive vor. Der frisch Gekommene war es auch, der schon kurz nach Wiederbeginn mit einer abgefälschten Bogenlampe, die knapp am Tor vorbeisegelte, eine gute Gelegenheit hatte (48.). Im Anschluss an den folgenden Eckball flankte Kroos vom Strafraumrand auf Mustafi, der jedoch genau in die Arme von M'Bohli köpfte (49.).

Bastian Schweinsteiger (u.), Rais M'Bohli (o.)
Bastian Schweinsteiger hadert mit einer vergebenen Chance.
© Getty ImagesZoomansicht

Mustafi verletzt, Müller zu ungenau

Auch wenn der dreimalige Weltmeister in der Defensive weiterhin nicht immer wirklich sattelfest wirkte, war nun zumindest in der Offensive deutlich mehr Zug im deutschen Spiel. Nach einem gut vorgetragenen Angriff, war es schließlich Lahm, der aus etwa 20 Metern M'Bohli zu einer Glanzparade zwang (55.). Für einige Minuten nahm der Druck des DFB-Teams danach immer mehr zu - auch wenn weitere gute Tormöglichkeiten zunächst ausblieben.

Mitte der zweiten Hälfte verflachte die Partie jedoch wieder, was auch der Tatsache geschuldet war, dass Mustafi nach längerer Behandlung auf dem Feld mit einer ohne Einwirkung eines Gegenspieler bei einer Abwehraktion erlittenen Oberschenkelverletzung (Muskelbündelriss) ausgewechselt werden musste. Khedira kam (70.), sodass Lahm auf die ihm vertraute rechte Abwehrseite rückte. Der kurzfristig zu Beginn der zweiten 45 Minuten aufgeflackerte Spielfluss beim deutschen Team war allerdings zu diesem Zeitpunkt längst wieder verflogen. Algerien setzte indes auch in dieser Phase munter weiter Nadelstiche: Slimani platzierte einen wuchtigen Distanzschuss genau in Neuers Arme (75.).

Erst in der Schlussphase der regulären Spielzeit nahmen die Deutschen wieder deutlich an Fahrt auf. In der 80. Minute zwang Müller M'Bohli per Kopf zu einer erneuten Glanzparade, die direkte Nachschusschance vergab Schürrle (80.). Ein wenig symptomatisch für das insgesamt ein wenig planlos wirkende Spiel des DFB-Teams gestaltete sich eine gute Freistoßgelegenheit in der 88. Minute, die aufgrund eines missglückten Tricks letztlich kläglich vergeben wurde. Dennoch bot sich Deutschland noch ein gute Chance auf den Siegtreffer in der regulären Spielzeit: Schweinsteiger kam per Kopf aber nicht an M'Bohli vorbei (90.).

Schürrle trifft mit Glück und Können!

Doch das erlösende 1:0 sollte dafür kurz nach dem Beginn der Verlängerung fallen: Müller setzte sich auf der linken Seite durch und flankte nach innen, wo Schürrle den Ball - halb gewollt, halb mit etwas Glück - mit dem Absatz in die Maschen beförderte. Der Treffer änderte das Geschehen insofern, als dass Algerien nun deutlich früher attackierte und insgesamt offensiver wurde. Dies bot dem deutschen Team Konterchancen: Özil verpasste die Vorentscheidung jedoch, weil er sich nach langem Lauf in einem Zweikampf verhedderte, anstatt den Abschluss zu suchen (96.).

Weil sich gleichzeitig die defensiven Unzulänglichkeiten beim DFB-Team hielten, blieb die Führung stets in Gefahr. Mostefa kam nach einem Eckball in zentraler Position frei zum Schuss, zielte jedoch um Zentimeter neben den linken Pfosten (102.). Und so blieb es spannend, zumal Schweinsteiger in der 109. Minute mit Krämpfen zugunsten von WM-Debütant Kramer vom Feld musste.

In den letzten Minuten gingen allerdings den bis dahin aufopferungsvoll kämpfenden Nordafrikanern sichtlich die Kräfte aus. Kramer (117.) vergab zunächst eine gute Gelegenheit - ehe Özil im Nachschuss einer Schürrle-Chance doch noch das vermeintlich entscheidende 2:0 erzielte (119.). In der Nachspielzeit konnte der eingewechselte Djabou mit einer Volleyabnahme allerdings sogar noch auf 1:2 aus Sicht der Halilhodzic-Elf verkürzen (120.+1). Doch nur rund 60 Sekunden später war Schluss.

Deutschland trifft damit am Freitag um 18 Uhr (MESZ) in Rio de Janeiro im Viertelfinale auf Frankreich, das zuvor im Mittagsspiel (Ortszeit) am Montag mit 2:0 gegen Nigeria gewann.

Weltmeisterschaft, 2014, Achtelfinale
Deutschland - Algerien 2:1
Deutschland - Algerien 2:1
Regen in Porto Alegre

Zu den kühlen Temperaturen in Porto Alegre gesellt sich auch Regen.
© Imago

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Aufstellungen, Einwechslungen & Reservebänke

Deutschland
Aufstellung:
Neuer (1,5) - 
Mustafi (4,5)    
Mertesacker (2,5) , 
J. Boateng (2,5) , 
Höwedes (4) - 
Lahm (3,5)        
B. Schweinsteiger (4,5)    
T. Kroos (4,5) - 
Özil (3)    
M. Götze (5)    

Einwechslungen:
46. Schürrle (2)     für M. Götze
70. Khedira (3) für Mustafi
109. Kramer für B. Schweinsteiger

Trainer:
Löw
Algerien
Aufstellung:
M'Bohli (2) - 
Mandi (5) , 
Belkalem (3,5) , 
Halliche (4,5)            
Ghoulam (4) - 
Mostefa (3) , 
Lacen (4) - 
Feghouli (3) , 
Taider (5)    
Soudani (4,5)    
Slimani (3,5)

Einwechslungen:
78. Brahimi (5) für Taider
97. Bougherra für Halliche
100. Djabou     für Soudani

Trainer:
Halilhodzic

Tore & Karten

 
Torschützen
1:0
Schürrle (92., Linksschuss, T. Müller)
2:0
Özil (119., Linksschuss, Schürrle)
2:1
Djabou (120. + 1, Linksschuss, Feghouli)
Gelbe Karten
Deutschland:
Lahm
(1. Gelbe Karte)
Algerien:
Halliche
(1. Gelbe Karte)

Spieldaten

Deutschland       Algerien
Tore 2 : 1 Tore
 
Torschüsse 28 : 10 Torschüsse
 
gespielte Pässe 801 : 392 gespielte Pässe
 
angekommene Pässe 691 : 265 angekommene Pässe
 
Fehlpässe 110 : 127 Fehlpässe
 
Passquote 86% : 68% Passquote
 
Ballbesitz 66% : 34% Ballbesitz
 
Zweikampfquote 56% : 44% Zweikampfquote
 
Foul/Hand gespielt 11 : 20 Foul/Hand gespielt
 
Gefoult worden 18 : 10 Gefoult worden
 
Abseits 4 : 4 Abseits
 

Spielinfo

Anstoß:
30.06.2014 22:00 Uhr
Stadion:
Estadio Beira-Rio, Porto Alegre
Zuschauer:
43063
Spielnote:  3
ein Spiel, das in erster Linie von der Spannung und Intensität lebte. Viele Fehler, aber auch viele Torszenen.
Chancenverhältnis:
15:7
Eckenverhältnis:
10:4
Schiedsrichter:
Sandro Ricci (Brasilien)   Note 3
mit kleineren Fehlern in der Zweikampfbewertung, aber einer klaren Linie und souveränen Spielleitung.
Spieler des Spiels:
Manuel Neuer
Mehr durch Rückpässe ins Spiel eingebunden als ihm lieb sein konnte, dabei stets ballsicher. Klärte mit riskanten Ausflügen gegen Slimani (9. und 73.) und Feghouli (28.). Auch in der 87. Minute gegen Feghouli auf der Hut. Sicherer Rückhalt.