Kroatiens Coach auch in der Niederlage ein Sieger

Dalic: "Kopf hoch, bitte!"

WM - 15.07. 21:56

Kroatiens Nationaltrainer und großem Motivator Zlatko Dalic merkt man das verlorene WM-Finale kurz nach dem Spiel nicht an. Er hat vielmehr eine Botschaft an die Welt.

Aus Moskau berichtet Jörg Wolfrum

Bewies auch in der Niederlage und im Regen Würde: Zlatko Dalic. © Getty Images

Das muss es sein, mit solchen Auftritten muss dieser Zlatko Dalic seine Vize-Weltmeister - ja, was eigentlich? - hypnotisiert haben seit seinem Amtsantritt im Herbst 2017? Gut. Vielleicht nicht ganz, sonst hätten sie an diesem Sonntagabend im Finale gegen Frankreich nicht dieses Eigentor fabriziert in Person von Mario Madzukic oder auch nicht dieses Handspiel durch Ivan Perisic, das zum Elfmeter und Gegentor durch Antoine Griezmann führte, wodurch Kroatien zur Halbzeit dann bereits 1:2 zurücklag.

Aber dieser Zlatko Dalic gibt im Anschluss an die 2:4-Niederlage vor der versammelten Weltpresse zumindest eine Lehrstunde in Sachen Motivation. Ganz so, als säßen da vor ihm seine Spieler. "Wir können stolz sein auf diese Leistung, Kopf hoch, bitte! Ihr müsst nicht enttäuscht sein über diese Niederlage. Wenn uns das einer vor dem Turnier gesagt hätte: Vize-Weltmeister! Und vor allem: Auch in der Niederlage müssen wir Würde zeigen. Das war meine Botschaft", erklärte der 51-Jährige Vize-Weltmeister-Trainer frank und frei auf die Frage, was er seinen Spielern im Kreis gesagt habe nach dem Schlusspfiff. Der Kreis, wie das Wort schon sagt: Was da gesprochen wird ist eigentlich für einen geschlossenen Zirkel bestimmt, in diesem Fall die Spieler.

"Sind ein kleines Land mit großen Träumen"

Aber Dalic wollte eben seine Denkweise und damit die seiner Spieler preisgeben im Bauch des Luschniki-Stadions. Er wollte die Botschaft in Worte fassen, die seine Mannschaft fünf Wochen lang auf den Rasen gebracht hatte: "Wir sind ein kleines Land mit großen Träumen", sagte der Coach. So stehe es auf dem Mannschaftsbus. Und das Motto seines Teams sei auch beispielhaft für andere sogenannte kleine Länder: "Es braucht zunächst Träume und Ehrgeiz. Dann muss man beides verfolgen und darf nie aufgeben", dozierte der Psychologe Dalic.

Er persönlich habe sogar nach dem 1:4 noch nicht aufgegeben. "So ist das Leben." Da gebe es eben Rückschläge. Und seine Mannschaft habe auch nicht aufgegeben. Das 2:4 durch Mandzukic sei beispielhaft gewesen. "Wir haben Qualität und Stärke gezeigt, ich bin stolz auf mein Land und auf die Spieler und danke ihnen." All das wirkte keinesfalls aufgesetzt. Dieser Zlatko Dalic saß da eine Stunde nach der Niederlage in einem WM-Finale, das er vielleicht nie wieder erreichen wird mit seiner Mannschaft und hätte als Sieger kaum eine positivere Note hinterlassen können - und auch kaum eine ehrlichere.

Zumal er offenließ, wie es nun persönlich für ihn weitergeht als Trainer: "Da mache ich mir keine Gedanken. Erstmal geht es darum, nach Kroatien zurückzukehren."

Dem Coach ging es aber auch darum, andere nicht nach Ausreden suchen zu lassen. "Ja, wir hatten Pech mit einem Eigentor und einem Elfmeter gegen uns nach dem Videobeweis. Zu einem Zeitpunkt, als Frankreich keine weiteren Chancen gehabt hatte", so der Trainer. Aber: "Wir hatten heute eben nicht das Glück, das wir bei dieser WM zuvor gehabt hatten." Etwa bei den Elfmeterschießen gegen Dänemark im Achtelfinale und dem im Viertelfinale gegen Gastgeber Russland. "Und", so der Trainer, "ganz ehrlich: Wenn man vier Gegentore kassiert, dann kann man kein gutes Resultat erwarten."

Lob und Kritik für Video-Beweis

Den Videobeweis übrigens, der für den Elfmeter nach Perisics Handspiel gesorgt hatte, lobte Dalic auch in der Stunde der Niederlage: "Wir respektieren ihn. Manchmal fällt er zu deinen Gunsten aus, manchmal zu deinen Ungunsten." Und weil ihm das wohl nach einigen Augenblicken Bedenkzeit selbst ein wenig zu säuerlich vorkam, legte er nach: "Der Videobeweis ist gut für den Fußball." Zuvor jedoch hatte der Trainer explizit gesagt: "Generell kommentiere ich keine Schiedsrichterentscheidungen. Aber einen solchen Elfmeter gibt man in einem WM-Finale nicht." Perisic hatte den Ball nach einem Eckball Griezmanns an die Hand bekommen.

Lieber sprach er Positives an. Und mit dieser Art hatte Dalic nach seiner Amtsübernahme im Oktober ja das damals strauchelnde kroatische Team zunächst auf WM-Kurs und letztlich fast zum Titel geführt: "Gegen Frankreich darf man sich keine Fehler erlauben. Gratulation an Frankreich. Aber wir kontrollierten anfangs das Spiel. Und wir kamen nach dem Eigentor wieder zurück. Das Finale war über manche Phasen unser bestes Spiel bei dieser WM." Dann ging er zurück zu seinen Vize-Weltmeistern. Seine Botschaft: Seine Spieler dürfen sich wie Sieger fühlen.

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