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29.06.2018, 13:20

Unterwegs in Russland

Im Oktober mit argentinischem Rotwein

kicker-Redakteur Jörg Wolfrum ist in Russland unterwegs und berichtet diesmal über eine Zugfahrt von St. Petersburg nach Moskau und Walters Vorliebe für "M & M".


In Russland unterwegs: Jörg Wolfrum

kicker-Reporter Jörg Wolfrum mit Walter aus Argentinien.
kicker-Reporter Jörg Wolfrum mit Walter aus Argentinien.
© Jörg WolfrumZoomansicht

Sicherheitscheck gemeistert, Reisekoffer, großer Rucksack, kleiner Rucksack: alles bombig, weil nun auch offiziell bombenfrei. Müssen nur noch, wie einst im Western die Colts, die Handys gezückt werden. Nun glaubt auch der Mann von der Security dass der Mann vom kicker nichts Böses im Schilde führt.

Weiter zum Bahnsteig, Zug von St. Petersburg nach Moskau, Gleis 7, Abfahrt 22.50 Uhr. Auf dem Weg zum Zug hatte noch der Kollege aus der Heimat angerufen, ob man gerade Zeit hätte, Yerry Mina, der Kolumbianer soll eine Geschichte werden. Hatte man gerade aber gar nicht: Ankunft Bahnhof St. Petersburg 22.42 Uhr, Sicherheitscheck 22.47 Uhr passiert, Bahnsteig erreicht um 22.49 Uhr, der Schaffner gestikulierte bereits, die 100 Meter an Gleis 7 entlang ziehen sich...

Innen dann: "Passport! Gefällt ihm aber nicht. Nicht das Bild, das mir auch nicht. Vielmehr sucht der Mann, asiatischer Einschlag, rauer Umgangston, die "Passport-Number". Partout will er nicht verstehen, dass in Deutschland die "Passport-Number" aus Buchstaben besteht. Er tippt lieber eine Zahlenkombination aus dem Passport in seinen Bordcomputer - und siehe da: "Are you Oleg?" Irgendwo da draußen läuft also ein Oleg frei herum - der unter einer Zahlenkombination auf Seite x meines Reisepasses in Putins Datenbank auftaucht.

Was nun, denkt man sich? Und da taucht auch schon ein Engel in rot-weißer Uniform auf und spricht Deutsch. Der Engel regelt alles.

Los geht die Fahrt...
Los geht die Fahrt...
© Jörg WolfrumZoomansicht

"Wagen 9, Sitz 94", auf geht's. Allein, wir stehen in Wagen 14, voller Zug, voller Argentinier, einige davon auch voll. Schweißgebadet kommen wir dann doch irgendwann mit Reisekoffer, großem Rucksack und kleinem Rucksack schließlich in Wagen 9 und Sitz 94 an, der in Wirklichkeit ein Stockbett ist - und die Gefährten für die nächsten siebeneinhalb Stunden sind gerade beim Abendessen: Weißbrot mit Salami und Käse. "Mitessen erlaubt", sagt der Capo und stellt sich als Walter vor.

Aber: "Sorry, only Red Wine of Chili." Argentinischen Wein hätten sie nirgends gefunden, sagt der Argentinier. Also chilenischer Rotwein aus dem grünen Fanfest-Becher. Aber nur einen "wönzigen Schlock", wie das einst hieß bei der Feuerzangenbowle, damals als Deutschland zuletzt in der Vorrunde einer WM gescheitert war.

Die "Jungs" aus Argentinien, Mitte 50 und darüber hinaus, sind gut drauf: Walter, Julian und ein Senor X, man hat den Namen vergessen, Adrian oder Ariel, irgendwas mit "A wie Argentina" war es. Man selbst heißt fortan "Jorge".

Gut drauf sind die Drei, was am Wein liegt, aber vor allem an der Albiceleste. Gewonnen gegen Nigeria, Messi wird vielleicht doch noch der Messias. Und schon ist man drin in der Diskussion: "Neuer gegen Higuain, Finale 2014, Elfer, aber mit Ansage." Und 1990: "Völler gegen die Luft", sagt Walter, der in Rom im Stadion war. Will heißen: Völler-Schwalbe.

Zumindest im zweiten Fall herrscht Konsens, was für allgemeine Zufriedenheit sorgt. Bei Messi, Maradona und Pelé wird's kurzzeitig nochmal heikel, auch weil ja ein Handtor, so famos es auch sein mag, immer ein Handtor bleiben wird, und Pelé eben auch nicht ganz schlecht war in seiner besten Zeit.

Die Unterschriften von Maradona und Messi - als Tattoo.
Die Unterschriften von Maradona und Messi - als Tattoo.
© Jörg WolfrumZoomansicht

Die drei Jungs geben sich in diesen WM-Tagen "M & M" pur, nicht die Süßigkeit. Sie reisen Messi hinterher, wie dies Maradona tut und damit reisen sie letztlich Messi und Maradona hinterher. Walter hat die Unterschrift der beiden auf dem Unterarm: tätowiert. Die Vorlage kam nicht aus dem Internet, Maradona und Messi signierten den Unterarm selbst, Walter zeigt die Bilder - denn Walter hat Zugang zur argentinischen Nationalelf. Walter ist Friseur aus dem Stadtteil Liniers in Buenos Aires, Velez Sarsfield ist sein Klub, aber Maradona und Messi sind seine Leidenschaft - und weil Walter den Physio der Nationalelf kennt, hat Walter auch Zugang zur Nationalelf. Nicht als offizieller Coiffeur der Albiceleste, sondern als Kumpel. Er zeigt Fotos, wie er Messi die Haare richtet oder Sergio Aguero, nicht in Liniers, sondern im Camp der Nationalelf.

Der Zufall und ein weiterer Engel, unser Organisations- und Buchungs-Genie Sandra in der Zentrale in Deutschland, haben Reporter und Friseur im Zug von St. Petersburg nach Moskau zusammengeführt, der eine linke Seite Stockbett oben. Plötzlich erhält der im Stockbett unten eine Nachricht: "Von den Zarates." Da wird man als Reporter hellhörig: "Es gab mal einen Zarate in Nürnberg, der ist dort noch heute eine Legende." Walter daraufhin: "Die Maus." Man selbst: "Die Zaubermaus." Walter nochmal: "Die Zarates sind Kumpels von uns, sind wie wir aus Liniers. Komm vorbei, dann machen wir ein Asado."

Einblick in Wagen 9
Einblick in Wagen 9
© Jörg WolfrumZoomansicht

Darauf einigt man sich vor dem Einschlafen: Auf Gegrilltes in Liniers. Mit Walter und den Zarates. Im Oktober.

Dann, kurz vor 1, döst man weg im überraschend bequemen Stockbett. Um sechs klopft es nicht nur. Die Wagon-Meisterin, resolut wie der Kollege beim Einstieg, öffnet die Abteiltür: Halbe Stunde noch bis Moskau.

Dann Verabschiedung, die Jungs reisen "M & M" nach Kasan hinterher: Argentinien gegen Frankreich, Samstagnachmittag. Man selbst zieht weiter gen Sotschi, Uruguay gegen Portugal, Samstagabend.

Ach ja, eines noch. Das Asado im Oktober: mit argentinischem Rotwein.

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© Getty Images/imago

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Vorname:Lionel
Nachname:Messi
Nation: Argentinien
Verein:FC Barcelona
Geboren am:24.06.1987


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