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21.06.2018, 09:56

Mentalcoach Baschab über den Argentinier und Ronaldo

"Messi braucht einen Mentalcoach"

Wie konnte Lionel Messi den Elfmeter gegen Island verschießen? Warum tut er sich im argentinischen Trikot so viel schwerer als beim FC Barcelona? Thomas Baschab liefert Antworten darauf. Der 57-Jährige aus Weilheim ist Mentaltrainer vieler Spitzensportler, darunter Bayern-Keeper Sven Ulreich und WM-Fahrer Matthias Ginter. In einer Kolumne für den kicker beschreibt er Messis Dilemma und die Unterschiede zu einem anderen Fußball-Giganten: Cristiano Ronaldo.


Von Thomas Baschab


Lionel Messi
WM-Start mit Fehlschuss: Lionel Messi.
© picture allianceZoomansicht

Diesen Cristiano Ronaldo, den mochte ich früher nicht. Das Gehabe des, sorry, affigen Narzissten nervte mich. Als er nun gegen Spanien aber zum Freistoß antrat, da wusste ich: Der macht ihn rein. Seine Klarheit, seine mentale Stärke - grenzenlos. Das Wort Selbstzweifel hat er aus seinem Wörterbuch rausgerissen. Ronaldo geilt sich daran auf, wenn er zeigen kann, dass er der Größte ist. Und das ist er. Er hat mit dem EM-Titel 2016 seine Erlösung gefunden. Für alle Ewigkeit.

Genau das ist das Problem von Lionel Messi.

Diesen Messi, den feinen Floh, den fand ich gleich sympathisch. Die Leichtigkeit, mit der er über den Platz schwebt, lässt einen ja glauben, dass er den Boden kaum berührt. Diese Leichtigkeit spürt er, wenn er für Barcelona ein Tor nach dem anderen schießt. Aber stürmt er für Argentinien, dann kennt er sie nicht. Dann gibt es einen zweiten Messi, und alles, was er mit Barça gewonnen hat, spielt in seinem Kopf keine Rolle mehr. Als sei er dort auf einem anderen Planeten.

Wie jeder Südamerikaner ist Messi grenzenlos stolz auf sein Land, ein Patriot, hochemotional. Wenn er für Argentinien spielt, muss er sein ganzes Volk retten. Da spürt er eine riesige Verantwortung. Und mit jeder Niederlage in einem großen Finale wie 2016 bei der Copa America gegen Chile oder 2014 bei der WM gegen Deutschland spürt er immer mehr diesen unangenehmen Druck, seine Unvollkommenheit. Spielt er für sein Land, dann weiß er, dass er schon mal versagt hat, dass er verwundbar ist. Er ist ja sogar schon mal zurückgetreten, weil er mit der Bürde nicht klarkam.

Sampaoli kann keinen anderen Schützen benennen

Thomas Baschab
Thomas Baschab
© imagoZoomansicht

Als Messi nun gegen Island zum Elfer antrat, da sah man die Zweifel in seinen Augen. Da wusste ich: Das wird nichts. Da fehlte die Körperspannung, entsprechend schwach war der Schuss. Das Problem ist: Er, Messi, kann ja keinen anderen schießen lassen. Er ist doch der Super-Hero. Und sein Trainer, Sampaoli, kann auch keinen anderen Schützen benennen. Wenn der dann danebenschießt, wird der Coach hingerichtet. Also musste Messi ran, obwohl er sich nicht wohlfühlte. Und er wird an diesem Donnerstag gegen Kroatien wieder schießen müssen, wenn es einen Elfmeter geben sollte.

Leo Messi braucht einen Mentalcoach. Er braucht Tipps, Methoden, wie er den nächsten Elfer oder Freistoß reinschießt. Etwas, was den Fluch bricht. Ganz vereinfacht gesagt: ein Ritual, dreimal auf den Oberschenkel klopfen, bevor er schießt, gedanklich verknüpft mit dem Gefühl einer großartigen Leistung aus der Vergangenheit. So was in der Art. Natürlich viel komplexer, er ist ja kein kleiner Junge mehr, er ist ein Vollprofi. Aber mentale Hilfe scheint er nötig zu haben.

Ronaldo kann nur noch gewinnen

Die Mitspieler sollten ihm jetzt nicht Verantwortung abnehmen wollen. Dann würden sie ihm das Signal geben, dass sie plötzlich an ihm zweifeln, und das wäre fatal. Messi lässt man am besten jetzt in Ruhe und allein aus dieser schwierigen Situation herauskriechen.

Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass er der Superstar dieser WM wird. Ronaldo kann nur noch gewinnen. Messi kann so viel verlieren. Nur der Titel wäre seine Erlösung. Das ist ein so großer Rucksack, den der kleine Kerl kaum tragen kann. Er weiß: Klappt es wieder nicht, bleibe ich auf ewig unerlöst.

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