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14.06.2018, 19:30

"Business as usual": Ein Kommentar zur Eröffnung

Fröhliche Stimmung und lautloser Protest

Die 21. Weltmeisterschaft hat offiziell begonnen - eine WM, die schon seit langem in der Kritik steht. Neben einem unaufdringlichen Vorprogramm rund um Sänger Robbie Williams stand für "Russia 2018" vor allem "Business as usual" im Vordergrund. Jörg Jakob, Leiter der kicker-Chefredaktion, kommentiert die Eröffnung der Weltmeisterschaft in Russland.


Aus Moskau berichtet Jörg Jakob, Leiter der kicker-Chefredaktion


Luschniki-Stadion in Moskau
Austragungsort der Eröffnungsfeier und des Eröffnungsspiel der 21. Weltmeisterschaft: das Luschniki-Stadion in Moskau.
© imagoZoomansicht

Es ist 17.50 Uhr Ortszeit, als der russische Staatschef Wladimir Putin im Luschniki-Stadion mit tosendem Beifall empfangen wird. Einzelnen Zuschauern dauern seine warmen Worte vermutlich zu lange, nach vier Minuten pfeifen sie kurz. Vielleicht ist es Mitgefühl für die Spieler von Russland und Saudi-Arabien, die nämlich müssen geschlagene zehn Minuten in Mannschaftsaufstellung verharren. Auch Fußball-Weltverbandspräsident Gianni Infantino spricht noch. Er erhält ebenfalls Applaus für den fortgesetzten Austausch von Nettigkeiten. Vor vier Jahren war Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff in Sao Paulo niedergepfiffen worden.

Der Protest gegen Putins Politik ist an diesem Donnerstag, 14. Juni 2018, in Moskau lautlos, das Statement der westlichen Regierungschefs ist dennoch unüberhörbar: Sie bleiben der Eröffnung demonstrativ fern. Mohammed bin Salman, der saudische Kronprinz, ist gekommen und wird später von den TV-Kameras für das Weltsignal in gestenreicher Konversation mit den Präsidenten eingeblendet. Es trieft dabei vor plakativer Gemeinsamkeit, jeweils nach Gegentoren für die hoffnungslos unterlegene saudische Elf, fünfmal wird dies der Fall sein.

Ein unaufdringliches Vorprogramm

Der Anstoß zur 21. Weltmeisterschaft erfolgt in fröhlicher, erwartungsvoller Stadionatmosphäre. Der 70. der FIFA-Weltrangliste spielt gegen den 67. - im Ranking für Menschenrechte stehen die beiden Staaten noch schlechter da. Man muss das erwähnen, denn vor keiner WM ist die Lage im Gastgeberland sowie dessen Außenpolitik derart thematisiert und kritisiert worden. Das wird nicht aufhören - sollte es auch nicht, wenn Russland nun vier Wochen lang im besonderen Fokus der Weltöffentlichkeit steht.

Die Eröffnungsshow hat sich wohltuend abgehoben von Events vergleichbarer Natur, mit dem britischen Popstar und Chelsea-Fan Robbie Williams und der russischen Opernsängerin Aida Garifullina im Zentrum einer bunten Choreografie von 800 Mitwirkenden, darunter der frühere brasilianische Weltfußballer Ronaldo. Ein unaufdringliches Vorprogramm.

Jörg Jakob
Jörg Jakob, Leiter der kicker-Chefredaktion
© kicker

Als endlich das Fußballspiel im Mittelpunkt steht, müssen die russischen Fans nur zwölf Minuten warten bis Jury Gazinsky das erste Tor erzielt. Es tut dem Spiel und sicher auch den ersten Tagen dieses Turniers gut.

Zur Pause steht es 2:0, nach 65 Minuten stößt das Publikum die erste "La-Ola-Welle" an. Das torreiche Endergebnis von 5:0 fällt aus der Reihe von Eröffnungsspielen, eine einseitige, aber feine Sache. Wie gemalt für "Russia 2018", das alles in allem mit "Business as usual" begonnen hat.

"We are friends. Welcome Saudi Arabia"

Dazu zählen das enorme Aufgebot an Sicherheitskräften in der Metro und am Stadion sowie penible Kontrollen an der letzten Eingangsschleuse ebenso wie der gut gemeinte, mitunter auch bemüht wirkende Empfang der Zuschauer aus aller Welt. Auf hochsitzartigen Gestellen hauchen zwischen U-Bahn-Station Sportivnaya und Luschniki-Stadion überwiegend weibliche Volunteers "We are friends. Welcome Saudi Arabia" in Megafone. Die Gäste aus aller Herren Länder, nicht nur Fans der beiden Mannschaften, sind da längst fast rauschhaft damit beschäftigt, Selfies zu schießen und sich in Gruppen gegenseitig zu fotografieren.

Gar nicht so schlecht, wenn sich in den nächsten vier Wochen jeder sein eigenes Bild von Russland macht. In und vor den Stadien - und darüber hinaus.

Eröffnungsfeier der WM 2018
Buntes Treiben zwischen Pop und Oper
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Darum geht's: Iker Casillas präsentiert den Pokal gemeinsam mit Model Natalia Vodianova.
© Getty Images

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Vorname:Stanislav
Nachname:Cherchesov
Nation: Russland


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