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13.06.2018, 18:25

Der stellvertretende Generalsekretär der FIFA über den Videobeweis bei der WM

Boban: "Wir wollen korrektere Ergebnisse"

Der Videobeweis darf sich ab diesem Donnerstag auf der größtmöglichen Bühne beweisen. Chance auf Beifall. Oder eher Angst vor Buhrufen? Im 4. Teil der kicker-Serie zum Videobeweis (Donnerstagsausgabe) spricht Zvonimir Boban, der stellvertretende FIFA-Generalsekretär, über die Ziele des Weltverbandes und seinen Optimismus.

Zvonimir Boban
"Wir sind zuversichtlich, weil wirklich sehr gut gearbeitet wurde": Zvonimir Boban.
© imagoZoomansicht

Zvonimir Boban hat nach seiner aktiven Karriere, gekrönt vom Champions-League-Triumph mit dem AC Mailand 1994, einiges gemacht: Er schrieb über das "Christentum im Römischen Reich" und verdiente sich so einen Doktor phil. in Geschichte. Er war Chefredakteur einer Sportzeitung in seiner Heimat Kroatien (51 Länderspiele; plus 7 für Jugoslawien) und TV-Kommentator sowie Kolumnist der Gazetto dello Sport. Und nun ist der mittlerweile 49-Jährige stellvertretender Generalsekretär der FIFA.

Bevor der Video Assistant Referee (VAR) in Russland erstmals bei einer Weltmeisterschaft eingesetzt wird, bezieht Boban im Interview mit dem kicker Stellung...

...zur Auswahl der 13 VAR, von welchen drei aus Ländern kommen, in denen der Videobeweis noch nicht in der Praxis verwendet wird (Argentinien, Bolivien, Katar):

Boban: "Die FIFA hat in den letzten zwei Jahren intensiv seine Schiedsrichter/VAR ausgebildet. Nicht nur bei Turnieren wie der FIFA Klub-WM 2016 und 2017, dem FIFA Konföderationen-Pokal 2017 oder der FIFA U-20-WM in Südkorea 2017, sondern auch in Testspielen und zahlreichen Vorbereitungsseminaren. Die selektierten Unparteiischen sind intensiv geschult worden und haben in unseren Augen einen sehr guten Standard erreicht. Wir sind zuversichtlich, weil wirklich sehr gut gearbeitet wurde."

Wir wollen die Schiedsrichter schützen.Zvonimir Boban

zur Vorbeugung möglichen Übereifers der VAR, also der Angst, bloß keinen Fehler des Feld-Schiedsrichters zu übersehen, und zu den Zielen des Weltverbandes:

Boban: "Die neue Technologie wird nur bei klaren Fehlentscheidungen ins Spiel kommen. Der Grundgedanke hinter dem VAR ist, für mehr Gerechtigkeit im Spiel zu sorgen. Und wir wollen mehr Ehrlichkeit im Spiel, korrektere Ergebnisse. Wir wollen die Institution Fußball schützen, die Schiedsrichter schützen. Kein Schiedsrichter ist nur ein Schiedsrichter, sie sind immer auch Menschen. Aber es geht auch um den Schutz der Spieler, die oft über Jahre auf die WM hingearbeitet haben. Deren Arbeit soll nicht in einer Sekunde zunichtegemacht werden, weil der Unparteiische mit seinem menschlichen Auge etwas übersieht. Und der Schiedsrichter ist nun mal ein Mensch, der Fehler machen kann. Die Philosophie lautet: maximaler Nutzen bei minimaler Beeinträchtigung."

In der Bundesliga hat man zu Beginn Fehler gemacht.Zvonimir Boban

... zu den Aussagen der Verantwortlichen vor der abgelaufenen Bundesligasaison, die ebenfalls beruhigend klangen, späteren Ärger rund um den Videobeweis aber nicht verhindern konnten:

Boban: "In der Bundesliga hat man zu Beginn Fehler gemacht, was die Abläufe und Anwendung der Videotechnologie betrifft. Zweifel und Misstrauen kamen auf. Die FIFA hat die Bundesliga im technischen Bereich unterstützt. In einem zweiten Moment kooperierte unser VAR-Instruktor Roberto Rosetti mit dem inzwischen neuen Bundesliga-VAR-Projektteam. Die zweite Saisonhälfte lief aus unserer Sicht bedeutend besser in der Bundesliga. Was die FIFA betrifft: Unsere Schiedsrichter sind die Besten der Welt und bestens geschult. Sie haben an vielen Lehrgängen und an mindestens vier FIFA-Turnieren teilgenommen. Ein Großteil kommt zudem aus Ligen, in denen der Video-Assistent schon eingesetzt wird. Wir haben also die besten Leute für das beste Turnier. Ich bin absolut zuversichtlich, dass alles rund um den VAR während der Weltmeisterschaft sonnenklar sein wird."


In Teil 4 der kicker-Serie zum Videobeweis (Donnerstagsausgabe) lesen Sie das ausführliche Interview mit Zvonimir Boban. Zudem werden in Gesprächen mit IFAB-Geschäftsführer Lucas Brud und Johannes Holzmüller, dem Projektleiter VAR der FIFA, alle Hintergründe der Umsetzung des Videobeweises vor Ort in Russland erklärt. Wo werden die VAR sitzen? Wie läuft die Kommunikation? Gibt es kalibrierte Linien zur Abseitserkennung? Wie viele Kameraperspektiven werden zur Verfügung stehen? Diese und viele weitere Fragen werden beantwortet.

MaC, dr

Video zum Thema
FIFA WM 2018- 13.06., 16:43 Uhr
VAR bei der WM: Die Neuerungen im Überblick
Im Vergleich zur Bundesliga gibt es bei der FIFA WM 2018 einige Neuerungen beim "Video Assistant Referee". Strittige Szenen werden beispielsweise auch im Stadion gezeigt - mehr Transparenz soll für Verständnis bei Fans und Kritikern sorgen.
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2 Leserkommentare

cefix64
Beitrag melden
14.06.2018 | 18:54

8 Assistenten für den Video-Assistenten

Wie der Kicker ja schon mal berichtet hat, wird es bei der WM 9 Leute im VAR-Raum geben. Ich habe ein [...]
BorisPasternak
Beitrag melden
14.06.2018 | 18:54

"Hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben..."

"Wir wollen die Schiedsrichter schützen", hahaha, guter Witz. Und warum weigert sich dann die UEFA, [...]

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