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13.06.2018, 17:55

Vor dem Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Russland

Neues Selbstvertrauen der Saudis

Der Weltranglisten-67. hat Lust auf mehr. Seit der geglückten Qualifikation für Russland unter Bert van Marwijk wechselte zwar zweimal der Trainer, nun hat aber Juan Antonio Pizzi, einst Stürmer bei Valencia und Barcelona, das sportliche Sagen. Am Mittwoch musste auch er sich ein wenig gedulden bevor es mit dem Training los ging. Denn es gab hohen Besuch im Lushniki-Stadion.


Aus Moskau berichtet Mounir Zitouni


Juan Antonio Pizzi
Trainiert inzwischen Saudi-Arabien - und möchte direkt einen Coup im Eröffnungsspiel gegen Russland landen: Juan Antonio Pizzi.
© imagoZoomansicht

Als die saudischen Spieler gerade mit dem Training im Lushniki-Stadion anfangen wollten, kam plötzlich ein Herr auf den Platz gelaufen. Nicht irgendeiner. Denn der wäre von den vielen Sicherheitsmenschen ja sofort in den Catcher-Griff genommen worden.

Nein, es war Turki Al Asheikh, Minister für Sport im Lande. Und wenn so ein Mann kommt, dann heißt es gehorsam zu sein. Also stand Herr Al Asheikh im traditionellen arabischen Gewand mit Turban auf dem Grün, versammelte die Mannschaft im Kreis um sich herum und redete auf die Männer ein. Er muss ziemlich wichtige Sachen gesagt haben, denn so ernst und nachdenklich sieht man Fußballer sonst nicht auf dem Rasen. Trainer Juan Antonio Pizzi wartete unterdessen darauf, dass er irgendwann mit dem Abschlusstraining anfangen könne. Es dauerte dann doch ein wenig länger bei Herrn Al Asheikh. Irgendwann aber war dann doch Schluss mit aufrüttelnden und motivierenden Sätzen und Pizzi konnte mit dem Training anfangen. Für Pizzi ist es ja der erste Job in einem arabischen Land. Doch wie es scheint, hat er sich mittlerweile daran gewöhnt, dass Dinge dort manchmal anders laufen. Und überhaupt, es zählen ja ganz andere Dinge.

Saudi-Arabiens "Reise" bis hin zu Pizzi

Zum Beispiel, dass Pizzi nun überhaupt in Moskau ist. Zunächst hatte es ja nicht so richtig danach ausgesehen, nachdem der ibero-argentinische Coach im Oktober 2017 die WM-Quali mit Chile verpasst hatte und dafür ziemlich auf die Mütze bekommen hatte. Gleichzeitig hatte die Quali aber Bert van Marwijk geschafft - und zwar weit weg, in Saudi-Arabien.

Pizzi wusste damals wahrscheinlich noch nicht viel über das Land im Orient. Doch wenig später flog der holländische Coach raus. Weil er nicht in Saudi-Arabien leben wollte, wie es hieß. Was ihn ja eigentlich ganz sympathisch macht. Daraufhin wurde also der Argentinier Edgardo Bauza vorgestellt. Nach fünf Freundschaftsspielen wurde dieser allerdings wieder entlassen. Obwohl der nun wirklich gerne im Land gelebt hätte, doch die Scheichs senkten den Daumen. Waren irgendwie nicht zufrieden. Und da kam dann, ja genau, Pizzi ins Spiel, der wiederum selbst mal unter Bauza bei Rosario Central im letzten Jahrtausend trainiert hatte - und van Marwijk selbst kam bei Australien unter. Alle zufrieden, bis auf Bauza.

"Eine aufregende Sache"

Seit sechs Monaten trainiert Pizzi nun diese Araber und irgendwie hat man das Gefühl, dass die Männer von der arabischen Halbinsel zur WM nicht nur zur Staffage angereist sind. Gegen Deutschland (1:2) bewiesen sie schon, dass sie durchaus Fußballspielen können.

Osama Hawsawi
Freut sich auf das WM-Turnier: Saudi-Arabiens Kapitän Osama Hawsawi.
© imagoZoomansicht

"Wir sind ambitioniert", sagte Pizzi bei der Pressekonferenz am Nachmittag. "Wir wollen Russland schlagen." Das Selbstbewusstsein ist bei der Nummer 67 der Welt gestiegen. Auch Kapitän Osama Hawsawi schlägt in diese Kerbe. "Die Qualifikation für die nächste Runde ist nicht unmöglich. Wir wollen weiter, aber erst einmal konzentrieren wir uns auf das erste Spiel gegen Russland."

Das Auftaktspiel der WM ist für Pizzi "eine aufregende Sache", denn "so etwas passiert dir im Leben nicht allzu oft". Dass die Partie zu viel Druck bergen könnte, glaubt der Argentinier nicht. "Der Druck ist immer da bei einer WM. Wir sind stolz dabei zu sein, wollen kämpfen und zeigen, dass wir mit den besten Teams der Welt mithalten können."

Falls Saudi-Arabien tatsächlich die Sensation schaffen sollte und sich gegen Ägypten, Uruguay und Russland für das Achtelfinale qualifiziert, dann können sich die Spieler auf einen weiteren Besuch ihres Sportsministers freuen, der dann statt Reden sicherlich ein paar Schecks dabei haben dürfte.

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© Getty Images

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zum Thema

weitere Infos zu Os. Hawsawi

Vorname:Osama
Nachname:Hawsawi
Nation: Saudi-Arabien
Verein:Al-Hilal Riad
Geboren am:31.03.1984

weitere Infos zu Pizzi

Vorname:Juan Antonio
Nachname:Pizzi
Nation: Spanien


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