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13.06.2018, 19:19

WM-Helden: Diego Armando Maradona, Argentinien

Maradona - Der "Fußball-Gott"

Kaum ein Spieler weltweit polarisiert so die Massen wie Diego Armando Maradona (Jahrgang 1960). Mit Argentinien Weltmeister 1986, Vizeweltmeister 1990: Das ist die eine Seite des genialen Fußballers. Eskapaden, Alkohol- und Drogensucht charakterisieren die Abgründe des "Fußball-Gottes".

1986 der überragende Spieler: Argentiniens Kapitän Diego Armando Maradona.
1986 der überragende Spieler: Argentiniens Kapitän Diego Armando Maradona.
© picture allianceZoomansicht

Am 22. Juni 1986 zeigte der "Allmächtige" sich in seiner vollen Größe. Damals geschah das Wunder. Innerhalb von zwölf Sekunden tanzte Diego Armando Maradona sechs Gegner aus. Es war das Viertelfinale der WM in Mexiko, und mit seinem genialen Solo zum 2:0 schickte Argentiniens Kapitän die - vier Jahre nach dem Falklandkrieg - am Rio de la Plata noch immer verhassten Engländer in die Hölle. Und seine Heimat zugleich in den siebten Himmel. Die Schmach des verlorenen Waffengangs war getilgt.

Die "Hand Gottes"

Am Obelisken, dem Wahrzeichen von Buenos Aires, trafen sich die Normalsterblichen spontan zur nationalen Freudenfeier. Auch, weil den Argentiniern zuvor bereits die "Hand Gottes" zu Hilfe geeilt war - und mit dem 1:0 den für das nationale Selbstbewusstsein so überaus wichtigen Triumph erst eingeleitet hatte.

Als der damals 43-Jährige mit Herzproblemen in ein Krankenhaus in Buenos Aires eingeliefert wurde, ging auf der Avenida Pueyrredon davor nichts mehr. Hunderte kamen, am Abend waren es weit über tausend. Besetzten Vorplatz, Gehweg und Straße - und blieben teils wochenlang. Bis Diego entlassen wurde. Richteten sich in Bushaltestellen ein, zündeten Kerzen an und beteten für ihren mit dem Tod ringenden Helden. Briefe und Blumen, Poster und Plüschtiere. Vor dem Buckingham Palace sah es nach Dianas Tod auch so aus. Radio- und TV-Stationen berichteten rund um die Uhr. Wie während der WM 1986 oder, Jahre später, als Maradona wegen eines Drogenvergehens vor laufender Kamera festgenommen wurde.

Um Außenwirkung hat sich Maradona nie geschert

So war es immer. Was Maradona sagt, macht oder auch unterlässt (vor allem einen dem kranken Herzen angemessenen Lebenswandel), ist in Argentinien fast schon von nationaler Bedeutung. Als Maradona sogar den Papst übel beschimpfte, drohte zwar nicht die Exkommunikation. Die Beziehungen zum Vatikan zu kitten, bedurfte es jedoch allerhand diplomatischen Geschicks. Doch um Außenwirkung hat sich Maradona ohnehin noch nie geschert. Auch das lieben sie so an ihm.

Eduardo Damboriana erklärt es so: "Er verbiegt sich eben nicht", weiß der Maradona-Anwalt. Vor Jahren machte sich der Ex-Fußballer darüber lustig, bei der WM 1990 habe man den brasilianischen Nationalspieler Branco mit einem Schlafmittel außer Gefecht gesetzt: Das deutlich schwächere Argentinien gewann das Spiel gegen den Erzrivalen mit 1:0.

Wahrheit oder Dichtung? Wer weiß das schon. Auch Maradona nicht. Ohnehin - es ist ihm egal. Doch die Idee, die findet er "gut". Und klatscht sich, zur Freude des Moderators, grienend auf die Schenkel.

Mischung aus Patriotismus, Stolz und Bauernschläue

So ist er eben: "Er nimmt nie ein Blatt vor den Mund", sagt Damboriana. Das ist vor allem für den "kleinen Mann" wichtig: Wenn der einstige "Goldjunge" mit seiner ureigenen Mischung aus Patriotismus, Stolz und Bauernschläue gegen Politiker, die FIFA, die ungeliebten USA oder die verhassten internationalen Konzerne wettert, dann kommt das an. Auch, weil bei Maradona meist die anderen schuld sind. Und Argentinier eigenen Misserfolg ohnehin gerne auf böse Mächte schieben.

Rückkehr als Nationaltrainer

Ende Oktober 2008 kehrte Maradona zur Nationalmannschaft zurück - als Nationaltrainer. In dieser Funktion unerfahren, führte er die Albiceleste durch eine holprige Qualifikation, mit spätem Happy End. Jedoch nicht, ohne erneut für einen Skandal zu sorgen, nachdem das Ticket für Südafrika gebucht war.

Der Weltmeister von 1986 hatte nach dem 1:0-Erfolg in Uruguay im Oktober und der dadurch im Schlussspurt gerade noch geglückten Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika Journalisten und Kritiker bei einer live im Fernsehen gezeigten Pressekonferenz mit einem ordinären Wutausbruch beschimpft. Zudem sorgte er mit weiteren vulgären Aktionen für Empörung. Dafür wurde er von der FIFA für zwei Monate gesperrt.

Bei der WM 2010 in Südafrika unterlag sein Team dann gegen Deutschland im Viertelfinale mit 0:4. Im Juli des gleichen Jahres wurde er vom Verband entlassen.

Jörg Wolfrum/mas/sam

DFB-Elf unterlag vor 114.000 Zuschauern
WM-Finale 1986 - Maradona küsst den Weltpokal
Aztekenstadion
Finale vor 114.600 Zuschauern

Das Finale der WM 1986 fand am 29. Juni im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt statt. Insgesamt 114.600 Zuschauer versammelten sich darin, um Diego Armando Maradona gegen die DFB-Auswahl spielen zu sehen.
© Imago

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weitere Infos zu Maradona

Vorname:Diego Armando
Nachname:Maradona
Nation: Argentinien
Verein:Boca Juniors
Geboren am:30.10.1960


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