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13.06.2018, 22:31

WM-Helden: Lothar Matthäus, Deutschland

Matthäus - Antreiber mit Passion

150, 25, 100, 464, 115 - diese fünf Zahlen sagen fast alles über den Fußballspieler Lothar Matthäus. Sie belegen eine einzigartige Karriere im nationalen wie internationalen Fußball, doch lässt sich Lothar Matthäus nicht auf das reduzieren, was der am 21. März 1961 im fränkischen Erlangen geborene in kurzen Hosen auf einem grünen Stückchen Rasen vollführte.

Lothar Matthäus
Führte die DFB-Auswahl bei der WM 1990 zum Titelgewinn: Kapitän Lothar Matthäus.
© picture allianceZoomansicht

150 Mal spielte Matthäus für die deutsche Nationalelf - Rekord. 25 Mal trug er den Bundesadler bei fünf WM-Endrunden auf der Brust - Rekord. 100 Mal stand er für die Vereine Borussia Mönchengladbach, Bayern München und Inter Mailand im Europapokal auf dem Feld. 464 Mal lief er in der Bundesliga auf, dessen Bühne er als 18-Jähriger auf dem Bökelberg betrat. 115 Mal diente er als Legionär den "Nerazzurri" in der Serie A.

Nur die Champions Leage fehlt

Seine Titelsammlung liest sich nicht minder eindrucksvoll. Weltmeister 1990, Europameister 1980, sechs Mal deutscher Meister (1985, 1986, 1987, 1994, 1997, 1999 - alle mit dem FC Bayern), deutscher Pokalsieger (1986 und 1998), 1989 italienischer Meister, dazu zwei Mal UEFA-Cup-Sieger mit Inter (1991) und den Bayern (1996).

Nur die Champions League gewann der vom Erfolg geküsste nicht, obwohl er zweimal die Hände fast an den gigantischen Landesmeister-Cup legen konnte. 1987 hatte der FC Porto etwas dagegen, 1999 musste der ausgewechselte Libero mit ansehen, wie ManUnited in der Nachspielzeit diesen Traum zum zweiten Mal platzen ließ. Doch anstatt mit seinem Schicksal zu hadern, richtete Matthäus in der Stunde der Tragödie den Blick nach vorne, kündigte den Titelgewinn für die kommende Saison an. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass die Bayern die Champions League im Jahr eins nach Matthäus gewannen.

Dennoch zeigt dieses Beispiel, was Matthäus antrieb. Absoluter Erfolgswille gepaart mit einem Ehrgeiz, der an Selbstzerfleischung grenzte. Schon in Herzogenaurach, wo Matthäus reifte - beruflich zum Innenausstatter und sportlich zum Fußball-Profi - brach dieser Wesenszug voll aus ihm heraus. Am Samstag spielte er in der 1. Herren-Mannschaft des FC, am Sonntag noch mal volle Pulle in der A-Jugend. Das normale Training war ihm nie genug. Matthäus quälte sich in Einzelschichten, um noch schneller und länger zu laufen, noch härter und präziser zu schießen.

Heynckes: "Der junge Matthäus, absolut unglaublich"

Bayern München wollte ihn 18-jährig holen, doch Bayern, das war Adidas. Der FC Herzogenaurauch war in der fränkischen Sportausrüster-Stadt aber der Puma-Klub. Weil sein Vater bei Puma als Hausmeister arbeitete und er nicht dessen Arbeitsplatz gefährden wollte, war ein Wechsel nach München schwierig. Also ging Matthäus nach Gladbach, dem damals bedeutendsten Puma-Klub, wo 1979/80 unter Jupp Heynckes seine Bundesliga-Karriere begann. Der erinnerte sich im Mai 2005 anlässlich seines 60. Geburtstages an Matthäus' Anfänge. "Ich hatte viele ehrgeizige Profis, aber der junge Matthäus, das war absolut unglaublich."

Zeitsprung: 1990, zehn Jahre später, führte er die deutsche Elf über die Alpen zur WM nach Italien, auch wenn der Mittelfeld-Antreiber im alles entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Wales (2:1) wegen einer Knöchelverletzung auf der Tribüne des Müngersdorfer Stadions Blut und Wasser schwitzte. Doch dann kam das Eröffnungsspiel gegen Jugoslawien in "seinem" Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand. 28 Minuten ließ die Balkan-Elf so gut wie nichts anbrennen, doch dann nahm Matthäus den Ball mit dem Rücken zum Tor an, drehte sich und hämmerte den Ball mit links unhaltbar ins linke untere Eck. Klinsmann ließ noch vor der Pause das 2:0 folgen.

Nach dem Seitenwechsel verkürzte aber Jozic für Jugoslawien, das Spiel stand auf des Messers Schneide. Doch dann trat Matthäus in der 64. Minute unwiderstehlich an, sprintete mit unglaublichem Speed über den halben Platz und nagelte das Leder zum 3:1 erneut in die Maschen! Ein Tor wie eine Befreiung, die sich auf die ganze Mannschaft übertrug. Wenn es ein Erweckungserlebnis auf dem Weg zum dritten WM-Titel gab, dann war es diese Szene. Und fortan war die Diskussion um den Chef im deutschen Mittelfeld eindeutig beantwortet. Littbarski war fintenreicher und Häßler kreativer, doch Matthäus dominierte. "Ich verehre Platini, ich bewundere Maradona. Doch Lothar Matthäus brauche ich, um zu siegen", sagte Giovanni Trapattoni einmal. In Bezug auf die WM 1990 dürfte es keine passendere Beschreibung geben.

Von Matthäus bis CR7
Alle Weltfußballer seit 1991 in Bildern
Lothar Matthäus
1991 - Lothar Matthäus

Seit 1991 wird der "Weltfußballer des Jahres" von der FIFA offiziell gekürt. Der erste Spieler, der in den Genuss der Auszeichnung kam, war 1991 Lothar Matthäus, damals in Diensten von Inter Mailand. Ein Jahr zuvor hatte er mit Deutschland die WM gewonnen.
© imago

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Der weggebroche Stollen

Der Legende nach wäre vor dem Triumph aber beinahe noch etwas schief gelaufen, denn Matthäus trug wohl auch im Finale gegen Argentinien aus Aberglauben weiter seine Lieblingsschuhe, die schon sichtlich abgespielt waren - so flatterte ein Adidasstreifen lose übers grüne Parkett. Als ihm auch noch ein Stollen wegbrach, überließ er den entscheidenden Elfmeter lieber seinem Mailänder Kumpel Andreas Brehme. Nicht auszudenken, Matthäus wäre wegen eines fehlenden Stollens beim finalen Schuss weggerutscht. Den Titel des Weltfußballers 1990 und 1991 hätte er sich dann wohl abschminken können.

Nach seiner aktiven Karriere, die er 2000 bei den New York MetroStars in den USA ausklingen ließ, gab er das Erlebte als Trainer weiter. Erst bei Rapid Wien, dann bei Partizan Belgrad und als Nationaltrainer Ungarns. Anschließend in Brasilien bei Atlético Paranaense, unter Giovanni Trapattoni bei Red Bull Salzburg, in Israel bei Maccabi Netanya und bis September 2011 als Nationaltrainer von Bulgarien. Seitdem ist er als TV-Experte tätig.

Bilder des WM-Kapitäns von 1990
WM-Held Lothar Matthäus
Auftakt-Freude
Auftakt-Freude

Freude pur: Jürgen Klinsmann stürzt sich auf Lothar Matthäus. Der Kapitän der deutschen Nationalelf besorgte gegen Jugoslawien beim Auftaktmatch das 1:0 und brachte so sein Team auf die Siegerstraße. Beim 4:1-Erfolg traf Matthäus auch zum 3:1, Klinsmann steuerte das 2:0 bei.
© imago

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weitere Infos zu Matthäus

Vorname:Lothar
Nachname:Matthäus
Nation: Deutschland
Verein:New York Red Bulls
Geboren am:21.03.1961


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