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16.10.2018, 12:38

Three Lions beenden Spaniens lange Heimserie

Sterlings Warten endet in Englands großer Nacht

Mit dem 3:2-Erfolg im Nations-League-Duell bei den zuvor 15 Jahre in Pflicht-Heimspielen ungeschlagenen Spaniern sorgte England in Sevilla für eine denkwürdige Nacht - mit seinem jüngsten Team seit fast 60 Jahren.

Raheem Sterling
"Es gibt nicht Schöneres": Raheem Sterling feiert sein erstes England-Tor seit drei Jahren.
© Getty ImagesZoomansicht

So schnell kann es gehen. Eben noch wusste man auch auf der Insel nicht so recht, was man von der neuen Nations League halten sollte (Liverpool-Coach Jürgen Klopp bezeichnete sie unlängst als "sinnlosesten Wettbewerb von allen") - und dann das. Dann dieser Auftritt in Sevilla, von dem man in England wohl noch lange sprechen wird. "Eine der großen Nächte", titelte die "Times".

Auf eine überragende erste Hälfte, in der die im neuen 4-3-3-System flott agierenden Engländer Schwächen in der spanischen Abwehr um Sergio Ramos eiskalt ausnutzten, folgte nach dem Wechsel ein großer Kampf gegen die zunehmende Belagerung durch die Iberer, die am Ende über 70 Prozent Ballbesitz verzeichneten.

"Das war eine großartige Vorstellung", freute sich Nationalcoach Gareth Southgate: "Wir haben sehr mutig gespielt. Wir wussten, dass wir hier kein gutes Ergebnis erzielen können, wenn wir 90 Minuten verteidigen. Also mussten wir mutig sein, wenn wir den Ball haben."

Das Führungstor: 17 Pässe, alle Engländer am Ball

Der Plan ging auf - vor allem dank eines glänzend aufgelegten Sturmtrios. Die Führung übernahmen die Gäste mit einem Team-Angriff, wie man ihn eigentlich mit den Spaniern in Verbindung bringt: Am Ende einer Stafette über 17 Pässe hatten alle elf Engländer den Ball berührt - und er lag im Tor. Rashford hatte mit feinem Direktpass Sterling bedient, der Gegenspieler Alonso davonlief und den Ball zum 1:0 in die Maschen jagte (16.).

Das bedeutet mir viel, drei Jahre sind eine lange Zeit. Es gibt nichts Besseres, als im England-Trikot zu treffen.Raheem Sterling

Es war das Ende einer langen Wartezeit für den Angreifer von Manchester City, der sich wegen seiner Flaute in der Nationalmannschaft wachsender Kritik ausgesetzt sah und ohnehin der favorisierte Prügelknabe des englischen Boulevards ist. Für die Three Lions hatte Sterling zuletzt im Oktober 2015 in einem EM-Qualifikationsspiel gegen Estland getroffen. 27 Länderspiele bzw. 1102 Tage später war es wieder soweit. "Das war ein schönes Gefühl", meinte der 23-Jährige: "Das bedeutet mir viel, drei Jahre sind eine lange Zeit. Es gibt nichts Besseres, als im England-Trikot zu treffen."

Erster Sieg in Spanien seit 1987: England jubelt in Sevilla.
© Getty Images

Es wurde sogar noch besser: Nachdem Rashford für England erhöht hatte, setzte Sterling, der in 45 Länderspiele zuvor zwei Tore erzielt hatte, noch einen drauf. Ein hohes Zuspiel von Barkley legte Kane, der an allen drei Treffern beteiligt war und vielfach uneigennützig agierte, stark Richtung zweiter Pfosten, wo Sterling nur noch einschieben musste. Zur Pause führte der WM-Vierte im Estadio Benito Villamarin mit 3:0 (drei Tore hatte Spanien in einem Pflichtspiel zu Hause bislang überhaupt noch nie kassiert!) - nicht nur die mitgereisten Fans rieben sich verwundert die Augen über die Leistung des jüngsten England-Teams seit 1959. Der Altersdurchschnitt lag knapp über 23, in der Startelf stand mit Trippier (28) nur ein Akteur, der älter war als 25.

Nach der Pause: Couragiert gegen die spanische Belagerung

Und das junge Team hielt auch nach der Pause stand, als sich das Geschehen komplett in die englische Hälfte verlagerte und die Gäste keinen Torschuss mehr abgaben. BVB-Profi Alcacer verkürzte - wieder einmal kurz nach seiner Einwechslung - auf 1:3 (58.), danach riefen die Spanier endgültig den Belagerungszustand rund um den Strafraum der Engländer aus.

Jordan Pickford gegen Rodrigo
Brenzlig: Jordan Pickford hält Rodrigo im Strafraum am Arm.
© Getty ImagesZoomansicht

Die wiederum versuchten ruhig zu bleiben, auch gegen das hohe Pressing der Spanier sauber von hinten rauszuspielen. Torhüter Pickford übertrieb es dabei ein wenig und hatte Glück, dass es nach seinem Ballverlust im eigenen Strafraum gegen Rodrigo keinen Strafstoß gab (63.). So hielten die "Three Lions" ihren Zwei-Tore-Vorsprung bis in die siebte Minute der Nachspielzeit, als Ramos doch noch verkürzte. Danach war sofort Schluss, Englands erster Sieg in Spanien seit 1987 perfekt. Die Iberer verloren erstmals seit 15 Jahren (und insgesamt 38 Partien) ein Pflichtspiel vor heimischer Kulisse, zuletzt waren sie zu Hause im Juni 2003 gegen Griechenland unterlegen gewesen.

"Ein großer Schritt": Meilenstein für Southgates Team?

"Die WM war eine tolle Erfahrung für uns, aber wir mussten zeigen, dass wir einen Schritt nach vorne machen können", meinte Southgate, der zuletzt immer wieder betont hatte, dass sein Team trotz des Erreichens des WM-Halbfinals erst mal einen "Großen" schlagen müsse, um zur Weltspitze zu gehören. Das ist nun gelungen, das ersehnte "Statement" geschafft. "Das ist ein großer Schritt. Wir hatten viele junge Spieler im Einsatz und diese Leistung wird für die Zukunft ein starker Anknüpfungspunkt sein."

Ob der Sieg in Sevilla der "Meilenstein" sein wird, der dem jungen englischen Team zum absoluten Durchbruch noch gefehlt hat, wird sich zeigen. Der Wohlfühlfaktor der WM ist auf jeden Fall zurück. Wie schnell sich der Wind drehen kann, sieht man allerdings auch am Gegner vom Montag.

ski

 
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