München: Schock nach der Demontage von St. Petersburg
Trauer statt Triple
Mit einer völlig verdienten 0:4-Pleite nach blamabler Leistung und einer ihrer höchsten Europapokal-Niederlagen aller Zeiten - zum fünften Mal erst setzte es eine Pleite mit vier Toren Unterschied - verabschiedeten sich die Münchner am Donnerstagabend aus dem UEFA-Pokal. Aus der Traum vom Triple, dem Gewinn von Meisterschaft, DFB-Pokal und UEFA-Cup in einer Saison.
Anders als 1995/96 - damals gab es in den zwei Endspielen zwei Siege gegen Girondins Bordeaux - steigt das UEFA-Pokalfinale 2008 in Manchester am 14. Mai ohne Kahn und Kollegen. "Natürlich sind wir enttäuscht", meinte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, "aber man muss anerkennen, dass Zenit ein Superspiel abgeliefert hat." Und der FC Bayern ein miserables.
Spielbericht
Die internationale Karriere des Vereinstrainers Ottmar Hitzfeld und seines Kapitäns Oliver Kahn hat nun also ein unrühmliches Ende gefunden. Beide hatten zu den Hauptdarstellern der vergangenen Europacup-Jahre der Bayern gezählt. Für den Trainer Hitzfeld gehen nun 155 internationale Spiele als Chefcoach in die Geschichtsbücher ein, für Kahn 140. Der Torwart hat den UEFA-Pokal einmal gewonnen, 1995/96, Hitzfeld nicht. Dafür triumphierte der Coach zweimal in der Champions League, 1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit dem FC Bayern, seinerzeit mit Kahn im Tor. "Eine Leistung wie in St. Petersburg reicht nicht aus, um einen Europapokal zu gewinnen", räumte Hitzfeld ein. Kahn erklärte zum Ausscheiden: "Besser so als im Elfmeterschießen. Ich bin dankbar für zwei Titel, wäre auch mit einem zufrieden gewesen." Manager Uli Hoeneß fügte hinzu: "Wir haben alle Ziele erreicht. Die Mannschaft war einfach müde. Basta."
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Hintergrundreport
Schock für Bayern - und die Liga
Wiewohl drei Pokale für die jetzige Bayern-Generation eine besondere Ehre dargestellt hätten, so zählt für sie und diesen Klub allein die kontinentale Königsklasse. "Nächstes Jahr", betonte Hoeneß, "sind wir wieder da, wo wir hingehören." UEFA-Cup ist europäisch eben nur die 2. Liga. Wer allerdings in einem solchen Wettbewerb fünf Spiele in Serie nicht gewinnt, hat auch diesen Titel nicht verdient. "Wie wir die Tore kassiert haben", erklärte Philipp Lahm, "das darf einer guten Mannschaft nicht passieren." Und ganz nüchtern betrachtet: Das Debakel von St. Petersburg stellte für die Bayern nur den Schluss- und Tiefpunkt eines zähen, weitgehend verkorksten UEFA-Pokaljahres dar, in dem sie sich in 14 Spielen 19 Tore einfingen. Zum Vergleich: In den 30 Bundesligaspielen dieser Saison kassierten sie nur 18 Treffer.
"Wir haben international nicht so stark gespielt wie in der Bundesliga", gab Hitzfeld zu. Unverständliche Abwehrfehler hätten sich "wie ein roter Faden" durch die Spiele gezogen. So haben die Münchner mit diesem Aus einen unsympathischen Rekord aufgestellt: Sie mussten zum elften Mal eine Station vor dem Finale aussteigen, Real Madrid erwischte es im Halbfinale zehnmal, Manchester United und Barcelona je neunmal.
Aus St. Petersburg berichtet Karlheinz Wild
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