"Wir kommen mit den englischen Wochen immer besser zurecht", sagte Sven Ulreich nach dem knappen 1:0-Erfolg der Stuttgarter beim Auswärtsspiel in Fürth. "Am Anfang der Saison war es sehr schwer für uns, in den letzten Wochen haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht." Das Team von Bruno Labbadia hat von den letzten fünf Pflichtspielen vier gewonnen, liegt in der Liga damit wieder in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen und hat in der Europa League nach der 5:1-Gala bei Steaua Bukarest wieder alle Karten in der Hand.
Allerdings bleibt dem Team kaum Zeit zum Verschnaufen. Zwischen dem entscheidenden Spiel gegen Molde und dem nächsten Auftritt in der Bundesliga gegen Schalke (Samstag, 15.30 Uhr) bleiben keine 48 Stunden. Für Stuttgarts Konditionstrainer Christos Papadopoulos eine besondere Herausforderung. "Bis jetzt sind wir ganz gut durchgekommen", sagt er in einem Interview mit den "Stuttgarter Nachrichten". "Auslaufen, Ergometertraining, verschiedene Dehntechniken. Dazu kommen Eisbäder, Thermalbäder, Saunagänge, bewusste Ernährung, viele Massagen und sanfte Physiotherapie. Damit da alle Spieler zum Zuge kommen, haben wir unser Team der Physiotherapeuten an den Regenerationstagen extra um eine Person aufgestockt", erklärt Papadopoulos, wie er den Motor der Spieler am Laufen hält.
"Wir haben es selber in der Hand", hatte Kapitän Serdar Tasci schon nach der 5:1-Gala gegen Steaua Bukarest vor zwei Wochen gesagt. "Wir wollen nach der Winterpause noch ein paar Wochen oder Monate genießen", ergänzt Mittelfeldspieler Christian Gentner. Der VfB hat an die Norweger jedenfalls keine guten Erinnerungen. Am 4. Oktober kassierten die Schwaben mit einem 0:2 ihre einzige Niederlage in dieser Europa-League-Saison. Seit diesem 2. Spieltag rappelten sich Vedad Ibisevic & Co. jedoch auf und holten aus den folgenden drei Partien sieben Zähler. Sogar der Gruppensieg ist noch drin. Dafür muss der VfB (8 Punkte) gegen Molde (3) gewinnen, Bukarest (10) darf gegen den FC Kopenhagen (7) nicht gewinnen. Verliert der VfB, müsste die zweite Begegnung mit einem Steaua-Sieg oder einem Remis enden, dann wären die Schwaben wegen des gewonnenen direkten Vergleichs gegen Kopenhagen als Gruppenzweiter in der nächsten Runde.
Schafft der VfB den Sprung in die Zwischenrunde, kann den deutschen Vereinen ein bisher einmaliges Zeugnis ausgestellt werden. Es wäre das erste Mal, dass alle Starter in der Champions League und der Europa League die erste Runde überstanden haben. Zudem haben noch nie zuvor sieben (!) Vereine die Gruppenphase überstanden. Damit macht Deutschland in der UEFA-Fünf-Jahreswertung ordentlich Druck auf England.
"Für die Bundesliga ist das ein gutes Zeugnis. Wir wollen gerne weiter mit dabei sein", sagte Labbadia am Mittwoch. "Wir denken nicht an den Hohn und Spott der Liga, sondern an den Frust beim Ausscheiden", meinte Offensivspieler Martin Harnik angesichts des möglichen Gruppenzwangs. Für Labbadia steht fest: "Wir wollen den Sack gerne zumachen nach dem schwierigen Start. Die Vorfreude auf das Spiel ist groß." Gegen Molde rechnet er mit einem Geduldsspiel: "Sie spielen sehr unaufgeregt, weil ein Rädchen ins andere greift."
Labbadia muss gegen das bereits ausgeschiedene Molde personell weiter improvisieren. Da der etatmäßige Sechser William Kvist wegen einer Mittelfußverletzung dieses Jahr nicht mehr zur Verfügung steht, werden wohl wieder Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic eine Doppelsechs bilden. Dafür darf der in der Liga gesperrte Tasci ran und wird voraussichtlich neben Georg Niedermeier die Innenverteidigung bilden.
| Heim | Gast | Erg. | ||
|---|---|---|---|---|
Kopenhagen | - | Steaua Bukarest | 1:1 (0:0) | |
Stuttgart | - | Molde | 0:1 (0:1) | |
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Steaua Bukarest | 9:9 | 11 |
| 2 | ![]() | VfB Stuttgart | 9:6 | 8 |
| 3 | ![]() | FC Kopenhagen | 5:6 | 8 |
| 4 | ![]() | Molde FK | 6:8 | 6 |