Hannover 96 darf sich wohl auf weitere Europapokal-Abende freuen. Die Niedersachsen feierten beim polnischen Meister Slask Wroclaw in einem spektakulären Spiel einen 5:3-Sieg und rissen damit die Tür zur Gruppenphase sperrangelweit auf. Die Roten zeigten in Breslau zwar abermals Schwächen in der Abwehr, glänzten vorne aber auch durch enorme Effizienz. Leon Andreasen (7.) sowie Jan Schlaudraff (25.) nutzten die ersten beiden Chancen und brachten die Slomka-Elf früh mit 2:0 in Führung. Breslau offenbarte in der Abwehr ebenfalls große Lücken, sorgte vorne aber immer wieder für Gefahr, ging zunächst jedoch zu fahrlässig mit den sich bietenden Möglichkeiten um. Tomasz Jodlowiec brachte die Polen dann doch wieder ran (34.), ehe Lars Stindl noch vor der Pause mit einem präzisen Schuss den alten Abstand wiederherstellte (40.).
Glück hatten die Niedersachsen kurz nach Wiederanpfiff, als ein regulärer Treffer von Sylwester Patejuk wegen Abseits aberkannt wurde (48.). Das war aber der Auftakt einer famosen Aufholjagd von Slask, das nun die Schwächen in der 96er Defensive erbarmungslos aufdeckte und binnen kurzer Zeit den 3:3-Ausgleich schaffte. Hannover wackelte danach gewaltig, stabilisierte sich aber wieder und wusste Andreasen in den eigenen Reihen. Der Däne war es, der nach 81 Minuten die 96er per Freistoß wieder in Führung brachte. Der eingewechselte Manuel Schmiedebach sorgte kurz darauf für den 5:3-Endstand.
Eine ganze Reihe weiterer namhafter Klubs muss sich wie die 96er durch die Play-off-Mühle quälen, um in die Töpfe zur Auslosung der Gruppenspiele am 31. August zu kommen. So zum Beispiel Olmypique Marseille, das dank eines Doppelpacks von Jordan Ayew (18., 53.) einen 2:1-Sieg bei Sheriff Tiraspol (Moldawien) feierte. Ebenfalls einen Auswärtssieg feierte der UEFA-Cup-Sieger von 2008 ZSKA Moskau. Der Japaner Keisuke Honda erzielte in der 61. Minute bei AIK Solna (Schweden) den Treffer des Tages.
Mit dem Rücken zur Wand steht Twente Enschede, das mit 1:3 bei Bursaspor unter die Räder geriet. Die Türken drehten dabei einen 0:1-Rückstand - unter anderem traf auch der ehemalige Bochumer Stanislav Sestak zum zwischenzeitlichen 2:1 (69.). Umjubelter Held war allerdings der Argentinier Pablo Batalla, dem ein Doppelpack gelang (39., 82.).
Arbeitssiege fuhren die italienischen Klubs ein. Inter Mailand setzte sich dank Toren von Esteban Cambiasso (23.) und Rodrigo Palacio (73.) mit 2:0 beim rumänischen Klub FC Vaslui durch. Die Pflichtaufgabe ebenfalls gelöst hat Lazio Rom. Die Römer, bei denen Miroslav Klose in der Startelf stand, setzten sich beim slowenischen Vertreter ND Mura 05 Murska Sobota durch - Hernanes brachte die Laziali in der 31. Minute in Führung. Nach dem Seitenwechsel stellte Klose seine Torjägerqualitäten unter Beweis, markierte das 2:0 (59.) und sorgte damit für entspannte Stimmung auf der Römer Bank.
Je zwei englische und spanische Teams standen ebenfalls noch nicht als Teilnehmer für die am 20. September beginnende Gruppenphase fest. Newcastle United mit dem ehemaligen Freiburger Papiss Demba Cissé war bei Atromitos Athen gefordert und kam dort zu einem 1:1. Denis Epstein hatte die Griechen in Führung gebracht (24.), Ryan Taylor glich für die Engländer noch vor der Halbzeit aus (45.+1) und sorgte damit für den so wichtigen Auswärtstreffer.
Der FC Liverpool blieb hingegen auf der Insel. Für die Reds, die zum Liga-Auftakt mit 0:3 bei West Brom saftig abgewatscht worden waren, ging es zum schottischen Pokalsieger Heart of Midlothian, wo unbedingt ein Erfolgserlebnis her sollte. Liverpool glänzte nicht und schoss auch kein Tor, gewann aber dennoch mit 1:0. Andy Webster unterlief kurz vor Schluss ein Eigentor (78.).
Spaniens Überraschungsmannschaft UD Levante - erstmals in der Klubhistorie international vertreten - war auch in Schottland gefordert. Und die Iberer lösten ihre Aufgabe beim FC Motherwell souverän: Juanlu (42.) und Nabil El Zhar (62.) sorgten für den 2:0-Auswärtssieg und machten damit die Tür zur Gruppenphase vor dem Rückspiel weit auf. Eine noch bessere Ausgangsposition vor dem Rückspiel erarbeitete sich Vorjahresfinalist Athletic Bilbao, das Beinahe-Schalke-Schreck des Vorjahres, HJK Helsinki, die Grenzen aufzeigte. Aritz Aduriz (24., 51.), Markel Susaeta (30.), Inigo Perez (42., 57.) und Andoni Iraolo schossen einen klaren 6:0-Triumph heraus.

Gewaltschuss Tim Hoogland, Abstauber Vedad Ibisevic - diese Szene aus Minute 71 löste am Mittwoch den Knoten beim VfB Stuttgart und legte zusammen mit einer souveränen Abwehrarbeit den Grundstein zu einem verdienten 2:0-Hinspielerfolg in den Europa-League-Play-offs gegen Dynamo Moskau. Vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch (18 Uhr, LIVE! bei kicker online) ist damit der erste große Schritt in Richtung Gruppenphase gemacht.
Dabei fehlten im Spiel der Stuttgarter in der mit 20.400 Zuschauern mäßig besetzten Arena insbesondere vor der Pause Tempo und Ideen, Martin Harnik vergab per Kopf die einzige echte Torchance (27.). Defensiv dagegen wurden Serdar Tasci und Maza, der den Vorzug vor Georg Niedermeier erhalten hatte, vor keinerlei Probleme gestellt. Auch Dynamo-Kapitän und Rückkehrer Kevin Kuranyi - zwischen 1997 und 2005 im VfB-Dress unterwegs - blieb wie der früh ausgewechselte Zvjezdan Misimovic weitgehend wirkungslos.
Die Russen zeigten offensiv, warum sie national derzeit mit einem Torverhältnis von 1:11 punktlos Letzter ihrer Liga sind. Der VfB brannte zwar seinerseits ebenfalls kein Offensivfeuerwerk ab, kontrollierte aber immerhin die Partie - und wurde am Ende durch Ibisevic belohnt: Nach seinem Abstauber legte der Goalgetter in der Nachspielzeit per Kopf nach.