Fachleute hatten vorausgesagt, dass der HSV vor einer ganz schweren Saison stehen würde. Und die Auftaktpleite gegen Nürnberg hat bestätigt, dass es um den HSV tatsächlich nicht gut steht. Die Hanseaten offenbarten in allen Mannschaftsteilen immense Probleme: Die Abwehr ist zusammen mit dem defensiven Mittelfeld weit von einer kompakten Einheit entfernt, im offensiven Mittelfeld fehlte das kreative Moment, der Angriff blieb weitgehend harmlos. Einziger Lichtblick: Keeper René Adler, der mit etlichen Glanztaten schlimmeren Schaden verhinderte.
Trainer Thorsten Fink (44) macht in Zweckoptimismus, allein ein Teil seiner Analyse nach dem Spiel lässt aber tief blicken ("Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft das Zeug hat, nicht im Abstiegskampf zu stecken"). Vielmehr droht dem Liga-Dino in seiner 50. Saison eine noch schlimmere als die in der vergangenen Spielzeit, als der Sturz in die Zweitklassigkeit gerade noch vermieden werden konnte.
Was ist zu tun? Lösen die Neuzugänge Milan Badelj und wohl auch Wolfsburgs Petr Jiracek die Probleme? Die bisherige Transferpolitik von Sportdirektor Frank Arnesen (55) trägt nicht dazu bei, die Nerven zu beruhigen. Seine Beurteilung der desolaten Vorstellung beim Ligastart hat er wohl exklusiv: "Das hatte nichts mit Qualität zu tun, sondern mit Nervosität und Unsicherheit. Ich bin schwer enttäuscht." Zwar verspricht der Manager, dass Badelj die erhoffte Verstärkung sein wird ("Er ist ein Spieler mit Ideen, er hilft uns weiter"), aber hatte man sich mehr Qualität nicht auch von Bruma, Mancienne, Skjelbred & Co. versprochen?
Im Werben um Wolfsburgs Petr Jiracek (26) ist der HSV am Wochenende der Durchbruch gelungen - allerdings diktiert der VfL die Konditionen: Vier Millionen werden sofort fällig, je nach Erfolg kann der Tscheche, im Winter 3,5 Millionen Euro teuer und nun bereits ausgemustert, zum Fünf-Millionen-Transfer werden. Ein Panikkauf, weil die Verpflichtung eines Zehners scheitert? Arnesen beschwichtigt: "Badelj und Jiracek sind sich nicht zu ähnlich, sie können gut zusammen agieren." Seine Einschätzung: "Badelj ist der Typ Spielmacher. Jiracek eher der Kämpfer." Felix Magath (59) beurteilt Jiracek genau gegenteilig, stuft ihn spielstark ein, bemängelt aber dessen Abräumer-Qualitäten.
Im 4-1-4-1-System sollen Badelj und Jiracek zentral für Struktur sorgen. Oder platzt das einstudierte 4-2-3-1 mit einem echten "Zehner" doch nicht? Dass sich der HSV im Doppelpass mit Investor Klaus-Michael Kühne (75) intensiv um Rafael van der Vaart bemüht, ist verbürgt. Allein die Realisierung bleibt schwierig. Darstellbar wäre der Deal nur, wenn Kühne den inklusive Gehalt und Ablöse etwa 35 Millionen Euro teuren Transfer weitgehend allein stemmen würde. Arnesen sagt: "Es ist eine schwierige Situation, aber ich bleibe dabei: Ich schließe nichts aus." Van der Vaarts Rückkehr wäre auch für ihn ein Befreiungsschlag.
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