U-21-Nationaltrainer bei kicker.tv Spezial

Kuntz hakt Brandt, Werner und Sané ab

U21 - 14.12. 15:44

Wie sieht die Zukunft des deutschen Fußballs aus, wie ist die Lage bei der Ausbildung junger Talente? Mit diesen Fragen befasst sich die neue Ausgabe von kicker.tv Spezial. Deutschlands U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz sprach über Probleme bei der Ausbildung im deutschen Fußball und die Erfolgsaussichten seiner Mannschaft bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr.

Seit September 2016 U-21-Trainer Deutschlands: Stefan Kuntz. © imago

In die EM, die im kommenden Jahr in Italien und San Marino ausgetragen wird, geht die deutsche U 21 als amtierender Europameister. Gelingt dem deutschen Nachwuchs die Titelverteidigung? "Wer unseren Ehrgeiz kennt, der weiß, dass wir optimal abschneiden möchten", sagt Kuntz. Eine endgültige Prognose wagt er aber noch nicht. Der DFB-Coach sieht auf dem Weg zum Turnierstart noch viele Unwägbarkeiten, allen voran bei der Zusammenstellung des Kaders. "Es hängt viel davon ab, wie viele Spieler von den Toptalenten für die A-Nationalmannschaft im Juni abgestellt werden müssen", betont der 56-Jährige. Auch bei anderen Nationen stelle sich diese Frage.

In Bezug auf Deutschland nennt er beispielhaft drei Namen: "Hinter Timo Werner, Leroy Sané oder Julian Brandt können wir einen Haken machen." Sie haben ihren festen Platz in der A-Nationalmannschaft, die im Juni 2019 parallel zur U-21-EM EM-Qualifikationsspiele bestreitet.

"Es ist unser Auftrag, dass wir die Spieler vorbereiten und zu A-Nationalspielern mit formen."

Stefan Kuntz über die Abberufung von Toptalente in die A-Nationalelf

Letztendlich werde sich in enger Absprache mit A-Nationaltrainer Joachim Löw entscheiden, welcher Spieler für welche Mannschaft nominiert wird. Groll verspürt Kuntz deshalb aber nicht. "Es ist unser Auftrag, dass wir die Spieler vorbereiten und zu A-Nationalspielern mit formen", sagt er.

Nadelöhr beim Übergang von U-19- auf Profiebene

Titelgewinn: 2017 gewinnt Stefan Kuntz mit der U 21 die Europameisterschaft. © imago

Ein wichtiger Faktor sei dabei Erfahrung. Spielpraxis auf hohem Niveau bringt die Spieler massiv in ihrer Entwicklung voran, wie Kuntz am Beispiel der beiden Quali-Spiele seiner Mannschaft gegen Norwegen verdeutlicht. Das erste verlor seine Mannschaft, das zweite gewann sie Monate später souverän und mit phasenweise drückender Überlegenheit, trotz fast gleichem Personal. Aus Kuntz' Sicht hat das einen einfachen Grund: "Weil die Spieler in der Zwischenzeit 30 Spiele in ihren Mannschaften gemacht haben, auf hohem Niveau. Diese Spielpraxis ist nicht zu ersetzen."

Beispiel Frankreich und England: Soziale Herkunft prägt

Allerdings ist Kuntz skeptisch, ob sich diese Möglichkeit auch in der Zukunft bieten wird. Er sieht ein Nadelöhr beim Übergang von der U 19 in den Profibereich, nur 19 Prozent der Spieler bei den Bundesligisten schaffen den Sprung von den A-Junioren in das Profiteam. "Scheinbar gehen uns ab dem Austritt aus der U 19 bis zum Alter von 21 Jahren viele Talente verloren."

"Dadurch kommt eine Gier und ein Erfolgshunger zusammen, gepaart mit einer guten Ausbildung."

Stefan Kuntz über junge Talente in Frankreich oder England

Zwar sei die Bundesliga inzwischen eine Ausbildungsliga - aber vermehrt für ausländische Talente. "Wenn wir gegen Frankreich spielen sollten, könnte es sein, dass sechs, sieben oder acht Spieler Stammspieler in der Bundesliga sind", sagt er mit Blick auf das kommende U-21-Turnier im nächsten Jahr. Die Franzosen brächten wie England inzwischen Spieler hervor, die in Bezug auf die individuelle Stärke "mehr Qualität haben als wir". Die sozialen Begebenheiten in anderen Ländern tragen nach Ansicht des ehemaligen Bundesliga-Profis dazu bei, dass die Nachwuchsausbildung so gut funktioniert. "Die Jungs bringen eine Durchsetzungsfähigkeit aufgrund ihrer sozialen Herkunft mit. Dadurch kommt eine Gier und ein Erfolgshunger zusammen, gepaart mit einer guten Ausbildung", so Kuntz.

pau

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