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13.06.2014, 17:45

Bayern: Der Verbandspräsident im Interview

Koch: "Das ist eine Momentaufnahme"

Bayerns Verbandschef Rainer Koch zieht seine Saisonbilanz und verteidigt die fünf Regionalligen. Im kicker-Interview spricht der 55-Jährige über die fortschreitende Professionalisierung der Amateurvereine, die Äußerungen von DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig und die Kontroversen im Abstiegsfinale.

Befindet die vergangene Saison als "sportlich sehr attraktiv": Verbandschef Rainer Koch.
Befindet die vergangene Saison als "sportlich sehr attraktiv": Verbandschef Rainer Koch.
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kicker: Herr Dr. Koch, wie fällt generell Ihr Fazit zur abgelaufenen Saison der Regionalliga Bayern aus?

Rainer Koch: Positiv. Wir haben eine sportlich sehr attraktive Spielzeit hinter uns. Dazu haben alle Vereine die Saison finanziell gut bewältigt.

kicker: Gab es Fortschritte bei der Professionalisierung, etwa bei Vereinen wie Illertissen oder Buchbach?

Koch: Genau das sind positive Beispiele für die Vernunft. Beide haben derzeit nicht die Infrastruktur für die 3. Liga, und ich sehe es deshalb sogar positiv, dass beide Vereine nicht mit aller Macht aufsteigen wollen. Illertissen hat sich als bayerischer Amateurmeister wieder für den DFB-Pokal qualifiziert und wieder einen Bundesligisten zugelost bekommen. Das ist auch wirtschaftlich attraktiv.

kicker: Dennoch haben wieder nur zweite Mannschaften von Profivereinen die Drittliga-Lizenz beantragt.

Koch: Das ist eine Momentaufnahme. Die Amateurklubs holen auf. Würzburg, Bamberg, Schweinfurt, Bayreuth oder Memmingen - um nur einige zu nennen - könnten in den nächsten Jahren Kandidaten für die 3. Liga sein.

Herr Rettig spricht aus Sicht der Profiklubs.Rainer Koch über das Modell mit drei Regionalligen

kicker: DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig hat unlängst für eine Rückkehr zur dreigleißigen Regionalliga plädiert. Wie kam das bei Ihnen an?

Koch: Die Landes- und Regionalverbände als Träger der Regionalligen haben nicht nur die Interessen der Profiklubs und der Vereine zu berücksichtigen, die in die 3. Liga wollen, sondern sie vertreten auch die Klubs, für die die Regionalliga das Maximum ist. Diese bilden im Übrigen die größte Gruppe. Es gibt in allen fünf Regionalligen zusammengerechnet maximal 15 Vereine, die sich von ihrer Infrastruktur her in Richtung 3. Liga orientieren können. Herr Rettig spricht "nur" aus Sicht der Profiklubs und der in die 3. Liga strebenden Klubs.

kicker: Was fordern Sie daher?

Koch: Dass man Rücksicht aufeinander nimmt und nach Kompromissen sucht. Es prallen bei dieser Diskussion generell viele Sichtweisen aufeinander. Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist ein dicht besiedeltes Bundesland, da können Sie überspitzt gesagt mit dem Fahrrad zu jedem Spiel fahren. Die gesamte Osthälfte Deutschlands ist hingegen Flächenland, die Thematik stellt sich daher sehr vielschichtig dar.

kicker: Fünfgleißige Regionalliga und Meister, die nicht aufsteigen dürfen. Bleibt das alles so?

Koch: In der Konferenz der Landesverbandspräsidenten haben wir beschlossen, unter Leitung von Vizepräsident Peter Frymuth und mir ab Herbst 2015 gemeinsam mit dem DFB-Spielausschuss die Regionalliga zu evaluieren. Dort wird es sicher auch um den Aufstiegsmodus und die Zukunft der Talentförderung gehen. Eine Abkehr von der fünfgleißigen Regionalliga, die ohnehin nur auf einem DFB-Bundestag beschlossen werden könnte, steht derzeit nicht im Vordergrund der Diskussion.

kicker: Also können Sie Herrn Rettig kurzfristig keine großen Hoffnungen machen?

Koch: Nein, und außerdem wäre eine dreigleißige Regionalliga unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für die meisten Vereine auch gar nicht wirtschaftlich zu schultern. Genau deshalb wurde die Dreigleisigkeit auf Wunsch vieler Vereine vor einigen Jahren abgeschafft, als es keine TV-Gelder mehr für die Regionalliga gab.

Ich freue mich, dass die BFV-Organe schnell und professionell gearbeitet haben.Koch über die Begleiterscheinungen im Abstiegsfinale

kicker: Ein weiteres wichtiges Thema ist die Sicherheit in den Stadien.

Koch: Wir hatten diesbezüglich eine ruhige Saison. Unser Konzept ist weitgehend aufgegangen, insbesondere die enge Zusammenarbeit mit der Polizei und die klare Linie der Schiedsrichter und der Sportgerichtsbarkeit bei Zuschauerfehlverhalten.

kicker: Dennoch gab es am letzten Spieltag in Schweinfurt Probleme nach einem Böllerwurf.

Koch: Es heißt ja nicht, dass in der abgelaufenen Saison gar nichts passiert ist. Jeder Fall ist einer zu viel, ob das nun Schweinfurt war oder auch bei den Münchner Lokalderbys, wo sehr viel Pyrotechnik zum Einsatz gekommen ist.

kicker: Zurück zu Schweinfurt: Wie haben Sie die Begleiterscheinungen rund um das dramatische Abstiegsfinale erlebt?

Koch: Als Verbandspräsident bleibe ich neutral. Ich freue mich, dass die BFV-Organe schnell und professionell gearbeitet haben, über unseren Partner "Sportradar" der im Raum stehende Vorwurf der Wettmanipulation schnell entkräftet werden konnte und die Sportgerichte zügig den Fall bearbeitet haben.

kicker: Dennoch können Ihnen die Vorwürde aus Hof nicht gefallen haben.

Koch: Da sind Aussagen aus der ersten Emotion heraus getroffen worden. Aber genau deshalb war es so wichtig, dass die BFV-Organe schnell und sachgerecht reagiert haben. Denn mittlerweile ist es doch so, dass alle Beteiligten die getroffenen Entscheidungen akzeptiert haben.

Interview: Stefan Wölfel

 
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