"Ich bin nicht der Schulmeister oder das Aufsichtsorgan für die Nationalspieler. Ich habe vor allem einen starken Bundestrainer, der klare Verhaltensregeln vorgibt", erklärte Zwanziger am Montag in der DFB-Zentrale in Frankfurt (Main): "Ich gebe gerne Ratschläge, aber in die sportliche Hierarchie werde ich öffentlich nicht eingreifen. Das ist nicht meine Art."
Der 63-Jährige geht sogar davon aus, dass es auch in Zukunft weitere Auseinandersetzungen geben wird. "Konflikte wird es immer geben, und wenn sie dann genüsslich ausgeleuchtet werden, muss man damit leben", sagte Zwanziger und stärkte Löw zugleich den Rücken: "Seine Kompetenz und seinen Charakter schätze ich sehr. Mit seinem Team ist er für die WM 2010 in Südafrika auf einem guten Weg - auch wenn wir wissen, dass die Qualifikation für die WM-Endrunde weiter keine leichte Aufgabe ist."
Trotz der Niederlage im EM-Finale gegen Spanien (0:1) bei der EURO 2008 in der Schweiz und Österreich sprach Zwanziger von 2008 als ein "überaus erfolgreiches Jahr". So verwies er darauf, dass die DFB-Auswahl die einzige Mannschaft war, die bei der WM 2006 in Deutschland und der EM 2008 jeweils unter die vier Ersten gekommen sei.
Zu den positiven Aushängeschildern gehören aber auch die Nachwuchsmannschaften innerhalb des DFB sowie die Frauenteams. So wurde die U19 Europameister, die U21 qualifizierte sich für die EM 2009 in Schweden. Die Frauen konnten sich bei Olympia 2008 in Peking die Bronzemedaille um den Hals hängen. "Wir sind sehr stolz auf unsere Aushängeschilder und die Dichte an glänzenden Ergebnissen", sagte der 63-Jährige: "Ich glaube nicht, dass es einen anderen Verband in der Welt gibt, der ähnliches vorzuweisen hat."
Für den Fall, dass er in dem laufenden Rechtsstreit mit dem freien Journalisten Jens Weinreich aus Berlin eine juristische Niederlage erleidet, zieht Zwanziger sogar einen Rücktritt in Betracht. "Sollten die Richter entscheiden, dass das Ganze verfassungsrechtlich zulässig ist, werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses schöne Amt weiterführe", sagte Zwanziger überraschend. Er sei aber sicher, "dass ich den Prozess gewinne".
"Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes opfern", sagte der Jurist im Anschluss an die offizielle Pressekonferenz am Montag.
Jens Weinreich, freier Journalist in Berlin und ehemaliger Sportchef der "Berliner Zeitung", hatte Zwanziger im Juli 2008 in einem Internet-Blog als einen "unglaublichen Demagogen" bezeichnet. Ein anschließende Verpflichtungserklärung zur Unterlassung dieser Aussage wurde von Weinreich nicht akzeptiert. Auch der Antrag des DFB auf eine Einstweilige Verfügung wurde von Berliner Gerichten abgelehnt. Nun will der DFB Klage einreichen, es droht ein Hauptverfahren.
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