Einwurf von Rainer Holzschuh
Michael Ballack hat sich mit dieser Attacke gewaltig verzockt
Die Nationalelf hat zuletzt für erstaunlichen Gesprächsstoff gesorgt, positiv im Spiel, negativ außerhalb. Erst Kuranyis verpatzter Abgang, dann Frings Rufe aus dem Schmollwinkel, jetzt noch die Schelte ausgerechnet des Kapitäns.
Die Dimensionen jedoch, die Michael Ballack mit seinen Attacken gegen den Bundestrainer bewegt hat, hat er wohl selber kaum erahnt. Ballack ist seit Monaten angefressen, fetzte sich nach Ende der vom Ergebnis her erfolgreichen, spielerisch unzureichenden EM mehr oder minder hartnäckig mit DFB-Manager und Mitspielern.
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Mit seiner öffentlichen Kritik in Richtung Löw hat Ballack nun gegen einen Ehrenkodex verstoßen; was Spielern gewöhnlich nur unterläuft, wenn sie mit ihren sportlichen Zielen abgeschlossen haben. Ballack hechelt nach wie vor einem großen internationalen Titel hinterher, den er mehrfach fast tragisch verpasste. Sein Wunsch, auf der Zielgeraden seiner Karriere 2010 Weltmeister zu werden, mag die Initialzündung für all sein Tun und Handeln sein. Wenn er und sein Berater glauben, gegen ihnen sichtbare Schwächen wirkungsvoll angehen zu müssen, so ist dies nicht nur Ballacks Recht, sondern als Kapitän vielleicht gar seine Pflicht. Den Rundumschlag in dieser Form publik zu machen war jedoch das falsche Mittel.
Jogi Löw hat sauer reagiert wie noch nie als Bundestrainer. Zwar gibt er Ballack fairerweise die Chance zu einer Versachlichung im Vier-Augen-Gespräch. Die Wortwahl seiner Presse-Erklärung deutet jedoch auf seine Entschlossenheit hin, Ballack - und damit allen Nationalspielern - deutlich vor Augen zu führen, dass Teamgeist und Vertrauen zueinander die Maßeinheit für seine Führungs-Philosophie bedeuten.
Auch wenn Joachim Löw genau weiß, dass nach einer solchen Entscheidung ein Misserfolg in der Qualifikation letztlich ihm angeheftet wird: Es wäre kein Wunder, wenn Ballack gegen Wales sein letztes Spiel, zumindest als Kapitän, bestritten und sich damit gewaltig verzockt hätte.
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