Zweifel, die auch dadurch geschürt wurden, weil es bis heute keine klare Aussage gibt, was tatsächlich hinter Dejagahs Verhalten steckt. Der in Teheran geborene Spieler, den die iranischen Eltern noch vor dem ersten Geburtstag mit nach Berlin genommen hatten, spricht einerseits von der Angst, dass seine Angehörigen im Iran Repressalien ausgesetzt werden könnten und er nicht mehr in sein Geburtsland einreisen dürfe. Andererseits lassen Aussagen wie jene, er habe mehr iranisches als deutsches Blut in den Adern, auf politische Motive schließen. Die Wahrheit herausfinden will DFB-Präsident Theo Zwanziger nächste Woche in einem Gespräch mit Dejagah. Anschließend soll in großer Runde darüber entschieden werden, ob Dejagah noch eine Zukunft in der DFB-Auswahl hat. Mit am Tisch: DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, DFB-Generalsekretär Horst R.Schmidt, sein designierter Nachfolger Wolfgang Niersbach, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und U-21-Trainer Dieter Eilts. Zwanziger sagt: "Er ist ein junger Mann, deshalb handle und verurteile ich nicht voreilig."
Eine Aussage, die auch als Entgegnung zu verstehen ist auf die zahlreichen Wortmeldungen aus der Politik, selten fundiert, aber oft (vor)verurteilend. Allerdings muss sich der DFB den Vorwurf gefallen lassen, sich durch ein versagendes Frühwarnsystem verdribbelt zu haben. Als Dejagah Eilts bat, auf ihn in Israel zu verzichten, wurde dies zunächst nur abgenickt. "Nach Beratungen auf verschiedenen Ebenen ist die Entscheidung gefallen, den Wunsch Ashkans und den der Familie zu achten und zu respektieren", sagt Eilts. Nach kicker-Informationen hatte die DFB-Führung angeregt, dem Beispiel Vahid Hashemian zu folgen, der 2004 Bayern Münchens Champions League-Reise nach Tel Aviv aus Verletzungsgründen - so die offizielle Version - nicht mitmachte. Darauf habe sich Eilts aber nicht einlassen wollen.
Am Mittwoch hatte der VfL Wolfsburg dem Spieler freigegeben, um - so Trainer Felix Magath - "in Ruhe trainieren zu können". Seit Donnerstag ist der Spieler beim Verein wieder an Bord. Erklärungen des Spielers gab es keine, auch der Verein will erst das Gespräch mit dem DFB abwarten. Nur Trainer Felix Magath sagte zu den zahlreichen Stimmen aus der Politik sarkastisch: "Das nächste Mal lasse ich vom Bundestag meine Aufstellung abhaken."
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