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03.07.2018, 16:25

Dominanz in Sachen Ballbesitz führt bei der WM nicht zum Erfolg

Wer den Ball hat, verliert?!

Eines fällt schon auf bei dieser Weltmeisterschaft in Russland: Große Nationen, die auf Ballbesitz setzen, scheitern. "Das Ende des Tiki-Taka" mag der ein oder andere darin sehen.

Sergio Ramos (links), Lionel Messi (Mitte), Toni Kroos
Frust trotz oder wegen Ballbesitz am laufenden Band? Spanien, Argentinien, Deutschland sind raus bei der WM.
© imagoZoomansicht

Spanien scheitert an Russland trotz 1115 gespielter Pässe (3:4 i.E.), im gesamten Turnier spielt "La Furia Roja" ganze 3392 Zuspiele (3087 kommen an). Vizeweltmeister Argentinien (60 Prozent Ballbesitz) lässt sich indes von Frankreich nach 2:1-Führung auskontern und verliert am Ende mit 3:4. Weltmeister Deutschland scheidet bei der "Katastrophe von Kasan" gegen Südkorea (0:2) bereits in der Vorrunde aus, obwohl die DFB-Elf stolze 70 Minuten die Kugel am Fuß führt.

Kurzum: Der Siegeszug des Ballbesitzfußballs scheint vorbei, denn alle sind sie mit dem Erfolgsrezept der Vergangenheit gescheitert. Die WM in Russland lehrt also durchaus: Wer den Ball hat, kann trotzdem verlieren. Der reine Ballbesitzfußball, den Andres Iniesta und seine spanischen Weltmeister im Jahr 2010 in Perfektion vorführten, wird gerade ein wenig zu Grabe getragen. Die Statistiken der WM nämlich sind eindeutig. Spanien hatte im Achtelfinale gegen Russland 75 Prozent Ballbesitz und verlor. Gegen den Iran brachten 70 Prozent ein schmuckloses 1:0, gegen Marokko 68 nur ein enttäuschendes 2:2. In Madrid ätzten diesbezüglich schon einige: "Tiki-Kaka".

Erfolgreich sind bei dieser WM indes die Teams, die dem Gegner den Ball überlassen und, wenn sie ihn erobern, blitzschnell nach vorne stoßen. Ein Beispiel: Frankreichs Hochgeschwindigkeitsfußballer um Sprinter Kylian Mbappé (19) überrannten Messi & Co. regelrecht und gaben den Ball schnell wieder ab - so direkt zum Anstoß nach dem Tor.

DFB-Chefausbilder Niedzkowski spricht

"Die vermeintlich großen Teams haben häufig auch deshalb so viel Ballbesitz, weil sie es sich nicht aussuchen können, da die kleineren Mannschaften sich sehr auf die Defensivarbeit konzentrieren", sagt dazu der neue DFB-Chefausbilder Daniel Niedzkowski dem "SID". Dabei sei es für die dominierende Mannschaft schon immer schwierig, "Lösungen zu finden". Es sei erkennbar, "dass die Defensivarbeit der Teams qualitativ besser geworden ist, weil die Spieler sehr gut geschult sind". Dafür könne man niemanden zur Rechenschaft ziehen. Wenn es erfolgreich sei, sei es auch legitim.

Kovac "möchte ein neues System integrieren"

Auch Niko Kovac, den neuen Trainer des FC Bayern, haben die Erkenntnisse der WM ins Grübeln gebracht. "Seit Louis van Gaal ist hier ein Stil geprägt worden, der im Grunde so beibehalten werden soll", so Kovac bei seiner Vorstellung in München. "Die WM zeigt auch, dass Ballbesitzfußball nicht die einzige Lösung sein kann. Ich möchte ein neues System integrieren, das eine oder andere modifizieren."

Einer seiner Vorgänger hatte diese Entwicklung vorhergesagt. "Die Blase des Ballbesitzfußballs wird langsam platzen. Es wird wieder mehr vertikalen Fußball geben", hatte Carlo Ancelotti gesagt, als er noch Coach des Rekordmeisters war.

mag/sid

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