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09.06.2011, 11:45

Löw kann nach Herzenslust experimentieren

Höwedes: Ein großer Gewinner

Als der Sonderflug LH 343 aus Baku am Mittwochmorgen - satte 25 Tage nach dem Bundesliga-Finale - um 4.27 Uhr im verregneten Frankfurt aufsetzte, war es auch für die Nationalspieler so weit. "Endlich Urlaub", sprach Kapitän Philipp Lahm aus, was alle dachten.

Benedikt Höwedes gegen Vugar Nadyrov
Gewinner: Benedikt Höwedes (li.) setzt sich gegen Aserbaidschans Vugar Nadyrov durch.
© picture allianceZoomansicht

Wie schon im Test gegen Uruguay und im Prestigeduell gegen Österreich hatte die personell ausgedünnte und am Ende einer beschwerlichen Saison ausgezehrte DFB-Auswahl die Hürde Aserbaidschan in erster Linie dank ihrer Ent- und Geschlossenheit gemeistert. "Die Mannschaft hat gezeigt, welche Qualität in ihr steckt und welchen Charakter sie hat", urteilte Lahm: "Das war ein Riesenschritt in Richtung EM."

Mats Hummels, dem zuvor auf dem Platz nur wenig gelingen wollte, ging gar noch einen Tick weiter: "Das war der entscheidende Schritt. Wir wären die erste deutsche Mannschaft, die solch einen Vorsprung noch verballert."

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Zuvor waren die Spieler von Liga-Präsident Reinhard Rauball mit anerkennenden Worten bedacht worden. Rauball dankte in seiner akzentuierten Rede "für eine starke Saison" und betonte: "In diesem Team greift ein Rädchen ins Andere."

In der Tat ist genau das ein wesentlicher Aspekt, weshalb der Verjüngungsprozess nach der WM praktisch problemlos vonstatten ging. Löw setzte in den zwölf Länderspielen dieser Saison insgesamt 40 (!) Spieler ein, dennoch zeigte die Nationalelf abgesehen von einigen zweitrangigen Testspiel-Darbietungen gegen Australien, Schweden oder Dänemark meist ein einheitliches Gesicht. Gerade in den Pflichtspielen, und auch in Aserbaidschan.

"Ich habe mich an die U 21 vor zwei Jahren erinnert."Mats Hummels

Nachdem einige Stammspieler (Mertesacker, Schweinsteiger) von vornherein nicht zur Verfügung standen und im Laufe der insgesamt 13-tägigen Dienstreise acht weitere Profis verletzt oder zumindest angeschlagen vorzeitig in die Sommerferien entlassen wurden, ging in Baku eine blutjunge Verlegenheitself ins Rennen. "Das war extrem, wie viele junge Spieler auf dem Platz standen", wunderte sich Hummels: "Ich habe mich an die U 21 vor zwei Jahren erinnert."

In dieser Zusammensetzung wird Löw sein Personal zwar nicht mehr auflaufen lassen, der jugendliche Trend aber wird anhalten. Die nahezu perfekte EM-Qualifikation verschafft dem Bundestrainer den Luxus, in der kommenden Saison nach Herzenslust für das anstehende EM-Turnier experimentieren zu können. Nicht nur die Tests gegen die Hochkaräter Brasilien, Niederlande, Frankreich oder Polen, sondern auch die noch ausstehenden EM-Qualifikationsspiele gegen Österreich, Belgien sowie in der Türkei will Löw nutzen, um sein Personal unter verschärften Wettkampfbedingungen zu sichten und für die EURO auszulesen.

Höwedes nutzt die Chance

Der vom heftig kritisierten Ex-Bundestraner Berti Vogts trainierte Weltranglisten-108. Aserbaidschan mag zwar kaum als Gradmesser für die Leistungsstärke der deutschen Elf getaugt haben. Unstrittig aber lieferte der letzte Saisonauftritt einen weiteren Beleg über die Leistungsdichte in Löws Kader und den durch die Youngster entfachten Konkurrenzkampf. Benedikt Höwedes (23) beispielsweise, erst nach Sven Benders Ausfall nachnominiert, darf sich als ein großer Gewinner fühlen und gab gleich brav zu Protokoll, dass er natürlich lieber auf der ungeliebten Rechtsverteidiger-Position als gar nicht spielen würde. Auch die quirligen André Schürrle und Mario Götze setzten Ausrufezeichen, dass sie zur Stelle sind, sollte sich ein Arrivierter wie Lukas Podolski solch blasse Vorstellungen leisten wie am Freitag gegen Österreich und am Dienstag gegen Aserbaidschan.

Der eigentliche Gewinner aber ist Joachim Löw. Obwohl sich vor drei Wochen schon die angespannte Personalsituation gerade im defensiven Mittelfeld abzeichnete, blieb der Bundestrainer bei seiner grundsätzlichen Haltung, den Noch-Kapitän Michael Ballack (34) nicht zurückholen zu wollen. Die Auftritte in Sinsheim, Wien und Baku zeigten einmal mehr, das dies auch nicht mehr nötig ist.

09.06.11
 
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weitere Infos zu Löw

Vorname:Joachim
Nachname:Löw
Nation: Deutschland
Verein:Deutschland

weitere Infos zu Höwedes

Vorname:Benedikt
Nachname:Höwedes
Nation: Deutschland
Verein:FC Schalke 04
Geboren am:29.02.1988

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