
| Vorname: | Joachim |
| Nachname: | Löw |
| Nation: | Deutschland |
| Verein: | Deutschland |

Rein sportlich blieb die Partie bei allem Engagement des Teams eher ein Muster ohne Wert. Angesichts diverser personeller Experimente nach nur einer gemeinsamen Trainingseinheit durfte allerdings auch nicht wirklich mehr erwartet werden.
Seiner Ankündigung, im Ullevi-Stadion "großes Risiko" zu gehen, ließ Bundestrainer Joachim Löw mit der Berufung der beiden Neulinge Lewis Holtby (20) und Marcel Schmelzer (22) von Beginn an entsprechende Taten folgen. So lag das Durchschnittsalter der deutschen Anfangsformation bei 23 Jahren und 217 Tagen. Löw bot damit die zweitjüngste deutsche Startelf der Nachkriegsgeschichte auf (lediglich am 3. August 1960 siegte eine im Schnitt noch zehn Tage jüngere Auswahl 5:0 auf Island).
Die Nullnummer in Schweden ändert freilich nichts daran, dass Löw 2010 zu Recht als ein "sehr gelungenes Jahr" bezeichnet und im Hinblick auf 2011 prognostiziert: "Wir stehen glänzend da." Eine Einschätzung, die im doppelten Sinne zutrifft. Nach vier Siegen in vier Spielen hat Löws Team beste Aussichten, sich frühzeitig als Gruppensieger für die Europameisterschaft 2012 zu qualifizieren. Und personell ist der Bundestrainer inzwischen in der komfortablen Lage, aus einem im Vergleich zum Amtsantritt als DFB-Chefcoach im Sommer 2006 nun riesigen Reservoir an Alternativen auswählen zu können. "Es kommen viele junge Spieler mit großem Potenzial nach oben. Da sind wir den anderen Nationen voraus", lautet die Einschätzung von Bastian Schweinsteiger, der Philipp Lahm als Kapitän vertrat.
Nach Schmelzer und Holtby trugen sich auch die Joker André Schürrle (20) und Ausnahmetalent Mario Götze (18) als Neulinge 43 und 44 der Ära Löw ein - welch eine Fluktuation. Die Dortmunder Jungspunde Mats Hummels (21) und Kevin Großkreutz (22) kamen im zweiten Einsatz zur Startelf-Premiere. Allein in den 17 Länderspielen dieses Jahres setzte der Bundestrainer also 42 Profis ein. Damit stellte Löw den 1998 unter Berti Vogts und Erich Ribbeck erreichten Nachkriegsrekord des DFB ein. Schweinsteiger treffend: "Für den Bundestrainer wird die Auswahl immer schwieriger, für die Nation ist es aber gut."
2011 steht Löw vor der ebenso reizvollen wie kniffligen Aufgabe, aus der Fülle von Möglichkeiten die Mannschaft zu formen, die 2012 in Polen und der Ukraine die dann 16 titellosen Jahre beenden soll. Nach überraschend erfolgreichen und erfrischenden WM-Vorstellungen kann er auf einen Stamm von Führungsspielern im besten Alter (mit Lahm, Schweinsteiger, Khedira an der Spitze) sowie funktionierende Hierarchien zurückgreifen. Doch hat er auch Probleme zu lösen, vor allem in der Defensive. Seit Monaten sucht Löw nach der geeigneten Besetzung für die linke Abwehrseite. Ob ausgerechnet Schmelzer diese Schwachstelle dauerhaft beheben kann, muss sich gegen stärkere Widersacher zeigen. Offen scheint auch die Besetzung der Innenverteidigung. Der langzeitverletzte Arne Friedrich muss erst wieder Anschluss finden, Per Mertesacker, sein Partner in der WM-Abwehr, präsentiert sich seit Monaten in einer Verfassung, die zu denken gibt. Die Alternativen heißen Holger Badstuber - und seit Mittwoch auch Mats Hummels.
Aus dem 23-köpfigen WM-Kader spielen lediglich Jörg Butt (36), Piotr Trochowski (26) und Serdar Tasci (23) aus Alters- bzw. Leistungsgründen in Löws aktuellen Planungen keine Rolle mehr. Die Konsequenz: 2011 wird es einen enormen Konkurrenzkampf in der Nationalmannschaft geben, der Bundestrainer wird Spiel für Spiel seine Auslese fortsetzen.
Löws vermeintlich brisanteste Entscheidung dürfte sich dabei um die Personalie Michael Ballack (34) drehen. Wenn am 9. Februar das nächste Länderspiel ansteht, der Klassiker gegen Italien in Dortmund, will der etatmäßige Kapitän (genau wie sein Leverkusener Teamkollege Simon Rolfes) wieder eine Alternative sein. So oder so: Löws Weg wird Fußball-Deutschland weiterhin in Atem halten.
Für Joachim Löw (50) und sein Team scheint die Zukunft rosig. Trotz des 0:0 in Schweden.


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