
Joachim Löw weiß, was in den Frischlingen vorgeht, wenn sie am heutigen Montag in Göteborg mit den etablierten Nationalspielern zusammentreffen: "Für sie ist das ein Meilenstein." Die Rede ist von den Neulingen Mario Götze (18), André Schürrle (20), Lewis Holtby (20) und Marcel Schmelzer (22) sowie von Mats Hummels (21) und Kevin Großkreutz (22), die sechs Monate nach ihrem Länderspieldebüt als Aushilfskräfte gegen Malta praktisch gleichfalls vor ihrer echten ernsthaften Bewährungsprobe bei Löw stehen. Wer packts? "Ich kann mir vorstellen, dass sie den ganz großen Sprung schaffen werden", entgegnet der Bundestrainer, dessen Kader nach der Absage von Lukas Podolski (Sprunggelenks-verletzung) auf 21 Mann reduziert ist. Der kicker beleuchtet die Perspektiven der sechs Newcomer.
Löw und Matthias Sammer, da sind sich Bundestrainer und Sportdirektor mal einig, bezeichnen Mario Götze als Ausnahmetalent. In der Tat überrascht der Dortmunder im bisherigen Saisonverlauf (2 Tore, 4 Assists) mit einer für sein Alter erstaunlichen Übersicht und Abgeklärtheit am Ball, gilt zu Recht als Hoffnungsträger. Sollte er am Mittwoch zum Einsatz kommen, wäre er mit dann 18 Jahren und 167 Tagen der nach Uwe Seeler (17 Jahre, 345 Tage) jüngste deutsche Länderspiel-Debütant der Nachkriegsgeschichte.
Wie Götze zählte auch beim Saisonstart zu den positiven Überraschungen. Mit zwei Toren und sieben Assists hatte der Mittelfelddribbler maßgeblichen Anteil am Mainzer Höhenflug. Doch zuletzt ist Holtby buchstäblich abgetaucht, der kicker-Notenschnitt aus den letzten fünf Pflichtspielen (4,7/0 Tore, 0 Assists) dokumentiert den Leistungsknick. In Mainz ist man zu Recht skeptisch, ob der jetzige Aufstieg in die Nationalelf Holtby wirklich aus dem Tief hilft.
Wie Holtby ist auch derzeit einiges von seiner Bestform entfernt, kam in dieser Saison erst viermal von Anfang an zum Einsatz. Am Anfang waren die Nachwirkungen einer Schambein-Entzündung ein plausibler Grund für die Teileinsätze. Inzwischen aber ist die Jokerrolle wider Willen das Ergebnis von Schürrles Trainingsleistungen.
Als Jugendlicher kickte Marcel Schmelzer mit einem Dede-Trikot, seit dem Vorjahr hat der gebürtige Magdeburger sein Idol beim BVB verdrängt. Geschicktes Zweikampfverhalten und eine beachtliche Grundschnelligkeit zeichnen Schmelzer aus, in dieser Saison wagt sich der frühere Außenstürmer auch immer häufiger nach vorn. Seine Chance: Auf der linken Abwehrseite gibt es in der Nationalelf keinen Platzhirsch.
Schmelzers Partner auf der linken Seite besticht durch enormen Fleiß, in puncto Ausdauer-Werte steht Kevin Großkreutz beim BVB regelmäßig ganz weit vorn. Bei Löw erzielte er schon mit seinem 33-Minuten-Auftritt gegen Malta Eindruck, als er mit klugen Pässen auf Podolski die letzten beiden Tore zum 3:0 einleitete.
Mehr mit einem weinenden denn mit einem lachenden Auge kommentierte Mats Hummels sein Debüt gegen Malta. Denn der Verteidiger machte damals keinen Hehl daraus, dass er sich auch schon für eine Aufnahme in den WM-Kader gerüstet sähe. Mit konstant starken Vorstellungen hat sich der Ungeduldige nun die zweite Chance verdient. Die Konkurrenz ist zahlreich, aber selbst ein Per Mertesacker nicht mehr unumstritten.
Oliver Hartmann