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06.10.2010, 12:36

Sportliches spielt vor Türkei-Spiel fast keine Rolle

Bierhoff stolz, Özil freut sich, Lahm hofft

Noch zwei Tage sind es bis zum vermeintlichen Topspiel in der EM-Qualifikation der Gruppe A - Deutschland gegen die Türkei. Beide Teams weisen vor dem Duell im Berliner Olympiastadion sechs Zähler nach zwei Partien auf. Am Mittwochmittag bat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) deshalb zur Pressekonferenz. Vor Ort waren Teammanager Oliver Bierhoff sowie die beiden Spieler Philipp Lahm und Mesut Özil. Um Sportliches ging es dabei kaum.

Mesut Özil und Philipp Lahm
Mesut Özil und Philipp Lahm bei der Pressekonferenz vor dem Türkei-Spiel in Berlin.
© picture-allianceZoomansicht

Zunächst präsentierte Bierhoff einige Werte rund um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die eine vom DFB in Auftrag gegebene Umfrage zu Tage förderte. In dieser bisher vierten Umfrage des DFB ging es vor allem um das Image der Mannschaft abseits des grünen Rechtsecks im Vergleich zum Vorjahr - sprich nach der WM 2010 in Südafrika, die für den DFB einen Gewinn von 3,9 Millionen Euro abwarf.

Mit einigem Stolz verkündete Bierhoff die für das DFB-Team außerordentlich positiven Zahlen. 61% Prozent der Befragten zwischen 14 und 69 Jahren interessierten sich demnach aktiv für die deutsche Nationalmannschaft, für 96% der Befragten ein Synonym für Teamgeist, Weltoffenheit (94%), Erfolg (94%), Selbstbewusstsein (93%), Begeisterung (92%) und Jugendlichkeit (92%). Für immerhin 87% der Befragten steht die Auswahl der deutschen Elite-Kicker auch für eine gelungene Integration. Beim WM-Kader in Südafrika kamen elf der 23 Profis aus einem Elternhaus mit Migrationshintergrund, aktuell stehen 18 türkischstämmige Spieler in den Auswahlmannschaften des DFB ab den U-15-Junioren.

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Kein Wunder also, dass gerade Mesut Özil, ein in Gelsenkirchen geborener und aufgewachsener Sohn türkischer Einwanderer, vor dem Hintergrund des Duells mit der Türkei als Kronzeuge für das Thema Integration beim DFB herhalten musste. Es sei für ihn nie eine Frage gewesen sei, nicht für Deutschland zu spielen, "denn ich lebe hier (in Deutschland, d. Red.) in der dritten Generation, hatte hier meine Freunde und spielte für alle Jugendmannschaften des DFB". Ansonsten freue er sich auf das Duell mit der Türkei, "in dem wir hoffentlich gewinnen werden", so Özil.

Altintop: "Fußball ist viel öfter einfach Business"

Mesut Özil und Hamit Altintop zu ihrer gemeisnamen Schalker Zeit.
Traute Welt auf Schalke: Mesut Özil und Hamit Altintop in ihren königsblauen Trikots.
© picture-allianceZoomansicht

Einer seiner Kontrahenten am Freitagabend und ehemaliger Mannschaftsgefährte auf Schalke, Hamit Altintop, hat zum Thema Wahl der Nationalmannschaft eine etwas andere Sicht der Dinge. "Als deutscher Nationalspieler hat Mesut mehr Lobby, einen höheren Marktwert, er verdient mehr Geld. Hätte er sich für die Türkei entschieden, hätte er keine WM gespielt und wäre jetzt nicht bei Real Madrid. So einfach ist das", sagte der türkische Nationalspieler in Diensten des FC Bayern der Süddeutschen Zeitung. "Ich kenne ja auch andere Fälle und weiß, dass es heutzutage einfach um die Perspektive geht, um die Frage: Bei welchem Verband kann ich mehr erreichen, wo kann ich mich besser entwickeln? Fußball ist manchmal eine Herzensangelegenheit, aber viel öfter einfach Business."

Sechs kennt jeder

Philipp Lahm, eigentlich vielgefragter Ersatz-Kapitän, bekleidete diesmal auf dem Podium eher eine Nebenrolle. Besonders freut sich der Rechtsverteidiger aber auf die Stimmung im Berliner Stadion, das aufgrund der zahlreichen türkischen Anhänger möglichweise eine gewisse Auswärtsspiel-Atmosphäre mit sich bringen werde. "Für uns Spieler ist das egal, wir hoffen nur, dass viele Zuschauer kommen und dass auf den Tribünen Fairplay herrscht", so der 26-Jährige, der in der besagten DFB-Umfrage eine von sechs Personen im DFB-Team ist, die neben Joachim Löw, Michael Ballack, Lukas Podolski, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger einen 100-prozentigen Bekanntheitsgrad aufweist.

Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Joachim Löw, Michael Ballack und Mirolsav Klose
Die bekanntesten Gesichter des DFB-Teams: Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Joachim Löw, Michael Ballack und Mirolsav Klose.
© picture-alliance

Zum Ausklang der Veranstaltung, bei der auch zahlreiche türkische Medienverteter vor Ort waren, gab es noch eine ansatzweise sportliche Frage: Wie ist denn nun der Ausfall von Bastian Schweinsteiger zu kompensieren? "Es ist natürlich schade, dass Bastian ausfällt. Ich denke, Sami Khedira wird dann viel Verantwortung tragen. Wer neben ihm spielt, weiß ich auch noch nicht", sagte Özil, der mit Khedira neuerdings für die Königlichen spielt.

Nach Ehrungen beim Bundespräsidenten für Spieler und Trainer, zahllosen Kommentaren zum Thema Integration wird es Zeit, dass am Freitag der Ball wieder rollt.

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 06.10., 16:28 Uhr
Özil: "Alle sind sehr stolz auf mich!"
Kein Spiel wie jedes andere: Mesut Özil tritt am Freitagabend in Berlin mit dem DFB-Team gegen die Türkei an - dem Herkunftsland seiner Eltern. Der in Gelsenkirchen geborene Mittelfeldmann betonte aber auf der DFB-Pressekonferenz noch einmal, dass es für ihn nie in Frage gekommen wäre, für eine andere Nation zu spielen. Seine türkischen Freunde seien jedenfalls sehr stolz auf ihn.
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06.10.10
 
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zum Thema

weitere Infos zu Lahm

Vorname:Philipp
Nachname:Lahm
Nation: Deutschland
Verein:Bayern München
Geboren am:11.11.1983

weitere Infos zu Özil

Vorname:Mesut
Nachname:Özil
Nation: Deutschland
Verein:Real Madrid
Geboren am:15.10.1988

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