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29.07.2010, 09:59

In der Schiedsrichteraffäre fordert Amerell Schadensersatz

Theo Zwanziger stellt sich wieder zur Wahl

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger (65) wird auf der Präsidiumssitzung des Verbandes am Freitag seine Kandidatur für eine weitere Amtsperiode auf dem Bundestag in Essen (21./22. Oktober) erklären. Definitiv bestätigen wollte Zwanziger das gegenüber dem kicker nicht, doch er räumt ein: "Die Tendenz ist da."

Theo Zwanziger, DFB-Präsident
Der Präsident tritt zur Wiederwahl an: Dr. Theo Zwanziger.
© picture-allianceZoomansicht

Am Wochenende hatte bei den Zwanzigers der Familienrat getagt. Frank und Ralf, die Söhne, empfahlen dem Vater, nicht mehr anzutreten. Inge Zwanziger, die Ehefrau, ist anderer Auffassung, und dieser schließt sich Theo Zwanziger an.

Die Frauen-WM 2011 in Deutschland ist das schöne Ereignis, das den präsidialen Vorkämpfer des Frauenfußballs am Weitermachen reizt. Nach den vor einer Woche erfolgten Vertragsverlängerungen mit Bundestrainer Joachim Löw und seinem Stab sowie Manager Oliver Bierhoff sieht er, auch in eigener Sache, "eine Grundlage für die nächsten drei Jahre". Zumal in diesem Zusammenhang der Streit um die Zuständigkeit für die U 21 zugunsten von Sportdirektor Matthias Sammer entschieden wurde. "Und ich will auch einen starken Matthias Sammer", sagt Zwanziger.

Baustelle Schiedsrichteraffäre

Die offene Baustelle "Schiedsrichteraffäre" aber ist es, die Zwanziger geradezu zu einer erneuten Kandidatur aufruft, nachdem er im Umgang mit diesem Fall nicht gerade glücklich operiert hat.

Diese Affäre hat eine neue Zuspitzung erfahren zwei Tage vor der Präsidiumssitzung. Am Mittwoch ist den 19 Mitgliedern des Präsidiums, den insgesamt 38 Repräsentanten der Regional- und Landesverbände sowie des Ligaverbandes ein 24 Seiten starker Schriftsatz von Rechtsanwalt Jürgen Langer zugegangen, der die Interessen des früheren Schiedsrichterausschuss-Mitglieds Manfred Amerell vertritt. In diesem dem kicker vorliegenden Schreiben stellt Amerell "gegen- über dem Deutschen Fußball-Bund e. V. materielle und immaterielle Schadensersatzansprüche". Jedes Mitglied des Präsidiums wird mit Frist per 2. August aufgefordert, "diese Schadensersatzansprüche anzuerkennen".

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"Die gesamte Angelegenheit ist sowohl dem DFB (...) als auch seinem Präsidenten von Beginn an völlig aus dem Ruder gelaufen", heißt es in dem Schreiben. Erwähnt wird auch die Schadensersatzklage gegen den früheren Bundesligaschiedsrichter Michael Kempter mit einem Gegenstandswert in Höhe von 150 000 Euro.

"Fakten, Wahrheiten, Lügen"

Dem dreiseitigen Anschreiben liegen 21 Seiten bei, in denen über die Zwischenzeilen "Fakten, Wahrheiten, Lügen" Schilderungen unter anderem über die Beziehungen zwischen Amerell und Kempter gelistet werden. Beigefügt sind überdies Ausdrucke aus der Singlebörse flirt-fever über "sexuelle Ausrichtungen" und vieles mehr.

Da die DFB-Präsidiumsmitglieder einzeln zur Anerkennung von Schadensersatzansprüchen aufgefordert sind, könnte die schmutzige Affäre einen breiten Rahmen auf der Sitzung am Freitag einnehmen.

Und ein neuer Fall liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft, nachdem ein Schiedsrichter sieben Kollegen angeklagt hat, die ihn bei einem Lehrgang im Saarland sexuell missbraucht und das gefilmt hätten. Er hätte sich, da betrunken, nicht wehren können.

R. Franzke, T. Roth

29.07.10
 
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