Menezes hatte Carlos Dunga nach dem enttäuschenden Aus im Viertelfinale der WM 2010 in Südafrika abgelöst. Doch nachdem die Seleção im Sommer in London Olympia-Gold verpasst hatte, war der 50-Jährige immer stärker in die Kritik geraten. Schon bei der Copa America war das Team leer ausgegangen, scheiterte nach einem katastrophalem Elfmerschießen im Viertelfinale gegen Paraguay.
Am Donnerstag hatte er sich noch lobend und zufrieden über die Leistung seiner Mannschaft nach dem Sieg über Argentinien im binationalen "Superclasico"-Turnier geäußert. Unter seiner Regie fuhren die Brasilianer 27 Siege bei sieben Niederlagen und sechs Unentschieden ein.
Menezes hatte die "Kanarienvögel" eigentlich bis zum WM-Titel im eigenen Land coachen sollen. Das ambitionierte Projekt des eigenwilligen Übungsleiters geriet jedoch ins Stocken. Der weitestgehende Verzicht auf beliebte Stars wie Kaka und Ronaldinho und fehlende Ergebnisse ließen nun die Verantwortlichem im Verband nervös werden. 2014 steht Brasilien als Gastgeber quasi in der nationalen Pflicht, mindestens den sechsten WM-Titel einzufahren. Die Frage, die nun ganz Brasilien bewegt: Wer darf bei der Seleçao ans Ruder?
Als mögliche Nachfolger werden Tite (Corinthians São Paulo), Muricy Ramalho (Santos FC) und der derzeit vereinslose Ex-Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari gehandelt. Alle drei erfüllen zumindest formal eine der Schlüsselqualifikationen, die CBF-Funktionär Andres Sanchez auf einer Pressekonferenz einforderte: Der neue Mann soll zwingend Brasilianer sein!
Vielleicht ist der brasilianische Verband aber auch mit einem spanischen Pass zufrieden. Denn laut der im Land des WM-Gastgebers beliebten Sport-Gazette "Lance" hat Ex-Barça-Coach Pep Guardiola seinen Hut in den Ring geworfen: "Das einzige Team der Welt, bei dem ich schon morgen als Trainer anfinge, ist die brasilianische Seleção. Und ich würde mit Brasilien Weltmeister." Es gibt sicher schlechtere Bewerbungsschreiben.
Volkes Stimme steht bereits hinter dem Spanier. Eine Blitz-Umfrage eines Fernsehsenders ergab mit 68,5 Prozent großen Zuspruch für Guardiola und auch Idol Ronaldo zeigte sich angetan: "Er ist heute der beste Trainer der Welt. Er hat eine super Arbeit bei Barcelona geleistet und wäre ein großer Name. Man muss jetzt sehen, ob die Fans ihn akzeptieren."
Prinzipiell muss sich Guardiola um eine zukünftige weniger Gedanken machen. Der frühere Mittelfeldspieler des FC Barcelona wird nicht nur mit der Seleçao in Verbindung gebracht, sondern scheint auch Wunschkandidat beim FC Chelsea oder dem AC Mailand zu sein. AC-Mailand-Boss Silvio Berlusconi hat Kontakte zum spanischen Erfolgscoach bestätigt. "Wer würde nicht gern Guardiola als Trainer haben? Ich habe es auch unserem Coach Massimiliano Allegri gesagt. Wir bemühen uns um Guardiola, doch es wird schwierig sein, denn auch englische Klubs wollen ihn, wo er Freunde hat", sagte Berlusconi vor dem Ligaduell gegen Tabellenführer Juventus Turin.
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