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15.03.2019, 18:15

Früherer Bundestrainer sieht viel Arbeit für die DFB-Elf

Klinsmann: "Vielleicht der Preis für den WM-Titel"

Vor den Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, LIVE! auf kicker.de) in Wolfsburg gegen Serbien sowie am 24. März in Amsterdam gegen die Niederlande sieht Jürgen Klinsmann den deutschen Fußball in einem tiefen Loch. "Wo sind wir jetzt?", fragte der ehemalige Nationaltrainer im Rahmen einer Medienrunde im Hauptstadt-Studio von RTL in Berlin-Mitte, "jetzt sind wir am Boden. Und wir müssen sehen, dass wir da schnellstmöglich wieder rauskommen. Und das bedeutet viel Arbeit."

Jürgen Klinsmann
Sieht viel Arbeit auf die DFB-Elf zukommen: Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann.
© imagoZoomansicht

Der Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996, der für RTL in diesem Jahr bei mindestens sieben Länderspielen der Deutschen als Experte fungieren wird, ist der Ansicht, dass sich beim DFB-Team "seit dem WM-Gewinn 2014 ein Gefühl der Zufriedenheit und des Besitzstand-Denkens" eingeschlichen hat. "Der Sport ist ein Wettbewerb, und jede Geschichte wird neu geschrieben."

In seine Zustandsbeschreibung bezieht der 54-Jährige nicht nur die Nationalmannschaft und deren enttäuschendes Abschneiden bei WM und Nations League mit ein, sondern auch die Bundesliga-Klubs, die - speziell in diesem Jahr - mit Ausnahme von Eintracht Frankfurt in Champions League und Europa League enttäuscht haben. Schon vor zwei, drei Jahren habe man in Fußball-Deutschland Diskussionen geführt, was in der Champions League und der Europa League mit den deutschen Klubs los sei, "und jetzt ist es noch schlimmer geworden. Eintracht Frankfurt hat das Gesicht noch ein bisschen gerettet. Bei einem Klub wie Inter Mailand so aufzutreten, das war Super-Klasse. Aber es kann nicht nur eine Mannschaft sein, die übrig bleibt", stellt Klinsmann klar.

Klinsmann: "Du musst dich immer an der Konkurrenz orientieren"

Um wieder die Kurve zu kriegen, empfiehlt der 54-Jährige den Blick über den Tellerrand hinaus. "Du musst dich immer an der Konkurrenz orientieren", sagt der einstige Weltklasse-Stürmer, "den Franzosen, den Holländern, die auch ein Loch hatten. Du schaust, was die Spanier machen - und die Engländer. Die Engländer etwa haben seit Jahren in allen Bereichen wahnsinnig viel gearbeitet." In Deutschland dagegen sei man "genügsam mit dem Brasilien-Ereignis" gewesen, "und vielleicht zahlen wir jetzt den Preis dafür".

Ich kann nur hoffen, dass die Absage an die drei nicht endgültig ist. Ich würde die drei immer in meiner Nähe behalten.Jürgen Klinsmann über Boateng, Hummels und Müller

Den von Joachim Löw am Freitag bekannt gegebenen Kader nennt Klinsmann "sicherlich ein Zeichen eines Neubeginns". Vor allem mit Blick auf die jüngste Ausbootung des Bayern-Trios Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels. "Jetzt sind wir alle gespannt, in welcher Form dieser Neuanfang stattfinden wird. Welche Energie die Mannschaft bringt, welchen Enthusiasmus die Spieler haben und wie sie auftreten." Es ginge auch darum, mit wie viel Hingab und Feuer die Mannschaft agiere, welchen Fußball sie spiele. Denn in einem ist sich Klinsmann sicher: "Qualität ist es immer noch eine sehr hohe."

Thomas Müller, Mats Hummels, Jerome Boateng (v.r.)
Von Joachim Löw aussortiert: Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng (v.r.).
© Getty Images

Toni Kroos, Manuel Neuer, Marc-André Ter Stegen oder auch Spieler wie Antonio Rüdiger oder Joshua Kimmich sieht Klinsmann als Führungsspieler des neuen Teams, ebenso wie Marco Reus. Dass der mit 29 ein Hoffnungsträger ist und gleichzeitig Müller, Boateng und Hummels aussortiert wurden, erachtet Klinsmann als Teil des Jobs. "Bei allem, was du tust, wie du einen Kader benennst, wirst du immer Widersprüche haben", betont Löws Vorgänger, "ich kann nur hoffen, dass die Absage an die drei nicht endgültig ist. Ich würde die drei immer in meiner Nähe behalten." Klinsmann rät, das Bayern-Trio als Option zu betrachten, falls es aus Verletzungs- oder Formgründen eventuell Bedarf gebe.

Zum Thema Stil bei der Ausmusterung der drei Bayern-Profis wiederum könne er nichts sagen, so Klinsmann, "letzten Endes ist es seine Entscheidung, die muss man akzeptieren." Zum ebenfalls viel diskutierten Thema Zeitpunkt sagt der Wahl-Kalifornier indes: "Der Zeitpunkt für eine negative Botschaft ist nie gut. Dafür gibt es keinen. Jogi hat für sich das Gefühl entwickelt und zieht das jetzt durch." Das erhöhe natürlich den Druck auf Löw. "Mit jeder Personalentscheidung hast du mehr Gesprächsstoff - bei den Fans und in den Medien."

"Es liegt an Jogi und seinem Team, die Signale zu setzen"

Bei aller Notwendigkeit, einen Umbruch einzuleiten, stand und steht für Klinsmann eine Position nicht zur Disposition: die des Bundestrainers selbst. "Diskussionen gibt es immer, wenn Misserfolg da ist - bei jedem Klub, bei jedem Land", betont er, "Gott sei Dank ist der DFB dieser Tendenz mal nicht gefolgt. Jogi hat es allemal verdient, diesen gravierenden Auftritt in Russland zu korrigieren. Dass man sich selbst damit noch mehr unter Druck setzt, ist ganz normal. In der Qualifikation und beim Endturnier will Fußball-Deutschland wieder zur Crème de la crème gehören." Auf die beiden anstehenden Spiele ist Klinsmann "sehr gespannt. Wir alle hoffen auf eine Reaktion und Signale. Es liegt an Jogi und seinem Team, die Signale zu setzen."

Klinsmann selbst wird derzeit keinen Trainerjob bei einem Klub annehmen. Zumindest so lange seine Tochter noch auf dem Weg zum Abitur ist. "Wenn sie das Abitur durch hat und dann an die Uni geht, dann kann auch irgendwann wieder ein Verein infrage kommen." Klinsmann freut sich jetzt erstmal bei RTL "auf eine schöne Aufgabe, mal wieder nah dran zu sein".

Andreas Hunzinger

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Joachim Löw strebt nach der enttäuschenden WM und dem Abstieg in der Nations League den Umbruch an. Die WM-Helden Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller gehören für die kommenden Aufgaben nicht mehr dem Kader an. Neue Spieler bekommen zukünftig die Chance.
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