Bayerns Rechtsverteidiger überzeugt auf der Sechs

Kimmich: "Gegen Peru habe ich mehr riskiert"

Nationalelf - 10.09. 19:45

Joshua Kimmich hat gegen Frankreich und Peru seine Chance auf der Sechs genutzt und sich bei Joachim Löw als Dauerlösung im defensiven Mittelfeld empfohlen. Der kicker beurteilte beide Leistungen mit der Note 2,5. Nach dem 2:1-Sieg gegen Peru sprach der 23-Jährige über den Neustart nach der WM und seine Rolle auf dem Platz.

Überzeugt als Sechser in der Nationalmannschaft: Bayern Münchens Rechtsverteidiger Joshua Kimmich. © imago

Herr Kimmich, wie bewerten Sie nach den Länderspielen gegen Frankreich und Peru den Neustart der Nationalmannschaft?

Gegen Frankreich haben wir ein ordentliches Spiel gemacht. Wir hatten zwei, drei Torchancen, ansonsten haben wir versucht, defensiv gut zu stehen. Gegen Peru war es ein anderes Spiel, wir kamen ganz gut rein und hatten einige super Chancen, doch Peru hat gleich mit der ersten Kontermöglichkeit getroffen. Wir haben schnell ausgeglichen, sind aber gefühlt etwas unruhig geworden. Alle guten Chancen gingen einfach nicht rein. In der zweiten Hälfte wurde das Spiel ein bisschen wilder, mal hatte Peru eine ganz gute Phase, mal wir - am Ende gewinnen wir durch ein glückliches Tor. Aber das ist mir im Endeffekt egal, die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben und mit einem positiven Gefühl zu den Vereinen zurückkehren.

Sie spielen jetzt endlich auf Ihrer Wunschposition im defensiven Mittelfeld. Wie haben Sie Bundestrainer Joachim Löw überzeugt?

Ich habe ihn nicht überredet, er kam auf mich zu und meinte, dass er mich da aufstellen möchte. Das war natürlich eine gute Neuigkeit; ich habe mich sehr gefreut, dass ich die beiden Spiele machen durfte. Ich bin schon wieder heiß, wenn es nächsten Monat weitergeht. Schon oft habe ich betont, dass ich natürlich auch gerne rechts hinten spiele, niemals würde ich mich gegen eine Position wehren, wenn ich in der ersten Elf stehen darf. Wichtig ist, dass die Mannschaft weiß, dass ich auf der Sechs und rechts hinten helfen kann.

War die Umstellung schwer?

Es ist schon ein anderes Anforderungsprofil. In den ersten Trainingseinheiten und gegen Frankreich war ich viel auf Sicherheit bedacht. Aber wenn man diese Position zwei-, dreimal spielt und ab und zu trainiert, bekommt man ein besseres Gefühl für den Raum und eine größere Sicherheit.

Sollte sich Ihr Vereinstrainer Niko Kovac ein Best-of-Video von Ihren Länderspielen auf der Sechs anschauen?

So viele Spiele habe ich auf dieser Position ja noch nicht gemacht, da gibt es nicht viele Best-of-Szenen. (schmunzelt) Ich denke, dass ich im Verein weiterhin rechts hinten spielen werde.

Wo sehen Sie bei sich persönlich noch Verbesserungsbedarf?

Gegen Frankreich war ich eher auf Sicherheit bedacht, darauf, dass wir defensiv gut stehen. Mit dem Ball habe ich mir nicht so viel zugetraut und viel quer und nach hinten gespielt. Dieses Spiel war einfach auch anders, gegen Peru habe ich mehr riskiert. Es hat nicht alles geklappt, ein paar Bälle in die Tiefe kamen nicht an, da ist auf jeden Fall Verbesserungspotenzial vorhanden. Auch bei den zweiten Bällen kann ich noch präsenter sein, aber ansonsten war es ganz ordentlich. Nach so einer langen Zeit habe ich mich einfach mal wieder gefreut, da zu spielen.

Toni Kroos meinte, er hätte in der Nationalelf gerne einen Casemiro-Typ an seiner Seite, mit Philipp Lahm wurden sie schon öfter verglichen. Mit wem würden Sie sich vergleichen?

Mit beiden Spielern nicht. In der Karriere kommen oft Vergleiche, aber das ist nur von außen. Man selbst vergleicht sich mit gar keinem, weil man seinen eigenen Weg gehen und zeigen möchte, dass man etwas drauf hat - man möchte nicht im Schatten eines anderen stehen.

Aufgezeichnet von: Julian Franzke

weitere News und Hintergründe