Was sich der Innenverteidiger nach der WM "definitiv" vorwirft

Hummels: "Löw hat sogar gewonnen"

Nationalelf - 06.09. 10:13

Hat Joachim Löws umfassende Selbstkritik Autorität gekostet? Ganz im Gegenteil, meint Mats Hummels im kicker-Interview. Auch er persönlich hat Konsequenzen aus der WM gezogen - und wirft sich eine Sache "definitiv" vor.

Findet im kicker klare Worte: Mats Hummels. © Getty Images

Zu viel Wucht? Das war eigentlich nicht das Problem der deutschen Nationalmannschaft in Russland. Abgesehen von dieser 87. Minute im dritten Gruppenspiel gegen Südkorea. "Dieser Kopfball hat mich verfolgt", sagt Mats Hummels im kicker-Interview (Donnerstagausgabe) über seine längst berühmte Torchance nach Mesut Özils Flanke. Seine Erklärung im Nachhinein: "Ich glaube, ich wollte viel zu viel Wucht in diesen Ball reinbringen, die aus dieser Distanz gar nicht nötig war." Er habe versucht, "den Ball mit 100 km/h reinzuschädeln".

Doch allein deswegen ist Weltmeister Deutschland nun nicht ausgeschieden bei der WM 2018. Bundestrainer Joachim Löw hat seine Fehler - allen voran seine riskante Ballbesitz-Doktrin und die fehlende Leidenschaft in der Mannschaft - ausgiebig in der Öffentlichkeit beschrieben. Hat er damit nicht Autorität bei seinen Spielern eingebüßt?

"Nein, ganz im Gegenteil", widerspricht Hummels. "Jogi Löw hat bei uns Spielern auf keinen Fall an Autorität verloren. Ein Trainer, der eigene Fehler eingesteht, gewinnt bei einer Mannschaft sehr viel an Kredit und Stellenwert, diese Erfahrung habe ich gemacht. Der Bundestrainer hat bei der Mannschaft überhaupt nichts von seinem Stellenwert verloren, er hat sogar gewonnen."

Löw "wird von der Mannschaft das Richtige auf dem Platz zurückbekommen"

Dass Löw vor den Medien fast alle Schuld auf sich nahm, werde ihm die Mannschaft danken, glaubt Hummels vor dem Nations-League-Auftakt gegen Frankreich heute Abend (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de). "Wir wissen, was wir an diesem Bundestrainer haben, wie unglaublich gut er die Nationalmannschaft geführt hat, seit 2006 allein und davor als Co-Trainer: Er wird von der Mannschaft das Richtige auf dem Platz zurückbekommen."

Und welche Konsequenzen hat Hummels selbst aus der WM gezogen? "Die sportlichen Probleme, die wir auf dem Platz hatten und die ich sah, habe ich zwar angesprochen, aber ich hätte sie deutlich vehementer ansprechen müssen. Das werfe ich mir definitiv vor", räumt er ein. Allerdings will er dabei künftig auf die richtige Form achten.

"Ich führe mir vor Augen, wie wirkt das jetzt bei diesem Spieler, wenn ich mit meinen 1,90 Metern gestikulierend und schreiend dastehe."

Mats Hummels

"Ich habe mit Mitspielern gesprochen, um zu erfahren, wie es gesehen wird, wenn ich mich äußere. Das ist der erste Punkt, an dem ich ansetze: Ich führe mir vor Augen, wie wirkt das jetzt bei diesem Spieler, wenn ich mit meinen 1,90 Metern gestikulierend und schreiend dastehe", so Hummels. "Ich meine es gar nicht so böse, aber die Wirkung kann ganz anders sein. Ich habe gelernt, das ist definitiv der Fall. Deshalb möchte ich dafür sorgen, dass sich andere nicht mehr von mir vor den Kopf gestoßen fühlen."

Warum er beim Thema Özil nicht Klartext sprach, warum Lahms Kritik an Löws Stil am Thema vorbeigeht und welcher Neuer ihn besonders beeindruckt: Lesen Sie das große Interview mit Mats Hummels am heutigen Donnerstag im kicker!

jpe

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