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29.08.2018, 15:58

Kommentar von Oliver Hartmann

Löws Neuanfängchen: Viele Worte, wenig Botschaften

Wo ist der wortreich angekündigte Umbruch? Beim Auftritt von Joachim Löw und Oliver Bierhoff in München wirkt vieles halbherzig - vor allem die personellen Entscheidungen. Ein Kommentar von kicker-Chefreporter Oliver Hartmann.

Joachim Löw und Oliver Bierhoff am Mittwoch in München
Mehr "weiter so" als "alles neu": Joachim Löw und Oliver Bierhoff am Mittwoch in München.
© picture allianceZoomansicht

Uli Hoeneß meinte am Dienstagabend in der Allianz-Arena, er halte "überhaupt nichts davon, vor den Medien eine Alibi-Veranstaltung zu machen, um den tollen Hecht zu spielen". Diese Ausrichtung hatte die erste öffentliche WM-Analyse von Joachim Löw und Oliver Bierhoff am Mittwoch an selber Stelle wahrlich nicht, vor allem der Bundestrainer zeigte sich in der Rückschau bemerkenswert selbstkritisch. Aber die über acht Wochen nach dem historischen Vorrunden-Aus und damit viel zu spät erfolgte Aufarbeitung des Debakels brachte trotz der Überlänge von fast zwei Stunden kaum neue Erkenntnisse.

Und die verkündeten personellen Konsequenzen sowohl im Kader als auch im Team hinter dem Team sind so marginal, dass sie nicht als Initialzündung für den wortreich angekündigten Umbruch taugen. Stellvertretend für diese Halbherzigkeit steht die Entscheidung, Thomas Schneider als Co-Trainer abzusetzen, um ihn sogleich als Leiter der Scouting-Abteilung wieder anzudocken und dem bislang dort installierten Urs Siegenthaler eine "übergeordnete Rolle" im Scouting zu übertragen. Das klingt mehr nach "weiter so" denn nach "alles neu".

Löw hält auch jetzt weiter an seiner Weltmeister-Riege fest

Gleiches gilt für die Zusammenstellung des Kaders für den Auftakt in der Nations League am 6. September in München gegen Frankreich und das Testspiel drei Tage später in Sinsheim gegen Peru. Löw nominierte in Thilo Kehrer, Kai Havertz und Nico Schulz zwar drei Neulinge. Aber in erster Linie hält er an seiner in die Jahre gekommenen Weltmeister-Riege fest, obgleich diese Nibelungentreue ein Grund fürs Scheitern in Russland war. Aus dem Kader von 2014 strich Löw lediglich Sami Khedira und auch dies mit dem Hinweis, dass dies zunächst auf den Moment beschränkt und keine Grundsatzentscheidung sei. 17 Spieler aus dem 23-Mann-Kader waren auch in Russland dabei.

kicker-Chefreporter Oliver Hartmann
kicker-Chefreporter Oliver Hartmann
© kicker

Bei der ersten Pressekonferenz seit der Rückkehr aus Russland präsentierten sich Löw und Bierhoff wie schon zuvor gegenüber dem DFB-Präsidium und den Bundesliga-Managern entschlossen. Und zumindest Löw ließ in der WM-Analyse auch klare Selbstkritik erkennen, als er einräumte, er habe mit seinem auf totalen und hochriskanten Ballbesitzfußball ausgerichteten Spielstil aufs falsche Pferd gesetzt und obendrein in der Mannschaft nicht das richtige WM-Feuer entfachen können. Beides liege in seiner Verantwortung, wie er richtigerweise anmerkte.

Bierhoff zeigt sich eher trotzig denn einsichtig

Wie er bei eben diesen Spielern wieder Leidenschaft, Begeisterung und Teamgeist wecken will, ließ er jedoch im Unklaren. Dass er seinen Führungsstil grundlegend ändert, ist nicht zu erwarten. Löw setzt weiter auf Kommunikation und Vertrauen, nicht auf eine harte Linie und Kontrolle. Und auch der eher trotzig denn einsichtig wirkende Bierhoff ließ in der Frage, wie der zunehmenden Entfremdung zwischen Nationalmannschaft und Basis entgegengewirkt werden soll, keinen Kurswechsel erkennen. Der anmaßende Begriff "Die Mannschaft", von Bierhoff nach dem WM-Erfolg 2014 kreiert, bleibe vorerst bestehen. Da wolle er sich "nicht von Stimmungen und Stimmen leiten lassen". Es wäre angebracht, wenn Bierhoff und Löw künftig mehr auf eben diese Stimmungen und Stimmen achten. Es hätte ihnen eine fatale Fehleinschätzung in der Causa Mesut Özil erspart.

Der Neubeginn in der Nationalmannschaft ist gemacht, aber es war eher ein Neuanfängchen mit vielen Worten und wenig konkreten Botschaften.

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 29.08., 16:59 Uhr
"Absoluter Tiefschlag" - Löws analytische Selbstkritik
Das erste Mal nach dem historischen Erstrunden-Aus in Russland spricht der Bundestrainer - über seine größten Fehler, arrogantes Auftreten und die "Causa Özil".
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118 Leserkommentare

BorisPasternak
Beitrag melden
06.09.2018 | 16:49

Und was soll bei einer Fußballmannschaft an der Bezeichnung "Mannschaft" falsch sein ????

Soll sie sich Rentnertruppe nennen ? Oder Schwalbenkönige ? Oder Millionarios ? Oder was ? Soweit ich [...]
hl1984
Beitrag melden
06.09.2018 | 13:20

Die Mannschaft

Unser lieber Bundestrainer ist beratungsresistent. Wie eh und jeh. Nominiert einen Hector, gibt ihm [...]
BorisPasternak
Beitrag melden
05.09.2018 | 22:03

Die Antwort an den Vorredner lautet....

....Nein. Von Özil käme nichts dergleichen, was man von Modric gesehen hat. Özil hat nach Meinung eines [...]
Zinfandel
Beitrag melden
04.09.2018 | 11:17

wer sollte es denn besser machen

An die Jogi Kritiker geht diese Frage! Was gab es für einen Aufruhr als Jogi Löw Leroy Sane nicht nominiert [...]
Hundertmark1954
Beitrag melden
03.09.2018 | 14:45

Autorität

Die Autorität von Löw ist doch im Eimer !!! Was ist ein Trainer wert, der kaum noch Autorität hat?
V[...]

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