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05.09.2017, 09:46

Versöhnliches Spiel in Stuttgart - Löws Taktik klappt

Gomez: "Gänsehaut" für Konkurrent Werner

Sechs Tore, drei umjubelte Rückkehrer und ganz viel Liebe: Das WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen in Stuttgart geriet für die deutsche Nationalmannschaft zu einem 90-minütigen Besuch in der Wohlfühloase. Zum Mann des Spiels wurde beim 6:0 (4:0)-Erfolg ausgerechnet ein Spieler, der zuletzt selbst vom eigenen Anhang ausgepfiffen wurde: Doppeltorschütze Timo Werner.

Timo Werner und Mario Gomez
Frühere Stuttgarter Stürmer unter sich: Timo Werner und Mario Gomez.
© imagoZoomansicht

Joachim Löw erhob sich von seinem Sitz, breitete die Arme aus und brüllte fast in den Presseraum des Stuttgarter Stadions: "Um Gottes willen ..." Wer in diesem Moment den Saal betrat, der musste denken, die Stimmung sei gereizt. Doch Löws Lächeln nur Millisekunden nach seinem Ausruf enttarnte seine Schauspielerei. Die Empörung über die Systemfrage eines Journalisten war gespielt, die Laune bestens.

"Wir haben hier in Stuttgart erlebt, wie schön Fußball sein kann. Wie viel Spaß so ein Abend machen kann. Es war eine tolle Stimmung und ein sehr, sehr tolles Publikum", schwärmte Löw regelrecht von der Atmosphäre in der ausverkauften Stuttgarter Arena, die einen kaum größere Kontrast zu den hässlichen Vorkommnissen beim 2:1 über Tschechien am vergangenen Freitag hätte bilden können. Wo in Prag deutsche Anhänger die Bühne missbrauchten, um "Sieg Heil"-Rufe anzustimmen, den DFB zu beschimpfen und in Timo Werner sogar einen eigenen Spieler massiv zu beleidigen, gab es in Stuttgart vor allem eins zu beobachten: viel, viel Liebe.

So wurde ebenjener Werner, der seit seiner Schwalbe im Leipziger Bundesliga-Spiel auf Schalke eine Reizfigur für viele Fans ist, bei seiner Rückkehr in seine frühere Heimat Stuttgart schon vor seinem ersten von zwei Treffern mit Sprechchören gefeiert. "Ich habe Gänsehaut bekommen, als ich das gehört habe", gab sein Sturm-Konkurrent Mario Gomez anschließend zu, während Doppel-Vorbereiter Thomas Müller verriet, Werner habe damit gar nicht richtig umgehen können, so ungewohnt sei die Situation für ihn gewesen.

Sportlich hatte sich der Stürmer davon allerdings nichts anmerken lassen. Wie die gesamte deutsche Mannschaft zelebrierte Werner gegen hoffnungslos überforderte Norweger technisch starken und fast durchgängig zielstrebigen Offensivfußball. "Deutschland hat die beste Angriffsmannschaft der Welt", sagte Norwegens Nationaltrainer Lars Lagerbäck nach der höchsten Niederlage seiner internationalen Karriere anerkennend. Seine Mannschaft habe daher einen "relativ harten Abend" durchlebt. Trösten durfte sich Lagerbäck damit, dass Löw als fairer Gastgeber die friedliche Stimmung des Abends nicht stören wollte und die norwegische Ordnung lobte. Von der war diesmal allerdings nur wenig zu sehen gewesen.

Löw ändert die Taktik: "Wir brauchen einen Plan A und einen Plan B"

Den deutschen Spielern und Offiziellen war das nur recht. Sie genossen die Wohlfühlatmosphäre in Stuttgart in vollen Zügen - und zeigten eine wesentlich ansprechendere Leistung als zuletzt in Tschechien. Aus fünf Weltmeistern und sechs Confed-Cup-Siegern (Draxler gewann beides) hatte Löw seine Startelf diesmal geformt, angeordnet in einer 4-2-3-1-Grundordnung - dem vor Russland lange praktizierten System. Eine Kehrtwende weg vom beim Confed-Cup erfolgreich einstudierten 3-5-2 wollte Löw darin nicht erkennen. "Es ist wichtig, dass wir zwei unterschiedliche Systeme spielen können. Wir brauchen einen Plan A und einen Plan B."

Gegen Norwegen hätte es vermutlich auch mit Plan C oder D funktioniert, so sehr gingen die Norweger auf Sicherheitsabstand. Es war ein leichtes für die deutschen Offensivkünstler um die glänzend auflegten Mesut Özil, Julian Draxler, Toni Kroos, Müller und Werner, sich nach Belieben durch die norwegischen Ketten zu kombinieren und teils herrliche Treffer zu erzielen. Den Torreigen eröffnete Özil mit Links (10.). Sieben Minuten später legte Draxler nach einer starken Körperdrehung nach, bevor Werner erst mit dem Fuß (21.), dann per Kopf den Spielstand weiter in die Höhe schraubte (40.). Im zweiten Durchgang trafen dann noch - ebenfalls nach schönen Angriffen - die Joker Leon Goretzka (50.) und Gomez (79.).

Stuttgart feiert seine ehemaligen Schützlinge

Bereits früh goutierte das dankbare Stuttgarter Publikum die überzeugende Vorstellung der deutschen Elf mit Szenenapplaus und der La Ola, bevor es dazu überging, einen Teil der insgesamt sechs Nationalspieler mit Stuttgarter Vergangenheit hochleben zu lassen: Erst Werner, später dann auch Sami Khedira und Gomez - noch so ein Spieler, dem von im DFB-Trikot von den Fans in der Vergangenheit nicht immer vollste Zuneigung vermittelt wurde.

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 05.09., 08:58 Uhr
Hummels: "Gas gegeben, gutes Spiel, tolle Stimmung"
Die deutsche Nationalmannschaft setzte gegen Norwegen in der WM-Qualifikation ein deutliches Ausrufezeichen: 6:0 und eine spielerische sehr ansprechende Leistung. Entsprechend zufrieden waren die Löw-Schützlinge nach dem Spiel in Stuttgart: "Wir wollten die Zuschauer von Anfang an mitnehmen", sagte Mats Hummels, "wir haben Gas gegeben, es war eine tolle Stimmung im Stadion."
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"Mich freut es natürlich doppelt, wie ich hier aufgenommen wurde", sagte der sportliche wie emotionale Matchwinner Werner später, bevor er sich in sein Stuttgarter Elternhaus aufmachte, "mit den zwei Toren hat es zusätzlich gut gepasst. So konnte ich den Fans auch noch etwas zurückgeben."

Es passte also alles für die deutsche Nationalelf und seine Fans an diesem Montag. Daran konnte auch die trotz des achten Sieges im achten Spiel noch nicht gänzlich perfekte WM-Qualifikation nichts ändern. Am 5. Oktober kommt es nun zum Top-Spiel der Gruppe C gegen Nordirland in Belfast. Dort dürfte die Aufgabe für Löws Elf wieder etwas schwieriger werden. Der Zweitplatzierte kassierte in der gesamten Qualifikationsrunde nur halb so viele Tore wie Norwegen am Montag in der ersten Hälfte: zwei - beide gegen Deutschland.

Matthias Dersch

WM-Qualifikation Europa, 2016/17, 8. Spieltag
Deutschland - Norwegen 6:0
Deutschland - Norwegen 6:0
Flutlicht an

Mercedes-Benz-Arena, Stuttgart: Mats Hummels & Co. treffen am 8. Spieltag der WM-Quali auf Norwegen.
© picture alliance

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18 Leserkommentare

Sonnenloewe
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06.09.2017 | 10:13

"der wm titel war über die jahre pflicht und natürlich."

wow - was für eine großkotzige Aussag[...]
Boom77
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06.09.2017 | 10:13

Timo Werner

Vielleicht warten wir einfach ab, bis der Junge mal ein großes Turnier und noch die ein oder andere [...]
retiled
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05.09.2017 | 23:39

@gonozal 05.09.17, 12:03

wirklich! was wurde denn geändert? sagen sie doch mal was dazu. anhand nur eines kleinen bespiels. sie [...]
Sonnenloewe
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05.09.2017 | 23:35

@Acalando

und welche Fehler haben sie in ihrem LEben gemacht, den man ihnen vorhalten darf??[...]
retiled
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05.09.2017 | 23:35

@ Gonozal 05.09.17, 12:03

was hätte sein können, wenn....?
wenn dieser zappelphilipp während einiger spiele nicht an der aussenlin[...]

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weitere Infos zu Ti. Werner

Vorname:Timo
Nachname:Werner
Nation: Deutschland
Verein:RB Leipzig
Geboren am:06.03.1996

weitere Infos zu Löw

Vorname:Joachim
Nachname:Löw
Nation: Deutschland
Verein:Deutschland


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