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08.12.2015, 18:51

Frischer Wind und neue Berührungspunkte für den DFB

Weise: "Das hat riesige Chancen, der Kracher zu werden"

Am 16. November trat Markus Weise seinen Posten als Leiter Konzeptentwicklung der neuen DFB-Akademie an. Drei Wochen später, am 7. Dezember, sprach der frühere Hockey-Nationaltrainer der Männer und Frauen über seinen Wechsel zum Fußball und die bevorstehenden Herausforderungen. Bis Ende 2018 soll auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn die Akademie entstehen.

Markus Weise
Möchte ungenutzte Potenziale freisetzen: Markus Weise.
© picture allianceZoomansicht

Im Foyer der DFB-Zentrale im Frankfurter Stadtwald steht in einer Vitrine eine Miniatur-Version der geplanten Akademie, die ein bisschen freudlos aussieht mit ihren in sterilem Weiß gefärbten Einzelteilen. Markus Weises Aufgabe ist es, mit Ideen und Visionen Farbe in das wegweisende Projekt des deutschen Fußballs zu bringen. DFB-Sportdirektor Hansi Flick hatte den 52-Jährigen erstmals Ende Juli kontaktiert, um die grundsätzliche Bereitschaft eines Wechsels vom Hockey zum Fußball abzuklopfen. Er stieß auf offene Ohren. Schon 2012 hatte Weise sich die Frage gestellt, was er mal mit Mitte 50 machen, ob er bis zur Rente Hockeytrainer bleiben wird. In dieser, "seiner" Sportart hatte er so ziemlich alle Erfolge gefeiert: 2004 wurde er Olympiasieger als Trainer der Damen-Nationalmannschaft, 2008 und 2012 wiederholte er diesen Triumph mit den Herren. Hinzu kommen weitere große Siege, Welt- und Europameistertitel. Im Fußball würde sich ein Coach mit dieser Vita auf Augenhöhe mit einem Mann wie Vicente del Bosque bewegen, der als spanischer Nationaltrainer über Jahre hinweg eine Vorreiterrolle im Weltfußball innehatte.

Auf den Erstkontakt folgten weitere Gespräche, auch mit Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff. Nur einen Tag nach seiner Rückkehr von der Hockey-EM in London, am 31. August, stellte sich Weise einem Auswahlverfahren (Assessment Center), das aus fünf Interviews bestand, auch ein Gespräch mit McKinsey-Beratern zählte dazu. "Zwei Tage später rief Oliver Bierhoff an und sagte, dass es losgehen kann, wenn ich will", erinnert sich Weise.

Flick lobt Weise als Trainer und Stratege

Doch was macht einen Erfolgstrainer aus dem Hockey für den DFB so interessant? "Hansi Flick hat ganz bewusst jemanden von außerhalb des Fußballs gesucht", sagt Weise. Er spricht vom Mut, "sich zu öffnen, freier zu denken". Der DFB-Sportdirektor erklärte im Rahmen der Verpflichtung: "Markus ist ein exzellenter Trainer und Stratege. Gemeinsam wollen wir die beste Infrastruktur, modernste Wissenschaft und Technologie in der Akademie vereinen, um auch in der Zukunft Erfolg entwickeln zu können."

Mitte November bezog der gebürtige Mannheimer, dessen Familie weiterhin in Hamburg wohnt, als Flicks rechte Hand sein neues Büro im zweiten Stock der DFB-Zentrale. Fragt man ihn nach den Arbeitsabläufen, fällt auffällig oft der praxisfern klingende Begriff "Modul". Weise erklärt: "Es gibt drei Bereiche: Nationalmannschaft, Aus- und Weiterbildung sowie Innovation und Entwicklung. Sie sind untergliedert in 16 Module wie Teammanagement oder Fußballlehrerausbildung, eine bunte, breit gefächerte Mischung. Das gehört alles unter das Dach der Akademie. All diese Module durchlaufen einen Strategieprozess mit Hilfe von McKinsey."

Weise möchte vernetzen

Anschließend sollen, so Weise, die einzelnen Fachbereiche miteinander vernetzt werden. Als Beispiel dafür wählt er die Schiedsrichter-Gilde. "Die sitzen auf ihrer einsamen Insel und machen ihr eigenes Ding. Warum muss ein Schiedsrichter-Lehrgang so aussehen, dass sie in einem Raum sitzen, irgendwelche Videoszenen anschauen und gesagt bekommen, dass ihre Körpersprache gut ist? Man könnte sie durchaus an die U-Mannschaften ankoppeln. Wenn die Junioren einen Lehrgang machen, könnten die Schiedsrichter Trainingseinheiten und Trainingsspiele pfeifen, hinterher tauscht man sich aus. Das wäre ein Beispiel für Vernetzung auf der sportpraktischen Ebene", erläutert Weise.

Akribische Planung und Geduld

Die Ambitionen sind groß, das wird im Gespräch immer wieder deutlich: "Wir wollen Wettbewerbsvorteile generieren." Neben der akribischen Planung ist Geduld eine wichtige Tugend. "Das ist ein langfristiges Projekt, das vielleicht erst in zehn Jahren seine volle Durchschlagskraft entfalten wird. Aber das Ding hat riesige Chancen, der Kracher zu werden", meint der zweifache Familienvater zuversichtlich. Stichwort Fußballlehrer-Ausbildung: "Derzeit haben wir mit Klopp nur einen deutschen Trainer in den internationalen Top-Ligen. Warum sind es nicht fünf oder zehn? Es ist schon angedacht, dass die Fußballlehrer-Ausbildung, die bereits ein sehr hohes Niveau hat, noch ein bisschen höher geht - mit dem Ziel, dass Fußballlehrer auch international um die Stellen konkurrieren können." Auch eine spezielle Ausbildung für Bundesliga-Manager soll im Rahmen der Akademie Realität werden, "da gibt es ein Modul. In dieser Richtung wird etwas passieren", kündigt Weise an. So könnten clevere und ehrgeizige Spieler schon während ihrer aktiven Profi-Karriere für die Zeit danach geschult und aufgebaut werden.

Im Spiel ohne Ball kann man noch 20 oder 30 Prozent Leistungspotenzial herauskitzeln.Markus Weise

Berührungspunkte mit dem Fußball hatte Weise bereits früher, er nahm an mehreren Trainerkongressen teil, "und ich habe immer schon viel Fußball geguckt". Das spürt man. Wenn man dem Hockey-Ass beim Referieren über die Entwicklung des Fußballs und taktische Feinheiten zuhört, könnte man glatt vermuten, dass er seit jeher mit einem runden Leder unter dem Kopfkissen schläft. "Man kann viele Dinge vom Hockey auf den Fußball übertragen, umgekehrt genauso. Beim Gegenpressing kann man zum Beispiel viele Verhaltensweisen eins zu eins übertragen", sagt der Projektleiter. Seine Erkenntnis: "Im Austausch zwischen den Sportarten geschieht viel zu wenig." Beim DFB solle er deshalb neue Ideen und Perspektiven einbringen. "Wir haben alle unsere Muster und blinden Flecken, sind in unserem eigenen Saft, das lässt sich praktisch gar nicht verhindern", meint der BWL-Absolvent.

Markus Weise
Kennt die Taktiktafel schon vom Hockey: Markus Weise.
© imago

Dem oft als verkrustet beschriebenen DFB soll er deshalb frischen Wind in die Segel blasen. Weise sieht im Fußball noch einige ungenutzte Potenziale. "Im Spiel ohne Ball etwa kann man noch 20 oder 30 Prozent Leistungspotenzial herauskitzeln", teilte er schon bei seinem Amtsantritt auf der Verbandswebsite mit. Mit Blick auf die Nachwuchsförderung in den Klubs erklärt Weise exemplarisch: "Beim VfB Stuttgart müssen aus der Talentpyramide jedes Jahr zwei, drei, vier absolute Granaten herauskommen, die der Manager sofort für seinen Lizenzkader verpflichten will." Ähnlich hatte er sich schon vor über acht Jahren, am 13. August 2007, im kicker geäußert: "Wenn sich der Fußball irgendwann mal von seinem Kastendenken verabschiedet, dass jemand Stallgeruch haben muss, um gut zu sein, dann wird man aus der riesigen Talentmaschinerie, die es in Deutschland gibt, ganz andere Möglichkeiten ausschöpfen können."

Nun erhält Weise die große Chance, etwas zu ändern, Impulse zu setzen und den deutschen Fußball in eine noch erfolgreichere Zukunft zu führen.

Julian Franzke

 

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