Gegenüber dem klaren 3:0-Erfolg über Kamerun vertraute Trainer Horst Hrubesch Zieler im Tor, Mielitz musste weichen. Zudem spielten Sven Bender, Kempe und Vrzogic an Stelle von Vrancic, Aydilek (Gelb-Rot-Sperre) und Schäffler. Nigeria sicherte sich durch einen 5:0-Kantersieg den dritten Platz in der Vorrundengruppe B hinter Venezuela und Spanien. Dennoch stellte Trainer Samson Siasia auf drei Positionen um: Für Aluko, Fatai und Adejo durften Ohawuchi, Ighalo und Haruna von Beginn an ran.
Beide Mannschaften begannen verhalten, Fehlervermeidung war zunächst Trumpf. Deutschland war etwas aktiver und um Spielkontrolle bemüht, während die Nigerianer gute technische Ansätze und zeitweise ein recht ansehnliches Passspiel zeigten. Allerdings fehlte es hüben wie drüben zunächst an Präzision beim finalen Zuspiel, so dass es in der tempoarmen Anfangsphase kaum Torraumszenen gab. Lediglich Sukuta-Pasu (4.) sowie Ighalo auf der Gegenseite (11.) sorgten für etwas Abwechslung.
Mit zunehmender Spieldauer bekamen die Nigerianer Oberwasser, allerdings agierten sie häufig zu verschnörkelt und konnten die deutsche Abwehr somit kaum vor ernsthafte Probleme stellen. Die Hrubesch-Schützlinge waren gut geordnet und ließen kaum etwas anbrennen. Nicht so in der 32. Minute, als Jungwirth eine Hereingabe von rechts gerade noch zur Ecke klären konnte. Bei dieser kam Ighalo zum Abschluss, der Kapitän schoss aber rechts daneben. In der Offensive konnte Deutschland kaum überzeugen, dennoch ergab sich kurz vor der Pause für Sukuta-Pasu die bis dato beste Gelegenheit, der Leverkusener scheiterte mit seinem wuchtigen Kopfball aber an der erstklassigen Reaktion von Nigerias Schlussmann Okafor (42.).
Kurz nach Wiederanpfiff wurde es allerdings gleich richtig turbulent: Zuerst vertändelte Holtby am eigenen Sechzehner den Ball gegen Osanga, der sofort von rechts an den zweiten Pfosten zu Uchechi flankte. Dieser hatte dann wenig Mühe aus kurzer Distanz einzunicken (51.). Lange währte die Freude der Nigerianer aber nicht, denn gerade einmal 60 Sekunden später gab's die passende Antwort: Kopplin wurde von Sven Bender gut in Szene gesetzt. Der Münchner zog auf der linken Außenbahn auf und davon und zirkelte die Kugel aus zehn Metern ins lange Eck. Keeper Okafor sah dabei nicht gut aus, er hatte auf einen Querpass spekuliert.
Das Spiel nahm nun deutlich an Fahrt auf, Nigeria drückte, Deutschland konterte. Und das gar nicht schlecht, so passte der eingewechselte Kaptan in die Gasse zu Sukuta-Pasu, doch Okafor spielte wieder einmal exzellent mit und rettete (59.). Fünf Minuten danach wurde es aber ganz bitter für die DFB-Elf: Bei einem Duell traf Kempe Ohawuchi am Fuß, der Schiedsrichter wertete das als rotwürdig und stellte den Bremer vom Platz. Kurz darauf gingen die Nigerianer zudem noch erneut in Führung: Orelesi setzte zum Solo an und ließ dabei zwei deutsche Verteidiger stehen. Schließlich passte er zu Ibrahim, der mit einem sehenswerten Drehschuss aus 16 Metern ins rechte Eck traf (69.).
Alles sprach demnach für die Afrikaner, doch Deutschland bewies Moral und schlug in Unterzahl erneut zurück: Kopplin setzte sich wunderbar im Strafraum durch und legte dann zurück in die Mitte. Dort kam der nur drei Minuten zuvor eingewechselte Vrancic angerauscht und zimmerte den Ball aus elf Metern ins linke Eck (76.). In der Folge zogen sich die Deutschen zurück und versuchten über Konter zum Erfolg zu kommen. Die Kräfte ließen allerdings nach, die "Super Eagles" drängten auf die Entscheidung. Uchechi schoss aber drei Minuten vor dem Ende knapp über den Querbalken.
In der Nachspielzeit führte dann eine Ecke der Nigerianer zum Siegtreffer des Hrubesch-Teams. Haruna verlor das Spielgerät an Kopplin, der danach zum 60-Meter-Sprint ansetzte. Er umkurvte zuerst Nwankwo und ließ dann auch Okafor mit einem Schuss aus 16 Metern ins rechte untere Eck keine Chance (90.+3). "Solche Spiele gewinnt man nur, wenn man sie unbedingt gewinnen will. Ich muss meinen Spielern ein Kompliment machen, denn sie haben in Unterzahl eine sensationelle Energieleistung gebracht", hatte ein glücklicher Hrubesch nach dem Spiel nur Lob für seine Jungs parat.
Deutschland trifft nun im Viertelfinale am kommenden Samstag um 16.30 Uhr in Kairo auf Brasilien, das sich eindrucksvoll mit 3:1 gegen Uruguay durchsetzte.
| Deutschland |
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| Nigeria |
Rote Karten |
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Gelbe Karten |