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23.11.2017, 19:39

Wie Amateurvereine von Profi-Debüts profitieren

Nachwuchsförderung: 1,23 Milliarden Euro für die NLZs

Am Donnerstag lud die DFL zu einem Hintergrundgespräch zum Thema Nachwuchsförderung im Profifußball ein. Dabei kamen einige interessante Zahlen und Fakten auf den Tisch. So investierten die Profiklubs bislang 1,23 Milliarden Euro in die zur Saison 2001/02 eingeführten Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Seit dieser Saison können auch verstärkt Amateurvereine profitieren, wenn ein von ihnen ausgebildeter Spieler im Profifußball zum Einsatz kommt.

Die Nachwuchsförderung bleibt ein hehres Ziel.
Die Nachwuchsförderung bleibt ein hehres Ziel.
© imagoZoomansicht

Auch gut 17 Jahre nach dem Debakel bei der EM 2000 muss der deutsche Fußball froh sein, dass sich die Nationalelf mit ihrem antiquierten Fußball damals nicht irgendwie durch das Turnier mogelte, sondern krachend in der Gruppenphase scheiterte. Das jämmerliche Bild, das die Nationalmannschaft unter Teamchef Erich Ribbeck abgab, führte zu einer Zäsur im deutschen Fußball. Es setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Ausbildung und Förderung des Nachwuchses bestenfalls stiefmütterlich behandelt wurde. Als leuchtendes Vorbild galt damals Frankreich.

Am 28. Februar 2001 beschloss der Ligaverband die Einführung von Nachwuchsleistungszentren als Voraussetzung für die Lizenzerteilung. Ab der Spielzeit 2001/02 mussten die Erstligisten, ein Jahr später auch die Zweitligisten ein NLZ nachweisen, für die es seither zunehmend höhere infrastrukturelle und personelle Anforderungen gibt. Zuletzt gab es 2014 eine größere Neuanpassung der Richtlinien. Weitere kleinere Entwicklungsschritte sind geplant, so soll beispielsweise künftig auch ein Sportpsychologe Vollzeit beschäftigt werden.

Seit der Saison 2007/08 werden die Akademien von der belgischen Agentur Double Pass zertifiziert. Andreas Nagel, DFL-Direktor Sport und Nachwuchs, berichtet, dass inzwischen über drei Viertel der Erstligisten die maximale Anzahl von drei Sternen für ihre NLZs erhalten haben. 60 bis 70 Lizenzspieler gehen jährlich aus den NLZs hervor; Spieler, die von Amateurklubs direkt in den Profifußball stoßen, gibt es praktisch nicht mehr. Derzeit werden von den 36 Profiklubs laut Nagel 5600 Spieler in 279 Mannschaften (U12 bis U23) ausgebildet. Insgesamt gibt es 54 NLZs, was auch darauf zurückzuführen ist, dass Zweitligaabsteiger ihre Leistungszentren zum Teil weiterbetreiben. Um eine gute schulische Ausbildung zu ermöglichen, bestehen inzwischen 110 Schulkooperationen, zudem gibt es 40 sogenannte Eliteschulen des Fußballs. "Da ist man auf einem sehr guten Weg", meint Nagel.

Interessant ist ein Blick auf die teils sprunghaft gestiegenen Investitionen in die NLZs. Steckten die Klubs 2002/03 47,85 Millionen Euro in den Nachwuchs, waren es vergangene Spielzeit bereits 163,38 Millionen Euro - insgesamt flossen seit 2002 1,23 Milliarden Euro in die NLZs. Die Nachwuchsförderung schlägt sich auch im gesunkenen Durchschnittsalter der Bundesligaspieler nieder, so senkte sich der Altersschnitt von 27,09 Jahren (Saison 2001/02) auf 24,5 (aktuelle Saison). Das Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler liegt aktuell bei 26 Jahren, 17,2 Prozent der eingesetzten Spieler sind 21 Jahre oder jünger (zum Vergleich: Frankreich 18 Prozent, Spanien 10,2 Prozent, Italien 8,6 Prozent, England 8 Prozent).

Interessante Neuerungen in diesem Jahr

Mit Blick auf die Honorierung der Nachwuchsförderung gibt es seit dieser Saison einige interessante Neuerungen, die Ansgar Schwenken, DFL-Direktor Fußball-Angelegenheiten und Fans, erläuterte. Mit dem neuen Fernsehvertrag wurde der Schlüssel zur Verteilung der daraus resultierenden Einnahmen geändert. Neu ist, dass zwei Prozent der nationalen TV-Gelder an jene Klubs ausgeschüttet werden, die Local Player einsetzen, die jünger als 23 Jahre sind. Die exakte Honorierung richtet sich nach den Einsatzminuten. Der ausgeschüttete Betrag steigert sich von in dieser Saison 20 Millionen Euro in den nächsten Jahren schrittweise auf 28 Millionen Euro. "Das macht gut 90 Euro pro Einsatzminute aus, also über 8000 Euro pro 90 Minuten", erklärt Schwenken, verweist aber darauf, dass der genaue Betrag natürlich davon abhänge, wie viele Local Player am Ende tatsächlich eingesetzt werden. Der Richtwert orientiert sich an den Erfahrungen der letzten Jahre.

Eine weitere Neuerung ist vor allem für die Amateurvereine spannend. Bislang schüttete die DFL jährlich eine Million Euro an jene Klubs aus, die einen frisch mit einem Profivertrag ausgestatteten Spieler in den vorangegangenen fünf Jahren ausgebildet hatten. Davon profitierten die Profi-Klubs, nicht aber die Amateurvereine, bei denen die Profis einst ihre ersten Schritte als Fußballer machten. "Das haben wir grundsätzlich geändert", sagt Schwenken und erklärt: "Ab dieser Saison sind in dem Topf um die vier Millionen Euro.

Die Zahlung richtet sich an alle Klubs, die den Spieler seit dem sechsten Lebensjahr ausgebildet haben." Für die Spielzeiten zwischen dem sechsten und elften Geburtstag werden jeweils 4200 Euro fällig, anschließend sind es bis zum maximal 21. Geburtstag pro Jahr 5400 Euro. Um die Zahlung zu aktivieren, müssen zwei Kriterien erfüllt werden: Der neue Lizenzspieler darf nicht älter als 23 Jahre sein und muss in dieser Saison erstmals in einem Meisterschaftsspiel zum Einsatz kommen.

Einige Amateurvereine dürfen sich somit auf einen warmen Geldsegen freuen. Wenn beispielsweise ein Spieler von seinem sechsten Lebensjahr an im Verein Fußball spielt und mit 14 Jahren in ein NLZ geht, erhält der entsprechende Amateurverein 36.000 Euro (sechsmal 4200 Euro und zweimal 5400 Euro). "Es brannte uns schon länger unter den Fingern, das grundsätzlich zu verändern" bekräftigt Schwenken.

Ein Ärgernis bleibt indes bestehen: Amateurvereine werden nur dann für die Ausbildung belohnt, wenn ein Spieler auch tatsächlich in der 1. oder 2. Liga zum Einsatz kommt. Bei zahllosen Spielern, die jedes Jahr von den Profiklubs für ihre NLZs abgeworben werden, gehen die Vereine leer aus.

Julian Franzke

 

kicker

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