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12.07.2015, 18:58

Interview mit dem Stuttgarter Offensivmann

Werner: "Jeder weiß, um was es geht"

Er war der unermüdliche Antreiber der deutschen U19 gegen die Niederlande. Timo Werner rannte, kämpfte, legte ab und erarbeitete sich selbst einige gute Torchancen. Nur der Ball wollte nicht rein - bis zur 89. Minute, als Niederlandes Torwart Drommel seinen Schuss erneut abwehrte, gegen Ginaluca Rizzos Abstauber aber chancenlos war. Durch den 1:0 Sieg hat die Mannschaft von Marcus Sorg gegen Russland an diesem Montag (20 Uhr, LIVE! bei kicker.de) ein weiteres Endspiel - um den Einzug ins Halbfinale der Europameisterschaft in Griechenland.

Stuttgarts Timo Werner
Schlüsselspieler gegen die Niederlande: Stuttgarts Timo Werner.
© imagoZoomansicht

Im Interview mit dem kicker spricht der Stürmer über die mangelhafte Chancenverwertung, den starken Gegner Russland, einen Spruch von Ex-Trainer Huub Stevens und die Umstellung vom Abstiegskampf mit dem VfB Stuttgart auf das Turnier mit der Nationalmannschaft.

kicker: Herr Werner, am Montag steht gegen Russland das nächste Endspiel für die deutsche U19 an. Siegen oder fliegen - wie wollen Sie die Aufgabe angehen?

Timo Werner: Genauso wie gegen die Niederlande, das war auch schon ein Endspiel für uns. Da hat man gesehen, dass wir es können. Wenn wir noch die eine oder andere Torchance mehr verwerten, hätten wir gegen die Niederlande schon 3:0 oder 4:0 gewonnen. Wenn wir so spielen und alles geben, bin ich sicher, dass wir gewinnen können.

kicker: Sie haben die zahlreichen Chancen angesprochen. Sie hatten welche, Luca Waldschmidt auch, Leroy Sané schoss aus 10 Metern Abwehrspieler Lartey Sanniez auf der Linie an. Sind Sie zwischenzeitlich verzweifelt?

Werner: Verzweifelt kann man nicht sagen, aber es war schon nervenaufreibend. Wir haben das Tor unbedingt gebraucht und, dass es dann in der 89. Minute fällt, war für alle Beteiligten genug Aufregung für den Tag und auch die Erlösung. Das hätten wir uns alle ersparen können. Nach zehn Minuten hätten wir eigentlich schon 2:0 führen müssen.

kicker: War der Torwart so stark oder fehlte eher die letzte Konsequenz im Abschluss?

Werner: Auf der einen Seite hatte der Torwart einen guten Tag. Aber auf der anderen Seite glaube ich, dass durch den Druck, gewinnen zu müssen, mit zunehmendem Spielverlauf auch eine gewisse Nervosität da war. Die hat sich wahrscheinlich gerade vor dem Tor niedergeschlagen. Zum Glück haben wir am Schluss das Tor gemacht. Denn bei einer EM zählt nur der Sieg und nicht, wer wann wie viele Tore macht. Jetzt freuen wir uns, gegen Russland ums Halbfinale spielen zu dürfen.

kicker: Bei dem intensiven Torjubel wurde Torschütze Gianluca Rizzo vom Team begraben. Man merkte allen die riesige Erleichterung an. Wie groß war bei Ihnen der Glaube an den Lucky Punch in den letzten Minuten, nachdem das Tor wie vernagelt schien?

Oh je, vielleicht soll es heute einfach nicht sein.Timo Werner über die vergebenen Chancen gegen die Niederlande

Werner: Drei Minuten vor dem Tor hatten wir noch eine große Doppelchance, als der Torwart erst meinen Schuss hält und dann gegen Cueto auf der Linie geklärt wird. An diesem Punkt habe ich gedacht, oh je, vielleicht soll es heute einfach nicht sein. Aber im Endeffekt haben wir nochmal eine Chance bekommen und hochverdient gewonnen.

kicker: Russland hat mit dem 3:1 gegen Spanien ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Wie erwarten Sie diesen Gegner?

Werner: Wir werden vom Trainer genau eingestellt. Jeder weiß, um was es geht und, dass Russland in unserem Jahrgang U-17-Europameister geworden ist. Sie haben also keine schlechte Mannschaft. Wenn bei uns aber jeder sein Potenzial abruft, werden wir gegen Russland gewinnen.

kicker: Sie persönlich steckten mit dem VfB Stuttgart ein Jahr lang im harten Abstiegskampf. Helfen Ihnen jetzt die Erfahrungen aus den Drucksituationen, als es um die Existenz ging?

Werner: Das ist eine andere Situation. Hier entscheidet ein Spiel, im Abstiegskampf war es die Strecke, die letzten vier, fünf Spiele. Da konnte man sich noch einen kleinen Ausrutscher erlauben. Hier muss es auf den Tag genau stimmen. Nur am Anfang der Gruppenphase, wie gegen Spanien, konnte man sich noch einen Ausrutscher erlauben. Jetzt gilt für uns ein Spruch von meinem ehemaligen Trainer Huub Stevens. Er hat vor den letzten drei Spielen gesagt, jetzt kommt das Viertel-, dann das Halbfinale und dann das Finale. Russland ist unser Viertelfinale. So wollen wir an die Partie rangehen.

kicker: Am Ende der Saison kamen Sie in Stuttgart nur noch als Joker. Wie groß war die Umstellung nun wieder in der Startelf, noch dazu als einzige Spitze, Verantwortung in der Nationalmannschaft zu tragen?

Werner: Gar nicht groß. Dadurch, dass wir Urlaub hatten, konnte ich mich ganz gut von der Saison erholen. Klar habe ich am Ende nicht mehr so oft gespielt, aber die Umstellung geht schnell. Mir macht's Spaß hier zu spielen und es wird mir auch wieder Spaß machen, später in den Verein zu kommen. Hoffentlich mit einem Titel. Das würde uns alle beflügeln. Von daher ist es nur positiv, wenn wir hier Erfolge sammeln.

Interview: Carsten Schröter

12.07.15
 
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weitere Infos zu Ti. Werner

Vorname:Timo
Nachname:Werner
Nation: Deutschland
Verein:RB Leipzig
Geboren am:06.03.1996