
kicker: Hallo, Herr Todt! Am Wochenende spielt Werder Bremen gegen Freiburg. Sie haben für beide Vereine gespielt. Wem drücken Sie die Daumen?
Jens Todt (40): Das ist natürlich eine schwere Entscheidung für mich. Ich wünsche mir, dass Werder eine erfolgreiche Saison spielt. Natürlich wünsche ich mir aber auch, dass Freiburg drin bleibt. Außerdem benötigen sie die Punkte dringender. Ich drücke also eher dem SC Freiburg die Daumen.
kicker: Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?
Todt: Ja, von jeder Station gibt es einige Leute mit denen ich auch heute noch in Kontakt stehe. Ich bin zum Beispiel noch eng mit Marco Bode befreundet. Und da gibt es noch einige mehr, wie Mirko Votava, Martin Spanring oder Jörg Schmadtke, mit denen ich regelmäßig telefoniere.
kicker: Sie sind nun seit Februar Nachwuchsleiter beim VfL Wolfsburg. Zuvor haben Sie die gleiche Tätigkeit beim HSV ausgeübt. Liegt Ihnen die Jugend besonders am Herzen?
Todt: Ja, das kann man schon so sagen. Das ist eine tolle und reizvolle Aufgabe. Ob ich in diesem Bereich aber noch in zehn Jahren arbeite, weiß ich heute nicht. Momentan macht mir dieser Job aber großen Spaß.
kicker: Gehen die Nachwuchsspieler heute professioneller an ihre Tätigkeit als noch vor 20 oder 25 Jahren? Oder ist eher das Gegenteil der Fall?
Todt: Die Spieler sind heute wesentlich professioneller als zu meiner Zeit. Das ist definitiv so. Sie bekommen vom Leistungszentrum einen durchdachten Plan. Es ist also heute alles viel strukturierter. Sie müssen häufiger trainieren und auf sehr viel verzichten, wenn sie weiter kommen wollen. Was die Jungs hier leisten ist schon enorm.
kicker: Ist es heute also schwerer Profi zu werden?
Todt: Zu meiner Zeit war es auch schwer. Wir haben damals kein modernes Leistungszentrum zur Verfügung gehabt. Dadurch werden Schwächen viel schneller erkannt und die Nachwuchsspieler können individuell verbessert werden. Andererseits hatten wir damals auch größere Freiheiten. Es ist heute also auf eine andere Art und Weise schwer.
kicker: Wären sie mit den modernen Leistungszentren ein noch besserer Spieler geworden?
Todt: Nein, das glaube ich nicht. Man muss einfach immer weiter an sich arbeiten. Ich bin zufrieden, wie es damals gelaufen ist.
kicker: Sie haben nach ihrem Karriereende und einem kurzzeitigen Engagement als Scout dem Fußball zunächst den Rücken gekehrt. Für zwei Jahre haben Sie als Journalist für den "Spiegel" gearbeitet. Wollten Sie vom Fußballgeschäft nichts mehr wissen?
Todt: Ich habe diesen ganz klaren Schnitt damals einfach gebraucht. Außerdem habe ich mich schon immer für den Journalismus interessiert. Beim Spiegel habe ich mich unter anderem mit Kriminalfällen befasst, was sehr spannend war. Ich habe diesen Job sehr gerne gemacht. Aber die Lust am Fußball kam dann halt doch irgendwann wieder.
kicker: Beim Angebot des HSV haben Sie dann zugesagt. Können Sie ohne Fußball also doch nicht leben?
Todt: Es sieht so aus. Ich hatte aber in meinem Leben nie einen Karriereplan und es gibt viele spannende Sachen, die man machen kann. Daher weiß ich nicht, was ich in sieben oder acht Jahren mache.
kicker: Was möchten Sie in drei Jahren über Ihre Nachwuchsarbeit beim VfL Wolfsburg lesen?
Todt: Ganz sicher möchte ich lesen, dass Spieler, die bei uns ausgebildet wurden, dann als Profis erfolgreich sind. Darauf kommt es bei meinem aktuellen Job ja an.
kicker: Welches Nachwuchstalent bei Wolfsburg wird als Nächstes den Sprung zu den Profis schaffen?
Todt: Wir haben jetzt schon einige Jungs, denen ich eine Profikarriere zutraue. Aber ich möchte ganz bewusst keine Namen nennen.
kicker: Wird einer davon schon nächste Saison im Profikader zu sehen sein?
Todt: Warten wir's mal ab.
kicker: Beim HSV sind Sie nach nur einem Jahr in der Nachwuchsabteilung gegangen. Was hat dort nicht gepasst?
Todt: Ich habe die Gründe damals intern mitgeteilt und um eine Auflösung meines Vertrages gebeten. Nachdem Dietmar Beiersdorfer den Verein verlassen hatte, gab es plötzlich eine neue Arbeitskonstellation. Dadurch hat sich meine Situation ganz klar verschlechtert. Wenn man solch eine Aufgabe macht, muss man aber auch das Vertrauen des Vorstandes haben.
kicker: Sie wurden damals für das EM-Finale 1996 nachnominiert. Später haben Sie einmal erzählt, dass bei einem Einbruch in ihr Haus ihre Goldmedaille gestohlen wurde. Ist diese zwischenzeitlich wieder aufgetaucht?
Todt: Nein, leider nicht. Wenn aber jemand weiß wo sie ist, dann gibt's einen ganz großen Finderlohn von mir.
Interview: Sandro Kratt