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28.09.2018, 11:20

Der Rekordtorschütze der Serie A

Italiens akrobatischer WM-Garant: 105 Jahre Piola

Was das Toreschießen angeht, war und bleibt er im italienischen Fußball das Nonplusultra: Silvio Piola wäre am Samstag 105 Jahre alt geworden. Dabei wurde er nie Meister. Immerhin sorgte Piola dafür, dass die "Squadra Azzurra" als erste Nation den WM-Titel verteidigen konnte - und er beging eine Fußballsünde, ein halbes Jahrhundert vor Diego Maradona.

Silvio Piola
Voller Körpereinsatz: Silvio Piola fand immer einen Weg, den Ball im Tor unterzubringen.
© imagoZoomansicht

Vor einigen Jahren verzückte ein gewisser Zlatan Ibrahimovic die italienischen Fußballstadien, die sonst eher Zweckfußball gewohnt sind, mit spektakulären Tricks und Toren. Zwei Dekaden zuvor hatte sich bereits der große Marco van Basten quer in die Luft gelegt. Auch Cristiano Ronaldo erzielte, sogar gegen den Branchenprimus aus Turin, erst in diesem Jahr einen traumhaften Fallrückzieher-Treffer - doch der Neu-Bianconero musste zu Saisonbeginn feststellen, dass das Toreschießen in Italien gar nicht so einfach ist.

Sechs Tore in einem Spiel

Der Mann, der im italienischen Vereinsfußball die meisten Tore erzielte und der Ursprung aller Akrobatik ist, hieß Silvio Piola. Ein Mittelstürmer, Jahrgang 1913. Aus der Jugend des damaligen Rekordmeisters Pro Vercelli stammend, debütierte er schon 16-jährig in der höchsten italienischen Spielklasse. Im Oktober 1933 schoss er sechs Tore beim 7:2-Erfolg über Florenz, nie gelangen einem Spieler mehr Treffer in einem Serie-A-Spiel. 1934 wechselte Piola zu Lazio Rom, wo er neun Jahre spielen und mit 21 Nationalspieler werden sollte.

Schnörkel nein, Schwalben manchmal

Piola galt als vielseitiger Stürmer mit einer Menge Zug zum Tor. Er lebte von seiner starken Physis, war aber gleichzeitig eine bewegliche, mitspielende Nummer 9. Im Vergleich zu Inter Mailands Giuseppe Meazza agierte Piola zielgerichtet und schnörkellos, jedoch mit Hang zur Akrobatik - und zur Dramatik: Ihm wurde nachgesagt, mit Schwalben Freistöße und Elfmeter geschunden zu haben. Im Nationaltrikot erzielte Piola 1939 gegen England sogar ein Tor mit der Hand, 47 Jahre bevor Argentiniens Weltstar Maradona dasselbe Opfer auswählte.

Italienischer Meister wurde der Lombarde tatsächlich nie, dreimal beendeten Piolas Mannschaften die Saison auf dem zweiten Platz. Dass er trotz der Rekordanzahl von 274 Serie-A-Treffern (vor Francesco Totti, 250 Treffer, der am Donnerstag seinen 42. Geburtstag feierte) "nur" zweimal Torschützenkönig wurde, spricht gleichzeitig für die Konstanz von "Silvio Gol", der in jeder Phase seiner Karriere viele Tore erzielte. Nicht zwingend als Show-Element sondern vielmehr als Überraschungselement perfektionierte er dabei den Fallrückzieher, der in Italien als "Piola-Rückzieher" Bekanntheit erlangte.

Piola hat ein ungeheures Spielverständnis. Es scheint manchmal, als würde der Ball ihn förmlich suchen.Die ungarische Fußballlegende György Sarosi

Ein Doppelpack im WM-Finale

Die italienische Weltmeistermannschaft von 1938.
© Getty ImagesZoomansicht

Auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft war Piola wohl 1938. Bei der dritten Fußball-Weltmeisterschaft avancierte er zum entscheidenden Torschützen der Italiener. Im Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich traf er - wie später auch im Finale gegen Ungarn - doppelt und führte die Azzurri zum Titel. In seinen besten Jahren genoss er in der Presse wie auch unter Kollegen den Ruf als bester Stürmer Europas. Ungarns Ausnahmespieler György Sarosi schwärmte beispielsweise: "Piola hat ein ungeheures Spielverständnis. Es scheint manchmal, als würde der Ball ihn förmlich suchen."

Der Zweite Weltkrieg konnte Piolas Karriere nur kurzzeitig unterbrechen. Nach kurzen Intermezzi bei AC und Juventus Turin ließ er sie beim Zweitligisten Novara Calcio ausklingen, den er in seinem ersten Vertragsjahr direkt ins Oberhaus schoss. Den letzten Auftritt im Nationaltrikot hatte Piola (34 Länderspiele, 30 Tore) im Alter von 39 Jahren.

1996 verstarb der Torjäger 83-jährig, kurz darauf wurden die Stadien in Novara und Vercelli nach ihm benannt. Und auch wenn sonst nicht mehr viel an "Silvio Gol" erinnert - unter einigen Einträgen in den Rekordbüchern des Fußballs steht immer noch sein Name.

nba

 
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