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14.03.2018, 10:49

Ist die Ära von Manchester Uniteds Trainer vorbei?

Ein Abgang, den nur Mourinho hinkriegt

José Mourinho spielt das Champions-League-Aus herunter - kein Wunder: Manchester United hat es dessen Destruktivität zu verdanken. Ist er aus der Zeit gefallen?

José Mourinho
Die anderen jubeln im Old Trafford - José Mourinho glaubt nicht, "dass das etwas Neues für diesen Klub ist".
© Getty ImagesZoomansicht

Er hätte schon gerne gewonnen, aber meine Güte: So ein Spiel kann schon mal vorkommen. "That's football", sagte José Mourinho, als würde er eine x-beliebige Niederlage in der Premier League erklären, als würden die großen Saisonziele ja erst noch kommen. Doch Moment, war das nicht der 13. März? Und war das nicht das Champions-League-Logo im Hintergrund?

Was sich an diesem Dienstagabend auf dem Rasen des Old Trafford abspielte, war schon schwer erträglich für jeden Manchester-United-Fan, doch in dessen Presseraum wurde es anschließend nicht besser: Da saß der Trainer und tat, als sei es das Normalste der Welt, dass Manchester United im Achtelfinale am FC Sevilla gescheitert ist.

"Das ist kein Drama", kommentierte Mourinho das 1:2 im Rückspiel mit dem gleichgültigsten Gesichtsausdruck, der ihm zur Verfügung stand. "Wir spielen am Samstag schon wieder, wir haben keine Zeit, länger als 24 Stunden traurig zu sein." Er habe sein Bestes gegeben, seine Spieler auch. "Wir haben verloren, das ist Fußball."

Bohren im Red-Devils-Herz: Mourinhos unverfrorenes Eigenlob

Genug gebohrt im stolzen Red-Devils-Herz? Gemach! "Ich saß schon zweimal in der Champions League auf diesem Stuhl, nachdem ich United rausgeworfen hatte, einmal mit Porto (2004, d.Red.), einmal mit Real Madrid (2013, d.Red.)", fügte Mourinho nonchalant an. "Also glaube ich nicht, dass das etwas Neues für diesen Klub ist."

Das kriegt eben nur Mourinho hin: das eigene Aus mit dem unverfrorenen Eigenlob zu rechtfertigen, dass es der Klub ja früher gegen ihn auch nicht besser hinbekommen hat. Nur war er diesmal der unterlegene Trainer, und das war vielleicht kein Zufall. Diese beiden Duelle gegen Sevilla haben ihm gezeigt, dass sich der Fußball weiterentwickelt hat, er sich selbst aber nur bedingt.

Mourinhos Taktik ist riskant, besonders atmosphärisch

Beim 0:0 im Hinspiel rettete einzig Keeper David de Gea das 0:0-Wunschergebnis, im Rückspiel kam Mourinho mit seinem destruktiven Ansatz nicht über ein 0:0 bis zur 74. Minute hinaus, ehe alles in sich zusammenfiel. Über 180 Minuten gelangen seiner Elf vier Schüsse aufs Tor - und Sevilla, das in der Gruppenphase nur zweimal gewonnen hatte, ist Fünfter in Spanien mit negativer Tordifferenz und elf Punkten hinter Platz vier. "Mourinho", befand "ESPN", "hat erkennen lassen, dass er als Trainer daran gescheitert ist, sich mit dem modernen Spiel weiterzuentwickeln."

Seine defensive Taktik, der Versuch, das Spiel durch pures Verteidigen zu kontrollieren, ist eben riskant, besonders atmosphärisch: Geht sie auf, wird der kühle Zynismus gefeiert, siehe Juventus Turin gegen Tottenham - siehe ManUnited noch vor vier Tagen beim meisterhaften 2:1 gegen Liverpool. Aber wenn nicht, gibt es keine herrlich herausgespielten Torchancen, an denen man sich hochziehen kann, keine atemberaubenden Kombinationen, die Hoffnung darauf machen, dass es nächstes Mal schon klappen wird. Wenn jedes Gegentor schon fast tödlich ist, ist es auch jeder Fehler. Sevilla reichte am Dienstag ein einziger gut zu Ende gespielter Konter, um das ganze K.-o.-Duell für sich zu entscheiden.

Früher gingen die Spieler für ihn durchs Feuer, heute "verstecken" sie sich

Wo Mourinho einst eine Mauer um seine Mannschaft baute, sie so massiv gegen die Ungerechtigkeit der ganzen Welt zusammenschweißte, dass sie für ihn gerade in den großen Spielen furchtlos durchs Feuer ging, beklagt heute Romelu Lukaku, dass sich "einige Spieler versteckt" hätten; spielt Alexis Sanchez orientierungslos, als trage er immer noch ein Arsenal-Trikot, aber falschherum. Und Mourinho verweist verzweifelt auf Erfolge, die 14 bzw. fünf Jahre her sind. Die Starre, in die Gegner früher in der bloßen Erwartung einer Mourinho-Mannschaft verfielen, gibt es nicht mehr.

Alexis Sanchez
Achtelfinalaus? Das kennt Alexis Sanchez schon: Er wartet noch auf sein erstes überzeugendes Spiel seit seinem Arsenal-Abschied.
© Getty Images

Im Sommer 2016 hatte Englands Rekordmeister, der da schon seit drei Jahren nicht mehr Meister geworden war, Mourinho verpflichtet: Aus dem unattraktiven und erfolglosen Van-Gaal-Fußball sollte unattraktiver, aber erfolgreicher Fußball werden - rund 300 Millionen Pfund investierte United dafür auf dem Transfermarkt.

Ist die Saison zu retten? Oder doch nur ein gut verkleideter Reinfall?

Das Zwischenergebnis: Mourinho lieferte in seiner ersten Saison den Ligapokal und die Europa League ab, in seiner zweiten wohl den Vizemeistertitel und vielleicht ja auch noch den FA Cup (Viertelfinale gegen Brighton am Samstag). Ist das genug? Oder doch nur ein gut verkleideter Reinfall? Ins Champions-League-Viertelfinale war damals sogar David Moyes eingezogen, und der hätte sich nach einer Niederlage wie der gegen Sevilla mal trauen sollen, "That's football" zu sagen.

Sanchez, Lukaku, Rashford, Martial: Mourinho hat eine namhafte, millionenschwere Offensive, mit der sich doch zumindest mal ein ausgereifter Plan B einüben lassen sollte, dem man nicht nur gegen Huddersfield oder Swansea, sondern auch in einem K.-o.-Spiel vertrauen kann, wenn der Gegner nicht gerade Barcelona, Liverpool oder ManCity heißt. Warum nicht mal das Theater der Träume mitreißen? Warum nicht mal frühzeitig den Gegner beeindrucken? Warum nicht mal mutig sein? Eins steht fest: Sevilla wäre überrascht gewesen.

Jörn Petersen

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 14.03., 08:52 Uhr
Mourinho mit United raus - "Nicht das Ende der Welt"
Manchester United ausgeschieden. Die Champions League ist für das Team von José Mourinho vorbei. Außenseiter FC Sevilla sorgt für eine Überraschung. "Es ist nicht das Ende der Welt", so Uniteds Trainer Mourinho.
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31 Leserkommentare

raginhardon
Beitrag melden
15.03.2018 | 14:28

Hat wirklich Spaß gemacht, der Artikel

Ist immer ein Phänomen gewesen, dass dieser ,mit Verlaub, unglaubliche Kotzbrocken es geschafft hat, [...]
FCB_4FR
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15.03.2018 | 14:27

Arroganter Schnösel ...

Jetzt hat er Manchester United schon DREIMAL aus dem Wettbewerb befördert:
Mit dem FC Porto, Real Madr[...]
Kalawrititnov
Beitrag melden
15.03.2018 | 14:22

Eigentlich kommt es selten vor, dass Menschen sich extrem verstellen wenn sie in der Öffentlichkeit [...]
Grobmotoriker25
Beitrag melden
15.03.2018 | 10:15

@rauschberg

also wenn ich deine Kommentare so lese dann bezweifle ich, dass du die Heimspiele vo[...]
Kopperle
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14.03.2018 | 19:00

Haha...der Mourinho...

...er mag ja manchmal ein Kotzbrocken sein...aber alleine dafür, wie er diesen de Boer abgewatscht hat [...]

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weitere Infos zu Mourinho

Vorname:José
Nachname:Mourinho
Nation: Portugal
Verein:Manchester United


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