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05.02.2016, 19:40

Türkei: Strafe wegen "ideologischer Propaganda"

Friedensappell: Naki lange gesperrt

Deniz Naki, ehemaliger Bundesligaprofi des FC St. Pauli, ist in der Türkei für zwölf Spiele gesperrt worden. Naki hatte sich im Kurdenkonflikt für Frieden ausgesprochen, und sich damit nach Meinung des türkischen Fußballverbands Türkiye Futbol Federasyonu (TFF) "ideologischer Propaganda" strafbar gemacht.

Deniz Naki
Deniz Naki bei seinem Abschied vom FC St. Pauli im Sommer 2012.
© imagoZoomansicht

Der in Düren geborene Offensivallrounder spielt seit dieser Saison für den Klub Amed SK in der dritten türkischen Liga. Der Verein kommt aus der kurdischen Stadt Dyiarbakir und sorgte zuletzt im Pokal für Furore: Mit 2:1 gewann Amed im Achtelfinale bei Bursaspor und zog dadurch sensationell in das Viertelfinale ein.

Naki hatte bei dem Auswärtssieg beim türkischen Meister von 2010 das entscheidende zweite Tor erzielt, Treffer Nummer eins ging auf das Konto von Ercan Capar. Für Bursaspor konnte der Belgier Tom de Sutter kurz vor Abpfiff lediglich Ergebniskorrektur betreiben, zuvor hatte der ehemalige Bundesligaakteur Hajime Hosogai (Leverkusen, Augsburg, Hertha) noch die Rote Karte gesehen.

Nach der Partie bezog Naki Stellung zum derzeitigen Konflikt zwischen dem türkischen Militär und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. "Wir haben keine andere Wahl, als zum Frieden aufzurufen", ließ der 26-Jährige über unter anderem über seinen privaten Facebook-Account verlauten. Den Sieg widmete er laut einem Bericht der Zeitung "Die Welt (Online-Ausgabe)" jenen Menschen, "die in dem jüngsten Konflikt getötet oder verletzt wurden".

Damit soll Naki sich des "unsportlichen Verhaltens" schuldig gemacht haben sowie "separatistische und ideologische Propaganda" verbreitet haben. Der TTF belegte ihn daraufhin mit der Rekordsperre von zwölf Spielen. Naki wird damit auch das Viertelfinale gegen Fenerbahce Istanbul - das größte Spiel der Vereinshistorie - verpassen.

Naki wurde bei Bayer Leverkusen ausgebildet und spielte in seiner Jugend für deutsche Auswahlmannschaften. Bei der Werkself konnte er sich aber nicht durchsetzen. Über Rot-Weiß Ahlen kam er zum FC St. Pauli. Am Millerntor erlebte er seine beste Zeit im deutschen Profifußball und kam auf 20 Bundesligaspiele (ein Tor). Anschließend spielte er noch eine Saison beim SC Paderborn, ehe es ihn in die Türkei zog.

kon/sid

05.02.16
 
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