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05.10.2015, 13:45

Neuer Trainer soll noch in der Länderspielpause kommen

Liverpool favorisiert Klopp - Rodgers warnt

Jürgen Klopp befindet sich mitten in seinem Sabbatjahr und war trotzdem am Montagmorgen Aufmacher jeder englischen Sportseite: Der frühere BVB-Coach ist nach der telefonischen Entlassung von Brendan Rodgers der Favorit beim FC Liverpool - gegenüber Mitbewerbern hat er entscheidende Vorzüge.

Jürgen Klopp
Wird er sich mit dem FC Liverpool einig? Jürgen Klopp.
© imagoZoomansicht

Wenn der Blick in die Vergangenheit die Gegenwart noch schmerzhafter macht: Die Probleme, die Borussia Dortmund 2009 beschäftigten, beschäftigen heute den FC Liverpool - nur in anderen Dimensionen. Ein Klub, der einst an Europas Fußballspitze stand, macht zu wenig aus seinen Möglichkeiten, mit der Leidenschaft der Fans kann die auf dem Rasen nicht mehr mithalten. Und wieder soll ein Mann dieses Missverhältnis beheben, der wie kaum ein Zweiter Leidenschaft zu übertragen weiß: Jürgen Klopp.

Der 48-Jährige, der nach seinem Rücktritt bei Borussia Dortmund eigentlich ein Sabbatjahr geplant hatte, ist der Topfavorit auf den Trainerposten beim FC Liverpool. Das hoffen die Fans, das raten die Experten, das berichten die Medien. Auch die seriösen "BBC" und "Guardian" erklären Klopp zur ersten Wahl bei der Suche nach einem Nachfolger für Brendan Rodgers, der am Sonntagabend entlassen worden war. Kurz nach dem 1:1 beim FC Everton erhielt Rodgers den Anruf aus dem Vorstand der "Fenway Sports Group", die den FC Liverpool seit 2010 besitzt. Die Entscheidung, den Trainer während der Länderspielpause zu wechseln, hatte sie bereits vor dem Derby getroffen.

Ancelotti? Ginge es nach mir, würde ich mich um Klopp bemühen. Ich glaube, er hat sich eher zu beweisen.Jamie Carragher

Schon bis zum nächsten Premier-League-Spiel am 17. Oktober bei Tottenham Hotspur wollen die Klubeigner einen Nachfolger gefunden haben. "Die Suche läuft", teilten sie am Sonntagabend mit, begonnen hat sie sicher schon vor einiger Zeit. Klopp sei noch nicht kontaktiert worden, heißt es beim "Guardian", dies stünde aber unmittelbar bevor. Obwohl mit Carlo Ancelotti ein Trainer zu den Kandidaten zählen soll, der schon dreimal die Champions League gewonnen hat, gilt Klopp als Wunschlösung. Und das hat Gründe.

Der FC Liverpool ist in seiner gegenwärtigen Lage kein Klub, der in absehbarer Zeit um den Meistertitel mitspielen wird, der stattdessen kämpfen wird müssen, um die Champions-League-Ränge zu erreichen, der seinen Fans Heimspiele gegen den FC Sion vorsetzen muss statt wie früher welche gegen Real Madrid. Oder wie es der langjährige Vizekapitän Jamie Carragher bei "Sky Sport" sagte: "Liverpool ist kein leichter Job im Moment."

Klopp würde manches bekannt vorkommen

Der LFC, dieser stolze Arbeiterklub, der über Jahre englischer Rekordmeister war, hat seine Identität verloren, zumindest ist sie verschüttet im Moment. In der Epoche nach Steven Gerrard fragen sich viele Fans, wofür ihr Verein eigentlich steht, auf dem Platz und daneben. Klopp könnte das nicht alleine ändern, aber er könnte Impulse setzen, die zuletzt fehlten. Und obwohl es seine erste internationale Station wäre, würde ihm manches bekannt vorkommen.

Die Reds mischen zwar im irrsinnigen Millionenspiel der Premier League munter mit, präferieren dabei aber junge Spieler und suchen nun einen Trainer, der sie weiterentwickeln kann. Und sie suchen einen, der es gewohnt ist, in Transferfragen auch mal überstimmt zu werden. In kaum einem englischen Klub hat der Trainer bei der Kaderzusammenstellung so wenig Mitspracherecht wie in Liverpool, wo dem berüchtigten "Transfer Committee" um Mitbesitzer John W. Henry und Sportdirektor Ian Ayre das letzte Wort gehört. Rodgers stolperte auch darüber, abgeschafft wird es wohl nicht - auch wenn ein "Daily Mail"-Bericht behauptet, Klopp wolle nur kommen, wenn er die volle Kontrolle über die Transfers erhalte.

Der Neuaufbau braucht Zeit - 60 Prozent der Fans würden sie Klopp geben

Das heißt: Der neue Trainer soll mit einer neuen Spielphilosophie neuen Schwung bringen, sich aber in die bestehenden Strukturen fügen. Geht das? "Wenn wir das wiederholen wollen, was wir vor zwei Jahren geschafft haben", warnte Rodgers mit Blick auf die Fast-Meisterschaft 2014 in seiner letzten Pressekonferenz, "dann müssen wir etwas aufbauen. Dafür braucht man Zeit, egal ob ich oder jemand anderes."

Rund 60 Prozent der Teilnehmer an einer "Telegraph"-Umfrage wollen diesen Weg mit Klopp gehen, Ancelotti folgt mit rund 15 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei. "Ancelotti ist natürlich ein großartiger Trainer", sagt Liverpool-Legende Carragher, "aber er ist immer zu Klubs gegangen, wo er Titel erwarten konnte. Ginge es nach mir, würde ich mich um Klopp bemühen. Ich glaube, er hat sich eher zu beweisen."

Echte Liebe hat Klopp in Dortmund vorgefunden, echte Liebe würde er auch an der Anfield Road antreffen: bei den Fans, die den beachtlichen Aufstieg des BVB und seine furiose Champions-League-Saison 2013 nicht vergessen haben, und bei den englischen Medien, die längst von Klopps Charisma kosten durften und jetzt mehr wollen.

jpe

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