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26.03.2014, 12:27

England: Bayern-Gegner am Tiefpunkt

Bruch beim Derby: United-Fans beschimpfen Ferguson

Ein stolzer Klub zittert vor der Champions League: In der Nacht, in der Bayern München seinen 24. Meistertitel feiert, erlebt Manchester United einige seiner bittersten Stunden. Beim 0:3 im Derby gegen Manchester City versagen die Zuschauer Trainer David Moyes erstmals die Unterstützung - am Ende wird sogar Sir Alex Ferguson verbal angegangen.

Zwei Fans von Manchester United beim 0:3 gegen Manchester City
Erkennen ihren Verein nicht wieder: Zwei Manchester-United-Fans nach dem 0:3 im Derby gegen City.
© imagoZoomansicht

Will man den Zustand von Manchester United, dem englischen Rekordmeister, im Jahre 2014 in drei Begriffen beschreiben, wird man bei Rudi Völler fündig. "Ein Tiefpunkt, niedriger Tiefpunkt und noch ein niedrigerer Tiefpunkt!", schimpfte der einst als DFB-Teamchef. Elf Jahre später fragt man sich auch am Old Trafford: Wie schlimm kann es noch werden?

Schon jetzt ist klar, dass die Red Devils am 11. Mai ihre schlechteste Premier-League-Saison aller Zeiten beenden werden. 75 Punkte, der niedrigste Wert in Sir Alex Fergusons Ära, sind sieben Spieltage vor Schluss nicht mehr zu erreichen, zehn Niederlagen bereits Negativrekord. Platz eins ist 17, Platz vier zwölf Zähler entfernt. Und all das brachte ein Kader fertig, der sich gegenüber dem Vorjahr streng genommen nur dadurch unterscheidet, dass Paul Scholes aufgehört hat. Damals wurde United mit elf Punkten Vorsprung Meister.

Das Letzte, was bisher noch an jene Saison erinnert hatte, verspielten Wayne Rooney & Co. am Dienstagabend: den Rückhalt der Fans. Als nach dem FC Liverpool mit Manchester City der nächste Erzrivale das Old Trafford wie selbstverständlich mit 3:0 eingenommen hatte, kam es zum offenen Bruch mit Trainer David Moyes und dem Mann, der ihn vorigen Sommer nach Manchester gelotst hatte: Sir Alex Ferguson, der geliebten Klub-Legende, die in der neuen Funktion als Klubdirektor wie immer anwesend war.

Sieben Ordner müssen das Moyes-Banner beschützen

"The Chosen One", der Auserwählte, steht auf einem Banner mit Moyes' Konterfei, das seit Saisonbeginn im "Theater der Träume" hängt. Nach der Derby-Schmach waren sieben Ordner nötig, um aufgebrachte Zuschauer daran zu hindern, es ein für allemal zu entfernen. Und dass umstehende Fans Tribünengast Ferguson heftig dafür beschimpften, seinen schottischen Landsmann mit seiner Nachfolge betraut zu haben, war der letzte Beweis: Nur neun Monate nach dem Trainerwechsel steht Manchester United emotional am Abgrund.

"Ich übernehme die Verantwortung und werde das immer tun", sagte Moyes nach der sechsten Heimniederlage, über die Edin Dzeko praktisch schon nach 43 Sekunden entschieden hatte. "Ich wusste, dass es ein schweres Jahr werden würde, habe aber gehofft, dass wir konkurrenzfähiger sind." Allerdings hätten auch andere Klubs Umbrüche vollbringen müssen, "und schauen Sie, wie lange sie gebraucht haben". Noch habe man also Zeit, "das Level zu erreichen, an dem wir noch nicht angekommen sind". Moyes meinte das Level der Konkurrenzfähigkeit.

Ich dachte zu keinem Zeitpunkt, dass wir zurückkommen würden. Nicht mal beim Stand von 0:1.Paul Scholes

Was gegen City alles nicht funktionierte, brachte Scholes, inzwischen Mitglied des Trainerstabs, auf den Punkt: "Als ich noch gespielt habe, haben wir nicht mal, als wir 0:2 oder 0:3 zurücklagen, das Gefühl gehabt, dass wir geschlagen sind. Heute aber dachte ich zu keinem Zeitpunkt, dass wir zurückkommen würden. Nicht mal beim Stand von 0:1." Der Ex-Kapitän und TV-Experte Gary Neville nahm entsprechend eine "Identitätskrise" wahr.

Ob man da in der Champions League nicht besser gegen Olympiakos Piräus ausgeschieden wäre, fragt sich so mancher United-Fan bereits. Niemand weiß nämlich, wie diese Mannschaft, der auch noch Robin van Persie verletzt fehlt, gegen den FC Bayern im Viertelfinale eine weitere Demütigung verhindern will. Es fehlt an Klasse, an einem klaren spielerischen Konzept, aber auch an Mentalität, an Glaube. Die Dauerkrise beim Dauermeister scheint alle zu lähmen.

Das letzte Saisonziel: Schadensbegrenzung

Eigentlich wollten die Verantwortlichen Moyes eine druckfreie Debütsaison zur Eingewöhnung zugestehen, um ihn im Sommer dann auf millionenschwere Shoppingtour zu schicken. Der Kader braucht ein neues Gesicht, das ist allen in Manchester klar. Dass es Moyes nun aber geschafft hat, die Fans, die bisher geduldig hinter ihm gestanden und von ihm dafür erst kürzlich einen offenen Dankesbrief erhalten hatten, gegen sich und Ferguson aufzubringen - das könnte die Zukunftspläne neu schreiben.

Schadensbegrenzung lautet das letzte Saisonziel. Der erfolgsverwöhnte United-Anhang weiß gerade gar nicht, von welcher Tabellenregion er sich angewiderter abwenden soll: vom grauen Mittelfeld, in dem United die ungeliebte Europa League droht, oder von der Spitze, an der beide Erzrivalen mit Chelsea um den Titel spielen.

 Tabellenrechner England
 
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Premier League - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1FC Chelsea62:2369
 
2FC Liverpool84:3968
 
3Manchester City79:2766
 
4FC Arsenal55:3663
 
5FC Everton46:3057
 
6Tottenham Hotspur40:4056
 
7Manchester United48:3751
 
8Newcastle United38:4346
 
9FC Southampton45:4045
 
10Stoke City36:4537
 
11West Ham United34:4134
 
12Aston Villa33:4234
 
13Hull City33:3933
 
14Norwich City26:4832
 
15Swansea City42:4830
 
16West Bromwich Albion33:4528
 
17Crystal Palace19:3928
 
18AFC Sunderland27:4625
 
19Cardiff City26:5825
 
20FC Fulham30:7024

weitere Infos zu Moyes

Vorname:David
Nachname:Moyes
Nation: Schottland


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